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Geheimnisse unterm Dach von 1268

Lübeck Geheimnisse unterm Dach von 1268

Die frühere Hanseaten-Diele in der Lübecker Innenstadt könnte das älteste Kaufmannshaus Lübecks sein. Doch wer wohnte eigentlich unter dem Gebälk?

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Christian Braasch (r.) und seine Kollegen untersuchen das Dachwerk ausgiebig.

Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat (3), Risch

Innenstadt. Viele bedauern, dass es das herrlich-nostalgische Tanzcafé in der Königstraße nicht mehr gibt. Doch dafür fördert der neue Eigentümer der „Hanseaten-Diele“, Andreas Hagenkötter, noch Älteres und unter den Schichten der Jahrzehnte Verborgenes zutage.

LN-Bild

Die frühere Hanseaten-Diele könnte das älteste Kaufmannshaus Lübecks sein – Wer wohnte unterm Gebälk?.

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„Schön, dass jetzt hier etwas passiert“, sagt Denkmalpfleger Florian Scharfe, „die vergangenen Jahre kam man ja gar nicht richtig ins Gebäude hinein.“ Das Haus, das sich hinter einer klassizistischen Fassade verbirgt, sei möglicherweise das älteste der Hansestadt. Denn sogenannte dendrochronologische Untersuchungen aus den 1980er-Jahren hätten ergeben, dass das Dachwerk aus dem Jahr 1268 stammt.

In den Listen der Denkmalpflege, so Scharfe, seien zumindest keine älteren verzeichnet.

Andreas Hagenkötter, der mit seiner Frau und den zwei Töchtern erst einmal zur Miete in die Glockengießerstraße gezogen ist, bis sein zum Grundstück der Hanseaten-Diele gehöriges Wohnhaus saniert ist, investiert viel Energie und Arbeit in das Objekt. Das Inventar der Hanseaten-Diele und des Eden-Kinos wurden versteigert oder entsorgt, die diversen Wandschichten aus dem Gastraum abgenommen, die nachträglich errichteten Nebengebäude im vollkommen verbauten Innenhof abgerissen. Am meisten bewegt sich derzeit jedoch in jenem Dach aus dem Jahr 1268: Denkmalpfleger und Bauforscher Michael Schefte untersucht das Gebälk ebenso wie Christian Braasch (33) und Kommilitonen von der Fachhochschule. Braasch schreibt seine Masterarbeit über die Entwicklung und Veränderungen des historischen Dachwerks (das ist die gesamte Konstruktion inklusive des Dachstuhls) im Laufe der Jahrhunderte. Die Studenten Onur Angin (26), Oliver Blottwicki (35) und Mirco Ristau (23) helfen ihm dabei. Nach der Freilegung schnell festzustellen: „Das sogenannte Sprengwerk ist nachträglich, vermutlich im 19. Jahrhundert, eingebaut und höhergesetzt worden“, sagt Braasch. Was ebenfalls auffiel: Das Dachwerk ist für sein hohes Alter noch in recht gutem Zustand.

Für Andreas Hagenkötter extrem spannend ist ein Fund in einem alten Verschlag auf dem Dachboden: ein Bett, das in Einzelteile zerlegt war. Und nicht nur das: Er entdeckte außerdem Zeitungen und einen Klassenaufsatz aus dem Jahr 1953. In feinsäuberlicher Handschrift, versehen mit roten Anmerkungen des Lehrers. „Worin liegt die Mannigfaltigkeit des dichterischen Schaffens Walther von der Vogelweides?“ lautete das Thema. Für Hagenkötter Indizien dafür, „dass hier jemand gelebt haben muss“. Fand hier im Zuge der Nachkriegsnot ein Flüchtling Unterkunft? Diese und andere Fragen beschäftigen den neuen Hauseigentümer.

Derweil gehen die Arbeiten im Dachwerk weiter. Jeder einzelne Schritt wird mit der Denkmalpflege abgestimmt. Die Sanierung des gotischen Kaufmannshauses und des im Innenhof gelegenen Gebäudes aus dem Jahr 1760 wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Doch Hagenkötter macht sich schon jetzt seine Gedanken über die künftige Nutzung der einstigen Hanseaten-Diele: „Unten könnte ich mir ein Café

vorstellen, in dem auch Veranstaltungen stattfinden.“ Aber auch über ein Unesco-Weltkulturerbe-Zentrum hat er bereits nachgedacht. Noch ist das Zukunftsmusik. „Das Dachwerk“, sagt Denkmalpfleger Florian Scharfe, „muss erst einmal winterfest gemacht werden.“ Und auf die intensive Bauforschung folgt dann ein Sanierungskonzept.

Spurensuche und ein Kino mit langer Geschichte

„Wer weiß, unter welchen Umständen jemand in dem Verschlag auf dem Dach gewohnt hat?“, fragt Andreas Hagenkötter. Wer den Bewohner aus den 50er-Jahren vielleicht sogar kennt, möge sich bitte unter Telefon 0451/70996979 oder mail@hagenkoetter.de melden.

Die Eden-Lichtspiele , die 1985 geschlossen wurden, waren ursprünglich ein Veranstaltungssaal für Konzerte, geschaffen 1844 vom Geselligen Verein.

1919 werden die Räumlichkeiten zum Volks-Kino Bürgerverein, in den Jahren 1920 bis 1928 übernimmt Ernst Furtmiller das Kino, das nun Kammer-Lichtspiele heißt. 1928 ändert sich mit einem weiteren Besitzer auch der Name in Eden-Lichtspiele; Ende der 60er-Jahre werden hier teilweise Pornofilme gezeigt, 1979 bis 1981 ist es Programmkino, danach steht wieder die Erotik auf dem Programm.

Der Nachwelt erhalten bleiben die alten Filmvorführgeräte des Kinos: Sie sind künftig in der DASA Arbeitswelt Ausstellung in Dortmund zu sehen.

 Sabine Risch

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