Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Gefährliches Haus am Brodtener Ufer: Wann wird es abgerissen?
Lokales Lübeck Gefährliches Haus am Brodtener Ufer: Wann wird es abgerissen?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:33 25.11.2013
Von Michael Hollinde
„Lange wird es wohl nicht mehr dauern, bis es abstürzt“, bemerkt Wanderer Jens Pischke (34) aus Dresden. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat, Holger Kröger
Travemünde

An der Tür hängt ein Vorhängeschloss, die Fensterläden sind verschlossen, und im Wintergarten mit Premiumaussicht ist kein einziges Möbelstück zu erblicken. „Dabei ist das hier doch ein klasse Haus in einer tollen Lage“, sagt Jens Pischke. Der 34-jährige Kunstmaler aus Dresden betrachtet gerade das wie verlassen wirkende weiße Wochenendhaus, das unweit der Hermannshöhe direkt am Brodtener Steilufer liegt. „Aber wohnen möchte ich hier nicht mehr“, stellt er dann in Folge der Inspektion fest, „die Abbruchkante ist ja bedrohlich nahe. Eine Ecke des Wintergartens hängt tatsächlich bereits in der Luft.“ Das könnte bald ganz unten liegen, resümiert er.

Mit dieser Feststellung ist der Ausflügler nicht allein. „Aufgrund der Gefahrenlage haben wir ja auch schon im vergangenen Jahr gegenüber dem Hauseigentümer eine Nutzungsuntersagung ausgesprochen“, stellt Joachim Lauenroth, Bereichsleiter Bauordnung und Statikprüfung der Hansestadt Lübeck, fest. Der Besitzer dürfe erst wieder einziehen, wenn der Nachweis erbracht sei, dass das Gebäude nicht absturzgefährdet ist, ergänzt Lauenroth. „Und dies ist nicht zu leisten.“ Darüber hinaus habe die Stadt in der gegenwärtigen Situation keine weitere Handhabe — wie zum Beispiel eine Anordnung zum Abriss des Hauses. „Der Eigentümer selbst ist verantwortlich, er haftet für sein Eigentum und hat eine Verkehrssicherungspflicht.“

Auch Oliver Menn wandert regelmäßig die vier Kilometer lange Strecke zwischen dem Möwenstein in Travemünde und Niendorf — „ich gehe sowohl gern hier oben auf dem Wanderweg als auch unten am Strand“, sagt der 45-jährige Lübecker, „allerdings werde ich in Zukunft gerade an dieser Stelle am Strand immer erst nach oben gucken. Denn wenn so ein Haus erstmal ins Rutschen kommt . . .“

Dass die Passage direkt am Spülsaum generell nicht sicher ist, betont Travemündes Kurdirektor Uwe Kirchhoff: „Das Brodtener Ufer ist nun mal ständig in Bewegung, gerade wenn sich Frost- und Tau-Perioden abwechseln. Da können jederzeit Gesteinsbrocken, Betonringe oder Bäume herunterstürzen.“ Nicht umsonst stehe an allen drei Zugängen zu dem Weg unterhalb des Steilufers jeweils ein Schild mit der Aufschrift „Vorsicht! Abbrechendes Steilufer — Begehen des Strandes auf eigene Gefahr!“

Eine Prognose, wann das Häuschen ein Opfer des natürlichen Prozesses wird, wagt Kirchhoff aber nicht. Das Kliff werde nahezu täglich von seinen Mitarbeitern in Augenschein genommen, versichert er — „wir werden es also beobachten“. Bereichsleiter Lauenroth schlägt vor, wenn bald nichts passiere und „Gefahr im Verzug“ sei, den besonders gefährdeten Strandabschnitt mit rot-weißem Flatterband abzusperren. Der Hauseigentümer selbst, der in Hamburg wohnt, äußert sich zu der Situation sehr zurückhaltend. So sei der Abriss durchaus geplant, aber einen genauen Zeitpunkt wolle er nicht nennen, um nicht noch weiter unter Druck zu geraten. „Der Kontakt mit der Behörde in der Sache besteht aber“, versichert er.

Baujahr 1931
Das kleine Wochenendhäuschen mit der traumhaften Aussicht auf die Lübecker Bucht wurde 1931 errichtet. Damals war die Abbruchkante des Steilufers noch recht weit entfernt. 1984 kaufte eine Berliner Familie die Immobilie, die da rund 32 Meter von der Kante entfernt stand. Nach diversen Abbrüchen musste der Uferwanderweg 1987 bereits vor das Haus verlegt werden. 1994 wurde das Gebäude auf Zeit an einen Hamburger verkauft.

Michael Hollinde

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!