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Lübeck Geheime Wege und ein dichter Wald
Lokales Lübeck Geheime Wege und ein dichter Wald
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19:03 09.03.2018
Die Strecke: Von Krummesse bis zur Brömbsenmühle, die direkt an der Grenze liegt. Von dort geht es durch den Kannenbruch bis Moorgarten. Die Herausforderung: Einen nicht vorhandenen Weg um den Mühlenteich finden und dann eine Kuhweide überqueren. Auch der folgende Wald ist nicht nur schön und dicht, sondern unerwartet einsam und abenteuerlich. Quelle: Fotos: Lutz Roeßler (2), Cosima Künzel

Landwirt Christoph Möller (43) steht mit mir am Zaun seiner Kuhweide und lacht: „Sie können da gerne rübergehen, die tun nichts. Außer man trägt rot.“ Sehr witzig, denke ich, und steige in meinem knallroten T-Shirt zwischen dem Stacheldraht hindurch. Die Tour beginnt also abenteuerlich.

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Die vierte Etappe der Grenzwanderung führt zu einer historischen Mühle und bringt mulmige Gefühle mit sich.

Zum Glück bin ich heute morgen so richtig guten Mutes gestartet. Und es ging auch idyllisch los. Vom Ausgangspunkt in Krummesse, in der Niedernstraße am Elbe-Lübeck-Kanal, führt die Landstraße über einen Feldweg zur Brömbsenmühle. Dort treffe ich Landwirt Möller. Seine historische Wassermühle steht an der Grenze zum Herzogtum Lauenburg und hat eine lange Geschichte.

Erstmals erwähnt wird das Gebäude 1379, als Ritter Marquard von Krummesse aus Geldnot das halbe Dorf verkaufen muss. Ihren Namen trägt die Mühle aber nach einem Patriziergeschlecht, der Lübecker Ratsfamilie von Brömbsen. Diese hatte das Anwesen von 1618 bis 1757 besessen. „Betrieben wurde die Mühle mit dem Wasser des Mühlenbaches“, sagt Christoph Möller, „aber das Wasserrad ist längst ausgebaut.“ Aufgrund ihrer Lage am Grenzbach musste der Müller damals auch noch den Schlagbaum bedienen und Zoll erheben.

 Laut Möller gab es früher auch eine Windmühle in der Nähe, die 1972 aber abgebrannt und nur noch als Ruine erhalten ist.

In der Brömbsenmühle wohnt Möller nun mit seiner Familie in vierter Generation und bewirtschaftet einen Bioland-Betrieb. Außerdem hat er das Stadtgut Krummesse von der Hansestadt gepachtet und betreibt dort seit 2003 die Kornbrennerei Krummesse. „Hier zu wohnen, das ist ein großes Glück, total abgeschieden und zugleich ganz schnell in der Stadt“, sagt er und geht mit mir am Verlauf der Grenze entlang.

Diese verläuft am Ufer des Mühlenbaches, Möller kennt einen geheimen Pfad. Über ein Feld mit Lupinen und Sommergerste geht es zum Wasser, wo Schilf und Brennnesseln hüfthoch stehen. Ruhig ist es hier. „Das lieben auch die Wildschweine“, erklärt der 43-Jährige, aber denen sollte man nicht zu nahe kommen. „Die Bachen sind mit ihren Frischlingen unterwegs.“

Dann stehen wir an der Kuhweide – und ich muss mich verabschieden. Schade, es war nett, einmal nicht alleine unterwegs zu sein und jemanden zu haben, der mir den Weg zeigt. Nun muss wieder das Tablet mit der Wander-App her. Aber vorher ist da ja noch die Kuhweide. Tapfer stakse ich also mit meinem roten Shirt durch Rotklee und Kuhfladen, als mir Möller hinterherruft: „Nee, im Ernst, meine Rinder sind total friedlich.“ Aber grundsätzlich würde er nie ungefragt eine Weide überqueren. „Man weiß ja nie, wer da so sein Revier verteidigen will.“

Ich gehe also beruhigt weiter und versuche, den Trampelpfaden der Kühe zu folgen. Das Gras ist nass, meine Turnschuhfüße auch, und die Wade schmerzt wieder. Immerhin bleiben die Kühe tatsächlich wie schwarz-weiße Flecken am Horizont kleben, und ich erreiche den Zaun auf der anderen Seite. Noch einmal klettern, und ich stehe an der Landstraße. Gegenüber beginnt der Wald.

Kannenbruch heißt die Fläche mit der ungewöhnlichen, sternförmigen Wegformation. Dort gehe ich aber nicht lang, meine Strecke an der Grenze ist gerade und einfach zu finden. Zumindest auf der Karte:

Wie mit einem Lineal gezogen führen die Wege durch den Wald – und ich freue mich auf die Etappe. Nur der Totenweg am Anfang klingt wenig einladend. Das Tablet wird im Rucksack verstaut, und ich suche mir einen schönen Wanderstock am Wegesrand.

„Jetzt rechts auf Wanderweg“, sagt mein Navi – mit dem ich inzwischen per Kopfhörer verbunden bin –, und ich frage mich, ob das ein Scherz sein soll? Wie ein Wanderweg sieht das zugewucherte Stück Wald nicht aus. Mit jedem Meter werden Gras und Gestrüpp dichter, und mir fällt die Sache mit den Wildschweinen ein. Warum habe ich gefragt, was man macht, wenn die plötzlich durchs Unterholz brechen? Zu Hause am Schreibtisch ist das kaum vorstellbar, aber mitten im Wald ist mir mulmig zumute. Und dann versperrt auch noch ein umgestürzter Baum den Weg. Ich kämpfe mich drumherum, Äste schlagen mir ins Gesicht, Dornen reißen an den Hosenbeinen.

Schließlich finde ich den Weg doch wieder und gelange sogar auf eine kleine Asphaltstraße. Mit ein paar Schritten ist die Zivilisation wieder so nah. Ein Haus taucht auf, dann immer mehr. Bei Rothenhausen schleift Brigitte Ziehnert (68) neben ihrem Garten Äste über die Straße. Mit ihrem Mann macht sie das Grünland schön und erzählt, dass sie im Lauenburgischen wohnt. „Ein Kilometer weiter ist Moorgarten“, sagt sie, „das ist Lübeck.“ Also geht es dorthin weiter, jetzt über Landstraßen und einen kleinen Fluss. Die Grienau scheint der Grenzbach zu sein, und bald ist Moorgarten in Sicht.

Dort schlendert Michel Pohl (42) mit seinem fast zweijährigen Sohn Jonas die Straße entlang. Sie wollen zum Spielplatz. „Viel zu entdecken gibt es hier nicht“, meint Pohl lachend, „es ist einfach ruhig und schön.“ Mir ist es recht. Abenteuer hatte ich heute genug.

 Cosima Künzel

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