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Lübeck Gefährlicher Schulweg: Stadt reagiert
Lokales Lübeck Gefährlicher Schulweg: Stadt reagiert
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09:24 18.04.2018
Fahrbahnverengung statt Fußgängerüberweg: Mutter Julia Dunker (42) zweifelt daran, dass die Maßnahme der Stadt ihrer Tochter Jolina einen sicheren Schulweg garantiert. Quelle: Lutz Roeßler
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St. Jürgen

Es kommt Bewegung in die Debatte. Der Fachbereich Planen und Bauen und der Bereich Stadtgrün und Verkehr der Hansestadt Lübeck planen nach langen Jahren der Kritik so genannte „Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit für Fußgänger in der Maria-Goeppert-Straße“. Geplant ist eine Verengung der Fahrbahn in der Maria-Goeppert-Straße an der Einmündung zur Carl-Gauss-Straße. Das diene einem sichereren Schulweg. In den Sommerferien soll gebaut werden. Damit reagiere die Stadt auf die besonderen Rahmenbedingungen vor Ort und entspreche dem vielfachen Wunsch nach einer Verringerung der vor allem von Eltern und Kindern „subjektiv wahrgenommenen Gefahr“ auf dem Weg zur Paul-Klee-Schule und zum Kinderhaus „Wilde 13“ im Hochschulstadtteil.

Die Stadt blockierte bislang

Der Hintergrund: Täglich überqueren rund 80 Schüler die Kreuzung an der Maria-Goeppert-Straße, 400 Schüler besuchen die Grundschule insgesamt. Im Kinderhaus „Wilde 13“ werden 110 Kinder betreut.

Ebenfalls dort gelegen sind die Marli-Werkstätten, in denen 46 Menschen mit Behinderung leben. Weitere 50 Menschen kommen täglich zum Arbeiten in die Werkstätten, darunter sind viele, die mit einem Rollstuhl unterwegs sind. Schlimme Unfälle sind an der Kreuzung bisher zwar noch nicht passiert. Einrichtungsleiter und Eltern berichten jedoch von brenzligen Situationen mit Autofahrern und Falschparkern. Seit Jahren kämpfen sie deshalb für die Installation eines Zebrastreifens. Die Stadt blockierte bislang, verwies darauf, dass an der Kreuzung nicht von einer „besonderen Gefährdungslage“ gesprochen werden könne.

Fahrbahnverengung statt Zebrastreifen

Jetzt aber reagiert sie doch. Allerdings nicht mit einem Fußgängerüberweg, sondern einer Fahrbahnverengung. Die Planungsarbeiten haben bereits begonnen. Es fehlt nur noch die Freigabe des Haushaltes durch das Land. Bis dahin werde ein dort bestehendes Halteverbot verstärkt kontrolliert. „Durch das Halten und Parken von Fahrzeugen im betroffenen Kreuzungsbereich, teils sogar in zweiter Reihe, werden die Sichtbeziehungen zwischen Autofahrern und Fußgängern – und gerade Kindern – die die Maria-Goeppert-Straße überqueren wollen, zum Teil erheblich behindert“, erklärt die Stadt die Maßnahme.

Ergänzend werde vom Arbeitskreis Verkehr geprüft, ob die Vorfahrtsregelung in der Straße angepasst werden muss.

Einen Fußgängerüberweg lehnt die Stadt ab. Es habe eine Prüfung vom Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr und der Lübecker Straßenverkehrsbehörde gegeben. Der in der Öffentlichkeit favorisierte Fußgängerüberweg innerhalb der bestehenden Tempo-30-Zone sei grundsätzlich entbehrlich. Er wäre nur dann gerechtfertigt, „wenn das Verkehrsaufkommen weit über das übliche Maß in einer Tempo-30-Zone hinausginge, was im betroffenen Bereich nicht der Fall ist“, heißt es seitens der Stadt. Die Fahrbahnverengung sei eine effektivere Maßnahme. Diese Ansicht teile auch das Landesverkehrsministerium.

Betroffene sind enttäuscht

Mutter Julia Dunker ist enttäuscht. Die 42-Jährige hätte sich mehr von der Stadt erwartet. Schon lange setzt sie sich für ihre Tochter Jolina für einen Zebrastreifen an der Kreuzung von Maria-Goeppert-Straße und Carl-Gauss-Straße ein. Zwar freue es sie, dass die Stadt auf die Bedenken vieler Eltern reagiert. Sie zweifle aber daran, dass die Fahrbahnverengung das grundsätzliche Problem löse: „Ich weiß nicht, ob ich dann meine Tochter alleine zur Schule schicken würde“, so Dunker. Ein Zebrastreifen sei für Kinder und Menschen mit Behinderung viel sinnvoller, weil sie besser einschätzen können, wann sie die Straße überqueren sollten – und wann nicht. Immerhin einen Fortschritt sieht Dunker: „Es ist gut, dass das Halteverbot dort besser überwacht wird.“

 „Ein Zebrastreifen vermittelt eine falsche Sicherheit“, sagt Bausenatorin Joanna Glogau (parteilos) zu der Entscheidung für die Verengung. So hätten es die Mitarbeiter des Landesbetriebs Verkehr erklärt. Die hatten sich die Situation vor Ort angesehen. Ursprünglich sollte in der Maria-Goeppert-Straße Tempo 50 gelten – daher ist sie auch so schnurgerade gebaut. Dann wurde Tempo 30 eingeführt. „Es gibt ein Missverhältnis zwischen dem Tempolimit und dem Bau der Straße“, sagt Glogau. Daher sei es sinnvoller, die Straße zu verengen.

Dadurch könnten Fußgänger die Straße besser einsehen und besser gesehen werden. Zudem würde es das Parken der Autos in zweiter Reihe verhindern.

 Von Saskia Bücker

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