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Lübeck Gegen das Vergessen: Acht neue Stolpersteine
Lokales Lübeck Gegen das Vergessen: Acht neue Stolpersteine
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22:33 26.10.2017
Letzter Schliff: Künstler Gunter Demnig bei der Verlegung der vier neuen Stolpersteine in der Lindenstraße. Quelle: Foto: Max Von Schwartz
St. Lorenz Süd

Rund 40 Menschen haben sich vor dem Haus mit der Nummer 5a in der Lindenstraße versammelt. Unter ihnen auch Bürgermeister Bernd Saxe (SPD). Sie schauen bei bedrückender Akkordeonmusik dem Künstler Gunter Demnig zu, wie er die Steine in den Bürgersteig einlässt. Der Kölner Künstler Demnig hat seit Mitte der 90er Jahre bereits rund 63000 Stolpersteine in ganz Europa verlegt. „Die Grundidee dahinter ist, dass wir überall dort aktiv werden, wo die SS ihr Unwesen getrieben hat“, erläutert er.

Die Stolpersteine sind kleine Würfel aus Beton, auf dessen Oberseite eine zehn Quadratzentimeter große Messingplatte eingelassen ist. Vier dieser Steine kommen in der Lindenstraße in den Bürgersteig, vier in der Moislinger Allee.

Einst lebten in der Lindenstraße 5a Julius und Regina Mecklenburg. Das jüdische Ehepaar floh 1939 in letzter Sekunde nach England. Somit entgingen die Papiergroßhändler der sehr wahrscheinlichen Deportation. Ihre Tochter Gertrud war bereits nach der Machtergreifung im Jahr 1933 nach England emigriert, der Tochter Edith Bertha gelang 1936 gemeinsam mit ihrem Ehemann die Flucht nach Palästina.

Vier Stolpersteine erinnern nun vor dem Haus an das Schicksal des Familienzweiges.

Der aus Polen stammende Pferdehändler Elias Lawenda nannte die Moislinger Allee 4a sein Zuhause. Am 9. November 1938 wurde er mit seinen Söhnen Rudolf und Günther nach Sachsenhausen deportiert. Seine Frau Ella schaffte es, Schiffspassagen nach Shanghai zu organisieren, somit rettete sie ihrer Familie das Leben.

Stolpersteine werden von privaten Spendern finanziert und gehen als Schenkung an die Stadt Lübeck. Weitere Informationen auf stolpersteine-luebeck.de.

 mvs

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