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Lübeck Gedenktafel für verfolgte Homosexuelle
Lokales Lübeck Gedenktafel für verfolgte Homosexuelle
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22:16 19.01.2016
Betrachten den Entwurf und freuen sich aufs Original, das derzeit noch bei einer Metallbaufirma vorbereitet wird: Nina Jakubczyk (v. l.), Erich Lethgau und Christian Till. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Innenstadt

Der Sonnabend ist ein bedeutsamer Tag für Christian Till und seine Mitstreiter vom Verein Lübecker CSD (Christopher Street Day): Dann nämlich wird am Zeughaus an der Parade unmittelbar neben der Gedenktafel für Opfer des Nationalsozialismus eine spezielle Tafel angebracht für Menschen, die aufgrund ihrer „anderen“ Sexualität verfolgt waren, teils ins Lübecker Zeughaus und teilweise in Lager gebracht worden waren.

Es war ein längerer Weg bis hierher, obschon der Vereinsvorsitzende Till sich bereits 2014 über die „überwältigende Resonanz auf unseren Vorschlag in der Politik“ freute. Einstimmig hatte der Kulturausschuss die Anbringung einer solchen Gedenktafel beschlossen. Einige, erinnert sich Till, hätten ganz schnell und ohne großes Aufsehen eine Tafel anbringen wollen. Doch letztlich wählte man den weiteren Weg. Künstler Erich Lethgau, der schon die 1986 am Zeughaus angebrachte Gedenktafel geschaffen hatte, sollte passenderweise auch die jetzige entwerfen und fertigen. Das ist jetzt geschehen.

Zwischendrin galt es auch, Spenden für die Gedenktafel einzuwerben. 4000 Euro brachte der Verein über Sponsoren zusammen, 8000 Euro übernimmt die Stadt.

Die Tafel, die am Sonnabend am Zeughaus angebracht wird, ist wie ihr Vorgänger aus Grauguss. Lethgau: „Es sollte nicht glänzende Bronze sein, sondern ein Material, das im Laufe der Jahre altert. Ich wollte etwas Vergängliches schaffen.“ Die größte Herausforderung dabei sei es gewesen, den doch recht langen Text, den der Verein CSD wünschte, auf der 1,60 Meter breiten und 60 Zentimeter hohen Tafel unterzubringen. Immer und immer wieder habe er gezeichnet. „Die Frage war: Wo bleiben die vielen Buchstaben?“, erzählt der Künstler. Dann habe er aus einer Art Knetmasse eine sieben Millimeter dicke Negativ-Form modelliert, mit Gips positiv ausgegossen und das Ganze, verstärkt mit Dachlatten, zur Gießerei Buchholz nach Goslar gebracht — stets multimedial begleitet vom Verein CSD. „Wir haben Herrn Lethgau fast verfolgt“, sagt Christian Till. Doch den Künstler scheint das nicht gestört zu haben — im Gegenteil: „Ich fand es sehr angenehm, dass jemand so intensiv am Entstehungsprozess beteiligt ist.“

Begleitet wurde das Ganze auch von Nina Jakubczyk, Leiterin des städtischen Kulturbüros. Für sie ist es „wichtig, dass wir hier am Zeughaus die Wand neben dem anderen Denkmal bekommen haben“. Sie wisse, dass der Verein CSD es durch Veranstaltungen in Ehren halten werde.

Und sie wird neben der Tafel aus dem Jahr 1986 langsam und natürlich altern. Daher werde man, so Lethgau, stets erkennen, dass sie jünger ist als die andere. Übrigens gibt es laut Christian Till weltweit nur acht weitere Denkmale dieser Art im innerstädtischen Bereich.

Eingeweiht wird das Lübecker Mahnmal am Sonnabend, 23. Januar, um 16 Uhr am Zeughaus, Parade 10-12. Sprechen werden Stadtpräsidentin Gabriele Schopenhauer, Martin Sölle vom Centrum Schwule Geschichten Köln und CSD-Vorsitzender Christian Till.

„Ich wollte etwas Vergängliches schaffen.“
Erich Lethgau, Künstler

Sabine Risch

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