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23:55 18.06.2016
Volle Konzentration: René Wodtke durchfährt eine Ortschaft. Das heißt abbremsen und runterschalten. Der Simulator meckert, das Gefühl für die Bremse muss sich erst einmal einstellen. Quelle: Fotos: Olaf Malzahn

„Hallo! In dieser ersten Fahrstunde geht es um die Grundfertigkeiten des Autofahrens.“ Die Computerstimme spricht mit Angelique Derfi, die soeben im Cockpit des Simulators Platz genommen hat. Die 21-Jährige sitzt zum ersten Mal hinterm Lenkrad. Sie wirkt leicht verunsichert, zumal zwei Leute hinter ihr stehen. Es gilt, den Sitz einzustellen – immer und immer wieder, denn irgendwie meckert der Simulator, obwohl Angelique mit leicht angewinkeltem Knie die Kupplung tritt. „Vorführ-Effekt“, sagt Martina Trautmann (50), die erst seit Mitte der Woche den Simulator in ihrer Fahrschule im Hochschulstadtteil stehen hat. Er wird zum Üben genutzt, bevor es für die Fahrschüler hinaus auf die echte Straße geht. Vom PC aus muss Mitarbeiterin Sue Aboudou das Programm für die erste Fahrstunde mehrfach freischalten, dann geht es los: Kupplung, Bremse, Startknopf, Schalten üben. Was geübte Autofahrer fast wie im Schlaf machen, ist für Fahranfänger eine komplizierte Aufgabe, die viel Konzentration erfordert. Aber: „Es ist gut, dass ich in meinem Tempo auf dem Simulator üben kann und keine anderen Leute behindern muss“, sagt Angelique und rollt erstmals, nachdem sie erfolgreich den ersten Gang eingelegt und eingekuppelt hat, ein Stückchen voran.

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Angelique Derfi ist Fahranfängerin und muss erst einmal lernen, welches Pedal wofür ist.

Insgesamt sechs Übungseinheiten unterschiedlichen Schwierigkeitsgrades bietet der Simulator, der mit einem naturgetreuen Cockpit ausgestattet ist und soviel kostet wie ein Kleinwagen. Martina Trautmann hat ihn angeschafft, nachdem sie sich bundesweit bei Kollegen ausgiebig über das Gerät informiert hat. „Gerade für schwächere Fahrschüler ist das eine gute Sache“, ist sie überzeugt. Zumal es immer weniger ruhige Strecken gebe, auf denen man das Anfahren, Abbiegen und Vorfahrthalten üben könne.

René Wodtke ist schon im Fortgeschrittenen-Modus unterwegs. Schließlich ist der 30-Jährige während seiner Zeit bei der Bundeswehr bereits Lkw, Pkw und Motorrad gefahren. „Aber dann habe ich es versäumt, den Führerschein übertragen zu lassen – jetzt brauche ich ihn, weil ich demnächst in Westerland auf Sylt arbeite.“ Er hat die Kopfhörer aufgesetzt, damit er sich voll auf den Simulator konzentrieren kann. Auf den drei Monitoren (in der Mitte die Frontscheibe, links und rechts die Seitenscheiben) fährt er über eine Landstraße, muss Kurven bewältigen und zwischendrin abbremsen. Alles scheint reibungslos zu laufen, doch als René nach 45 Minuten aus dem Simulator steigt, verrät er: „Es war ganz viel mit der Bremse – mal habe ich zu sacht gebremst, mal zu hart. Und der Simulator will immer auf 1500 Umdrehungen gefahren werden – das heißt, ich habe oft nicht schnell genug hochgeschaltet.“ Zum „Wiederreinkommen ist das gut, für absolute Anfänger ideal“, lautet sein Urteil.

Für versierte Fahrer hingegen wie den Mann mittleren Alters, der sich forsch ins Cockpit setzt und durch die Stadt brausen will, ist der Simulator eher eine Qual. „Du hast vergessen, die Handbremse zu lösen“, lautet der erste Hinweis. Handbremse gelöst, los geht’s. Doch erst einmal macht es „wupp“, das Auto ist abgewürgt, nach Neustart gibt es ein kratzendes Geräusch à la „schönen Gruß vom Getriebe“ und den Hinweis: „Du musst die Kupplung ganz durchtreten.“ In der Art geht es weiter, und als der Mann nach zehn Minuten aus dem Cockpit steigt, ist er fix und fertig – „irgendwie schwummerig“, sagt er. Was, wie Martina Trautmann weiß, typisch ist. Eine Fehldeutung des Gehirns bei all jenen, die sich jahrelang Reaktionsvermögen antrainiert haben. Aber irgendeinen Vorteil muss der Fahr-Neuling ja auch haben.

Der Simulator

3 Doppelstunden mit sechs Lernmodulen sind für Fahranfänger vorgesehen, bevor sie sich ins Auto und den echten Verkehr wagen. Laut Martina Trautmann ist ihre Fahrschule die einzige in Lübeck und Umgebung, die über einen solchen Simulator verfügt. In Kaltenkirchen, Heide, Flensburg und Hamburg gebe es die nächsten Geräte.

Beim Tag der offenen Tür am Sonnabend, 25. Juni, kann jeder in der Fahrschule, Paul-Ehrlich-Straße 1-3, den Simulator von 10 bis 16 Uhr ausprobieren und einen 500-Euro-Zuschuss zum Führerschein gewinnen.

 Sabine Risch

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