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Lübeck Gegen den Wind durch die finnischen Wälder
Lokales Lübeck Gegen den Wind durch die finnischen Wälder
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21:14 24.07.2017

Auf halbem Weg nach Honningsvåg, an der Kreuzung nach Gjesvær, werfe ich einen vorerst letzten Blick zurück. Das von Touristen umschwärmte, 308 Meter hohe Schieferplateau erstrahlt im Schein der Sonne; der charakteristische Felsenfinger ragt zum azurblauen Meer hinaus. Das Nordkap. Wir waren dort. Wir kommen wieder. Anton und ich. Irgendwann.

Luisa Rische hat auf ihrer Tour um die Welt Lappland erreicht.

LUISA RADELT

Die 28-jährige Lübeckerin

Luisa Rische reist zwei Jahre lang allein mit ihrem Fahrrad „Anton“ um die Welt.

In unregelmäßigen Abständen berichtet sie in den LN von

ihren Erlebnissen.

Mit feuchten Augen und Rückenwind fahre ich über die von Schnee umsäumte Straße der Insel Magerøya zum Nordkap-Tunnel. 212 Meter führt mich die tiefdunkle, feuchte und kalte Röhre unter den Meeresspiegel. 212 Meter wieder hinauf. Alles auf einer Länge von sieben Kilometern. Seit 1999 verbindet der Tunnel Magerøya mit dem Festland.

Ich fahre an der Küste des Porsangerfjords entlang, übernachte in der Nähe von Smørfjord. Am nächsten Tag dreht der Wind. Gegenwind. Selbst bergab muss ich in die Pedalen treten, um nicht stehen zu bleiben. Ich fahre nach Lakselv, von dort geht es weiter über Kárášjohka zur finnischen Grenze. Die Landschaft hat sich verändert. Ewig weite Wälder erstrecken sich vor mir, die schneebedeckten Gipfel lasse ich hinter mir.

Es geht weiter durch Kaamanen und am Inarijärvi vorbei. Der drittgrößte See Finnlands wirkt wie ein belebender Farbklecks inmitten der monotonen Unendlichkeit der finnischen Wälder. Über Petkula und Sodankylä strample ich bis nach Rovaniemi. Die Straße bewegt sich wie Wellen durch Lappland.

Ich habe es eilig. Eigentlich sollte sich der Reiseveranstalter, über den ich die Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn gebucht habe, um das Visum für Russland kümmern. Stattdessen habe es ein Versehen gegeben, wird mir per E-Mail mitgeteilt. Ich muss das Visum selbst beantragen und mindestens sieben Tage, bevor ich die Grenze passieren will, in Helsinki sein. Ich will noch bis zur Küstenstadt Oulu mit dem Fahrrad fahren, von dort soll mich der Zug in die finnische Hauptstadt bringen.

Neun Tage brauche ich vom Nordkap bis Oulu. Täglich bläst mir der Wind meine Motivation um die Ohren. Täglich kommen mir zahlreiche Radler entgegen – viel mehr als in Norwegen. Das wundert mich.

Obwohl es in Finnland nicht annähernd so viele Höhenmeter zu überwinden gibt, ist die Strecke an der norwegischen Küste entlang so viel vielfältiger, gewaltiger, spannender, schöner.

Ich zelte auch in Finnland in der Wildnis, suche mir Plätze an Seen, koche, esse, schlafe. Tagsüber feuern mich Fahrer und Beifahrer entgegenkommender Fahrzeuge an, jubeln, klatschen, strecken die Daumen in die Höhe. Abends stürzen sich die Mücken auf mich. Nach zwei Tagen in Lappland sehe ich aus, als ob ich die Masern hätte. Der Gegenwind ist allerdings so erschöpfend, dass kein Jucken der Welt mich vom Schlafen abhalten könnte.

Als ich in Kemi ankomme, will ich vorzeitig eine Zugfahrkarte für „Anton“ kaufen. Da es im Bahnhof keinen Ansprechpartner gibt, versuche ich es am Automaten. Ich scheitere. Ich frage einen jungen Finnen namens Sampo um Hilfe. Auch er scheitert. Wir versuchen gemeinsam, mit seinem Laptop eine Fahrradkarte zu buchen – und scheitern dabei in letzter Sekunde, weil sein Zug abfährt und meine Bank 15 Minuten braucht, um eine Tan-SMS zu schicken.

Das Zugticket bekomme ich am nächsten Tag per Telefon, Sampo werde ich zwei Tage später wiedersehen.

Luisa Rische

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