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Lübeck Gegen das Vergessen: Lübeck gedenkt der Nazi-Opfer
Lokales Lübeck Gegen das Vergessen: Lübeck gedenkt der Nazi-Opfer
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20:32 30.10.2013
Präsentierten das umfangreiche Programm der Veranstaltungsreihe „Zeit des Erinnerns“: Constanze Oldendorf (v. l.), Wolfgang Muth und Karen Meyer-Rebentisch in der Lutherkirche neben einem Bild des ermordeten Pastors Karl Friedrich Stellbrink. Quelle: Olaf Malzahn
Lübeck

Vor 80 Jahren begann die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten. „Auch Lübeck hatte in dieser Zeit viele Opfer von Verfolgung und Rassenwahn zu beklagen“, erinnert Wolfgang Muth, Leiter des Industriemuseums Geschichtswerkstatt Herrenwyk. Der Historiker koordiniert die Veranstaltungsreihe. In der Lutherkirche stellten Wolfgang Muth, Pastorin Constanze Oldendorf und die Lübecker Kulturhistorikerin Karin Meyer-Rebentisch jetzt das Programm vor und hoben hervor, dass sich Kirchengemeinden, Vereine und kulturelle Einrichtungen Lübecks das Ziel gesetzt hätten, „an diese Zeit zu erinnern und deren Opfer zu gedenken“. Anlässlich der Reichspogromnacht vor 75 Jahren am 9. November 1938 und des 70. Jahrestages (10. November 1943) der Ermordung der vier Lübecker Märtyrer finden in Lübeck zahlreiche Rundgänge, Ausstellungen, Vorträge, Lesungen, Filme und Gottesdienste statt.

So veranstaltet der Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg vom 3. bis 17. November unter dem Titel „Bruchstücke — Kindheit und der Zweite Weltkrieg“ mit täglichen Erzählcafés in St. Marien eine Erinnerungsreihe mit Zeitzeugen. Aus deren Erzählungen und Dokumenten soll dann eine ständig wachsende Ausstellung in der Kirche zum Thema „Kriegskinder“ entstehen.

Am 19. November hält der in Leipzig geborene und heute in Israel lebende Holocaust-Überlebende Schlomo Samson im Audienzsaal des Rathauses einen Vortrag unter dem Titel „Zwischen Finsternis und Licht — Erinnerungen eines Juden aus Deutschland 75 Jahre nach dem Novemberpogrom“. Dieser Vortrag wird von der Lübeckerin Anke Frank veranstaltet.

Am 6. Dezember wird auf dem Bahnhofsvorplatz das Gedenkzeichen für die am 6. Dezember 1941 aus Lübeck nach Riga deportierten 90 Juden eingeweiht. Von den verschleppten Lübeckern überlebten nur drei das Martyrium.

Das Programm von „Zeit des Erinnerns“ umfasst insgesamt mehr als 30 Veranstaltungen. Einige Beispiele: Im Industriemuseum Geschichtswerkstatt Herrenwyk, Kokerstraße 1-3, findet die Dauerausstellung „Ich erinnere mich nur an Tränen und Trauer“ statt. Es ist eine Fotodokumentation zur Zwangsarbeit in Lübeck von 1939 bis 1945 (Öffnungszeiten freitags von 14 bis 17 Uhr, sonnabends und sonntags von 10 bis 17 Uhr). „Geschichte der Juden in Moisling-Lübeck“ heißt eine Dauerausstellung in der Synagoge, St.-Annen-Straße 13 (Öffnungszeiten Mittwoch 14 bis 17 Uhr, Sonntag 12 bis 16 Uhr).

Zum Auftakt der Veranstaltungsreihe findet am kommenden Sonnabend, 2. November, ein historischer Stadtrundgang zu den Stätten von Widerstand und Verfolgung in Lübeck statt. Die Leitung hat der Historiker Wolfgang Muth. Treffpunkt ist um 14 Uhr die Stele zum Gedenken an die Befreiung Lübecks am Holstentor. Im Kommunalen Kino, Mengstraße 35, wird am Montag, 4. November, ab 18 Uhr Loretta Walz‘ Film „France Bloch-Sérazin — Auf den Spuren einer mutigen französischen Widerstandskämpferin“ gezeigt. Sérazin, die von einem deutschen Feldkriegsgericht in Paris zum Tode verurteilt wurde, saß im Frauengefängnis Lübeck-Lauerhof und wurde am 12. Februar 1943 im Gefängnis Holstenglacis in Hamburg enthauptet.

Mit einer Finissage wird am Sonnabend, 9. November, ab 11 Uhr nach fast 20 Jahren die Dauerausstellung in der Lutherkirche „Lösch mir die Augen aus“ für einige Monate geschlossen. Die Ausstellung hält das Leben und Sterben der vier Lübecker Märtyrer in Erinnerung. Im kommenden Jahr wird diese Ausstellung mit neuen Kenntnissen, einem erweiterten Themenfeld und mehr Raum in der Lutherkirche neu eröffnet. Auf der Finissage werden der Ökumenische Arbeitskreis und Karin Meyer-Rebentisch, die die Neukonzeption der Ausstellung entwickelt, über das Projekt berichten. Mit dieser Ausstellung will die Kirche, so Pastorin Constanze Oldendorf, ein „Lernort“ vor allem auch für junge Menschen sein.

Das Programm von „Zeit des Erinnerns“ liegt in den Museen, den Kirchengemeinden und der Stadtbibliothek aus. Es ist auch zu finden im Internet unter www.die-luebecker-museen.de.

Kranzniederlegungen und Andachten
Zum 70. Jahrestag der Hinrichtung der vier Lübecker Märtyrer erinnern die evangelische und katholische Kirche an Hermann Lange, Eduard Müller, Johannes Prassek und Karl Friedrich Stellbrink. Kranzniederlegungen und Andachten gibt es am Freitag, 8. November, ab 15.30 Uhr im Zeughaus, Parade, und um 16.15 Uhr in den Rathausarkaden. Am Sonntag, 10. November, predigt Oberkirchenrat Wolfgang Vogelmann ab 11.15 Uhr in der Lutherkirche über das Thema „Zeugen der Zeit oder — Wenn Theologie auf Wirklichkeit trifft“. Am selben Tag findet ab 18 Uhr in der Propsteikirche Herz Jesu, Parade 4, ein Pontifikalamt mit Erzbischof Werner Thissen statt.

Torsten Teichmann

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