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Lübeck Gefährlicher Schulweg: Eltern besorgt
Lokales Lübeck Gefährlicher Schulweg: Eltern besorgt
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18:18 13.01.2018
Fehlender Übergang in Schulnähe: Alleine darf die siebenjährige Jolina nicht zur Schule gehen. Ein Zebrastreifen oder eine Ampel würden Mutter und Tochter den Alltag erleichtern. Quelle: Fotos: Lutz Roessler/privat

Für Jolina beginnt die Schule um acht Uhr. Eigentlich traut ihre Mutter Julia Dunker der Siebenjährigen zu, eigenständig den Weg zur Paul-Klee-Grundschule zu gehen. Ihre Wohnung liegt nicht weit entfernt auf der anderen Seite der Maria-Goeppert-Straße.

Aber: „Ich habe Angst, dass Jolina angefahren wird“, sagt die 42-Jährige. So bringt sie ihre Tochter bereits um sieben Uhr in die Kinderbetreuung auf der anderen Straßenseite, damit sie selbst anschließend pünktlich zur Arbeit kommt. „In dem Alter können Kinder noch nicht abschätzen, ob sie es über die Straße schaffen“, sagt die Mutter. Was fehle, sei ein Zebrastreifen oder eine Ampel.

Mit ihrem Anliegen ist Julia Dunker nicht allein. Maren Blackert, Schulleiterin der Paul-Klee-Schule, kennt das Problem. Viele Eltern hätten sich zusammengeschlossen, den Kontakt zu Polizei und Stadt gesucht. „Es gibt immer noch keinen gesicherten Übergang“, betont die Schulleitung. Täglich überquerten rund 80 Schüler die Kreuzung an der Maria-Goeppert Straße und Carl-Gauß-Straße, 400 Schüler besuchen die Grundschule insgesamt.

Direkt neben der Schule befindet sich das Kinderhaus „Wilde 13“. Hier werden 110 Kinder betreut, sagt Einrichtungsleiter Tobias Alban. „Es erschließt sich mir nicht, wieso bei einem geringen finanziellen Aufwand für einen Zebrastreifen nichts getan wird“, sagt der 58-Jährige. „Muss denn erst etwas Schlimmes passieren, damit die Stadt handelt?“, fragt sich Alban.

Dem pflichtet der Pressesprecher der Unternehmensgruppe Marli Stephan Boness bei. An der Maria-Goeppert-Straße gelegen sind die Marli-Werkstätten. 46 Menschen mit Behinderung leben hier, weitere 50 Menschen kommen täglich zum Arbeiten in die Werkstätten, „darunter sehr viele mit Rollstuhl“, sagt Boness. Auch er kritisiert: „Es muss wahrscheinlich erst etwas Böses passieren.“

Unfälle habe es bisher zum Glück noch keine gegeben, aber die eine oder andere Vollbremsung und ein Ausweichmanöver passierten an der Straßenecke immer wieder. Lastwagen, Mitarbeiter der nahe gelegenen Universität und Rettungstransporte, die zum UKSH wollen, der Linienbus der Stadtwerke, Eltern, die ihre Kinder schnell mit dem Auto abholen wollen – da sei eine Menge los.

An Tempo 30 halte sich nicht jeder.

Der städtische Arbeitskreis für Verkehrsfragen erörterte die Situation mehrfach, zuletzt im Mai 2017. Passiert ist bisher nichts. Der Grund: Komplizierte Regelungen in der Verwaltung, sagt Rainer Dürkop von der Polizeidirektion Lübeck. Seit Jahren sei die Polizeidirektion in Kontakt mit den zuständigen Stellen der Stadt.

In der Maria-Goeppert-Straße gilt Tempo 30. Ampeln und Fußgängerüberwege seien dann laut Vorschrift nicht erlaubt. „Ausnahmen können nur bei außergewöhnlichen Zuständen durch die obere Straßenverkehrsbehörde in Kiel zugelassen werden“, sagt Dürkop.

Die Stadt verweist auf eine Verkehrserhebung von 2015. An einem Tag stellte sie zur Spitzenzeit fest, dass 70 Menschen an der Ecke die Straße überquerten, und 202 Autos dort entlangfuhren. Insgesamt seien am Tag 2000 Fahrzeuge unterwegs. Diese Zahlen reichten nicht aus, um von einer „besonderen Gefährdungslage“ zu sprechen. „Die Verwaltung wird die Situation weiterhin beobachten“, sagt Stadt-Sprecherin Nicole Dorel.

Mutter Julia Dunker will nicht aufgeben. „Ich habe darüber nachgedacht, mit dem Farbeimer weiße Striche auf die Fahrbahn zu malen“, sagt sie scherzhaft. Die 42-Jährige vernetzt sich mit Eltern, sammelt täglich Foto-Beweise. „Ich bin in den Hochschulstadtteil gezogen, weil es familienfreundlich sein soll“, sagt die 42-Jährige. Ein Trugschluss?

Von Saskia Bücker

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