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Lübeck Geheime Drogenplantage auf Moorinsel entdeckt
Lokales Lübeck Geheime Drogenplantage auf Moorinsel entdeckt
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10:27 21.03.2018
Günther P. hat seine Entdeckung mit Fotos dokumentiert. Quelle: Foto: Sven Wehde
Schlutup

Es waren die Kindheitserinnerungen, die den gebürtigen Schlutuper Günther P. (Name geändert) im Winter 2012 das erste Mal nach Jahrzehnten wieder hierherkommen ließen. Im Lauerholz. Ein Waldgebiet mit einem Moorsee und einer geheimnisvollen Insel darauf. Die sogenannte Malskat-Insel.

Sie ist benannt nach dem berühmten Kunstfälscher Lothar Malskat, der dort in den 50er Jahren bis Anfang der 60er Jahre ein Haus stehen hatte. Mitten auf der Insel und nur mit dem Boot zu erreichen. Die alten Wege, auf denen der heute 71-jährige Günther P. als Kind mit seinem Vater, der ein kleines Geschäft hatte, Lebensmittel für den sonderbaren Inselbewohner an den Steg des Moorsees brachte, sind längst zugewachsen. Günther P. muss sich durch das Unterholz kämpfen. Das dicke Eis dieses Winters bietet die einmalige Chance, den Sumpf und den See zu überqueren und die Insel zu erreichen. „Ich wollte sehen, ob von den Gebäuden noch irgendwelche Überreste zu finden sind“, sagt P.

Klicken Sie hier, um zahlreiche weitere Beweisbilder von der Cannabis-Plantage auf der Insel in Schlutup zu sehen.

Doch die Spuren des Fälschers sind längst verwischt. Nur noch ein einziger rostiger Eisenpfahl zeugt von der Stelle, an der einst der Steg war. Als das Waldstück zum Landschaftsschutzgebiet erklärt und die Insel renaturiert wurde, sind alle Überreste entfernt worden. Doch dafür findet Günther P. etwas anderes zwischen den Bäumen.

Irgendjemand hatte Dutzende Plastiktöpfe mit Pflanzen auf die Insel geschafft. Außerdem findet er ein Drucksprühgerät mit dem ein Schädlingsbekämpfungsmittel aufgebracht werden kann sowie mehrere Kanister. „Ich habe die Etiketten dann gegoogelt und schnell herausbekommen, dass das eine Mittel offenbar aus den Niederlanden bestellt wurde. Irgendwann war mir klar, dass ich eine Hanfplantage entdeckt hatte.“

Günther P. meldet sich bei der Polizei. Einige Tage später bekommt er Besuch von einer Beamtin vom Rauschgiftdezernat. Im Konvoi fahren sie raus zum Deepenmoor, P. führt die Polizistin bis zu dem ehemaligen Bootssteg. Von dort können sie die Insel sehen, sie kommen jedoch nicht mehr hinüber, da das Eis geschmolzen ist. Doch die Polizei weiß jetzt Bescheid. Günther P. wartet, hört jedoch nichts mehr von den Beamten. „Ich habe dann angenommen, dass die Polizei die Sache geregelt hat.“

Erst jetzt, sechs Jahre später, ergibt sich wieder die Gelegenheit auf die Insel zu gelangen. Anfang März macht sich der Rentner erneut auf, müht sich durch den Sumpf und über das Eis auf die Insel.

Plötzlich knistert es unter dem Schnee. Günther P. wundert sich über die Geräusche und schaut nach. Er findet die leeren Tüten von Komposterde und wenige Meter weiter dann die Maurerbütten mit den Pflanzen darin. „Das waren bestimmt 50 Stück, die standen da keine sechs Jahre, sondern waren viel neuer, genauso wie die leeren Tüten“, berichtet P.

Wieder geht er zur Polizei. Er ärgert sich. „Waren die überhaupt jemals dort? Es wäre ein Unding, wenn seit 2012 jemand unbehelligt im Landschaftsschutzgebiet intensiv Landwirtschaft mit Hanfpflanzen betreibt“, sagt P.

Dem widersprechen die Behörden. Bei einem solchen Fund würden die Pflanzen immer beschlagnahmt, versichert Staatsanwalt Christian Braunwarth. Als die Beamten der Ermittlungsgruppe Rauschgift wenige Tage nach dem Fund die Insel besuchen, beschleicht sie ein anderer Verdacht. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Insel erneut für den Drogenanbau missbraucht wurde.

„Nach derzeitigem Ermittlungsstand handelt es sich nicht um einen alten Pflanzenbestand. Vielmehr gehen wir aufgrund der Beschaffenheit der Pflanzen davon aus, dass die Insel zwischenzeitlich wieder als neuer Anbauort genutzt wurde“, sagt Polizeisprecher Ulli Fritz Gerlach.

Das würde bedeuten, dass die Täter von 2012 so dreist waren, den bereits geräumten Standort erneut für den Drogenanbau zu nutzen. Oder dass zufällig andere Täter den gleichen Standort für den Drogenanbau für sich entdeckt haben.

Für Revierförster Kai Neumann ist jedenfalls klar, dass der Ort ideal gewählt wurde. „Es handelt sich um eine Stilllegungsfläche, auf der der Wald in Ruhe gelassen wird“, so Neumann. Zudem sei die Insel nur sehr schwer zu erreichen, selbst er war noch nie dort.

Die Hanfkübel bleiben derweil noch auf der Insel. In den Pflanzenresten ist kein Wirkstoff mehr enthalten. „Die Entsorgung und Vernichtung erfolgt nach Abstimmung und Prüfung durch die Lübecker Staatsanwaltschaft“, so Gerlach.

Sven Wehde

Kein großangelegter Drogenhandel

Der Anbau von Marihuana erfolgt in Lübeck selten in einem großen, auf Gewinnerzielung gerichteten Umfang. Auch der Fall der Malskat-Insel dürfte keinen groß angelegten Drogenhandel als Hintergrund haben. „Cannabis-Pflanzen, die in der offenen Natur angebaut werden, führen aufgrund der klimatischen Bedingungen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht zu einem Ertrag, der über den Eigenbedarf hinausgeht und mit den am Markt verfügbaren Qualitäten vergleichbar ist“, sagt Staatsanwalt Christian Braunwarth.

Cannabisplantagen, die auf Gewinnerzielung ausgerichtet seien, befänden sich in aller Regel in einem Gebäude. Dabei erfolge die Pflanzenaufzucht unter erheblichem technischem Aufwand.

 

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