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Lübeck Lange Haftstrafe für Supermarkt-Räuber
Lokales Lübeck Lange Haftstrafe für Supermarkt-Räuber
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18:54 30.01.2019
Der Angeklagte mit seinem Verteidiger Christian Schumacher.  Quelle: Sebastian Rosenkötter
Lübeck/Timmendorfer Strand

Ein 39-jähriger Lübecker muss für vier Jahre und sechs Monate ins Gefängnis. Der Mann hatte im Juli vergangenen Jahres den Penny-Supermarkt am Lübecker Ziegelteller überfallen. Drei Monate später täuschte er seine eigene Entführung vor. Dabei verletzte er sich zunächst mit einem Skalpell und fesselte sich anschließend an eine Bank auf dem Waldfriedhof in Timmendorfer Strand. Die ermittelnden Polizisten wurden schnell misstrauisch, wie ein Zeuge aussagte.

Richter von Geständnis überrascht

Richter Kai Schröder betonte während der Urteilsbegründung, dass sich das am ersten Verhandlungstag geäußerte Geständnis positiv auf das Urteil ausgewirkt habe. „Damit war bei ihrer Persönlichkeit nicht ohne Weiteres zu rechnen“, sagte er an den Angeklagten gewandt. „Vielleicht sind Sie auf dem Weg der Besserung.“

Der Lübecker werde seine Strafe in der Justizvollzugsanstalt Neumünster absitzen. „Da ist es etwas angenehmer. Nutzen Sie die Angebote der Haftanstalt“, betonte Schröder. Gegen das Urteil kann noch Revision eingelegt werden.

Der verletzte 38-Jährige in Timmendorfer Strand ist am Montagabend von zwei Frauen gefunden worden. Offenbar wurde er aus einem Auto auf den Parkplatz geworfen.

Das ausgesprochene Strafmaß lag zwischen den Forderungen der Staatsanwaltschaft und der des Verteidigers. Oberstaatsanwältin Bettina von Holdt hatte eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten gefordert. Zudem plädierte sie dafür, dass der Angeklagte 500 Euro wegen unerlaubten Waffenbesitzes zahlen soll. In dessen Auto waren kurz nach dem Überfall zwei verbotene Messer gefunden worden.

Von Holdt betonte, dass die beiden Penny-Kassiererinnen durch die Tat in nicht unerheblichem Umfang psychische Beeinträchtigungen erlitten hätten. Dies war schon am ersten Verhandlungstag sichtbar geworden, als die beiden Frauen ausgesagt hatten. Eine der beiden trat auch als Nebenklägerin auf.

Mordkommission war involviert

Darüber hinaus betonte die Oberstaatsanwältin, dass der Angeklagte mit erheblicher krimineller Energie vorgegangen sei, in dem er sich in dem Supermarkt versteckt, sich maskiert und anschließend die Frauen mit einer ungeladenen Softairpistole überfallen habe. Den vorgetäuschten Entführungsfall beschrieb sie als „aufwendige, keinesfalls perfekte Inszenierung“.

Eben diese Tat führte laut dem als Zeugen geladenen Polizisten zu einem Großeinsatz, an dem zahlreiche Beamte – auch von der Mordkommission – beteiligt gewesen seien. Weiter sagte er, dass der 39-Jährige, nachdem er auf dem Friedhof gefunden worden sei, von einem Überfall in seiner Wohnung gesprochen habe. Auch gab er an, in einem Kellergang gefangen gehalten worden zu sein.

Videoaufnahmen überführten den Mann

In den folgenden Stunden und Tagen sei der Verdacht aufgekommen, dass die Entführung vorgetäuscht war. Die Auswertung der Bankdaten des Mannes habe ergeben, dass er Fahrkarten für einen Fernbus nach Amsterdam sowie Flugtickets nach Edinburgh und Dublin gekauft hatte.

Zudem soll es Videoaufnahmen aus dem Hannoveraner Bahnhof geben, auf denen der Lübecker zu sehen sein soll, während er angeblich von seinen Entführer festgehalten und über Facebook von seiner damaligen Freundin gesucht wurde.

Verteidiger forderte geringere Strafe

Verteidiger Christian Schumacher stimmte der Staatsanwaltschaft in weiten Teilen zu. Jedoch hielt er eine Strafe von drei Jahren und drei Monate für ausreichend. Insbesondere das Geständnis sei strafmildernd zu berücksichtigen. Zudem betonte er, dass die Strafe angemessen sein müsse und seinem Mandanten eine Perspektive aufzeigen solle. Der Angeklagte indes sagte, dass er sich sehr schäme und sich aufrichtig entschuldige – vor allem bei den Überfallopfern. „Ich hoffe auf eine zweite Chance“, sagte er.

Nicht mehr Gegenstand des Verfahrens war die Urkundenfälschung. Der Lübecker hatte sich mit falschen Zeugnissen beim Kinderschutzbund beworben und angegeben, dass er Doktor der Psychologie sei. Mit Erfolg: Der Geschäftsführer stellte ihn als Leiter der offenen Ganztagsschule (eine Nachmittagsbetreuung) Falkenfeld ein. Oberstaatsanwältin Bettina von Holdt sprach von einer prozess-ökonomischen Maßnahme. Die Verhandlung, und die damit verbundene Arbeit, wäre unnötig verlängert worden, ohne das Ergebnis großartig zu ändern. Somit lautete das Gesamturteil vier Jahre und sechs Monate Gefängnis. Zudem wurde eine Geldstrafe in Höhe von 100 Euro für den illegalen Waffenbesitz verhängt. Auch muss der Angeklagte die Kosten des Verfahrens tragen.

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Sebastian Rosenkötter

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