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Lübeck Gehört Lübeck bald zum Gedächtnis der Welt?
Lokales Lübeck Gehört Lübeck bald zum Gedächtnis der Welt?
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09:29 16.03.2016
Wertvolles Zeugnis aus Hanse-Zeiten: Chef-Archivar Jan Lokers hält ein Schriftstück von 1280 in Händen, das Tuchhandel dokumentiert. Damit könnte Lübeck es ins Unesco-Weltgedächtnis schaffen. Quelle: Olaf Malzahn

. Lübeck ist alt, Lübeck ist ehrwürdig, Lübeck atmet Geschichte. All das kann die einstige Königin der Hanse auch dokumentieren. Und deshalb könnte die Hansestadt auch als Vorschlag der deutschen Unesco-Kommission ins Rennen gehen, um 2018 ins sogenannte „Gedächtnis der Welt“ aufgenommen zu werden. „Das ist eine ganz besondere Auszeichnung“, freut sich Kultursenatorin Kathrin Weiher (parteilos). Ins Unesco-Programm „Memory of the World“ aufgenommen zu werden, wäre „ein Ritterschlag“, sagt Jan Lokers, Chef des Lübecker Stadtarchivs. Verbunden mit viel Ehre — allerdings keinem Geld. Dennoch: „Wir sind auf Platz eins für die Nominierung gesetzt worden“, ist Lokers stolz. Damit hat Lübeck es locker auf die Stufe zwei des langwierigen Nominierungs-Verfahrens geschafft. „Dem Ziel, als deutscher Vorschlag benannt zu werden, ist Lübeck jetzt ein klein weniger näher gerückt“, freut sich Weiher.

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Wertvolles Zeugnis aus Hanse-Zeiten: Chef-Archivar Jan Lokers hält ein Schriftstück von 1280 in Händen, das Tuchhandel dokumentiert. Damit könnte Lübeck es ins Unesco-Weltgedächtnis schaffen.

Es ist die Historie der alten Hanse mit der Lübeck auch heute noch punkten kann — auch wenn der einstige Reichtum der Stadt Vergangenheit ist. Es gibt etliche Dokumente, die belegen, wie der alte Städteverbund der Hanse funktioniert hat, wie damals Handel getrieben wurde — und dadurch lässt sich das Leben in dieser Zeit erahnen. Um zum Teil des Weltgedächtnisses zu werden, müssen die Schriftstücke einzigartig und von historischer Bedeutung sein. Kein Problem für Lokers: „Wir haben das große Glück über viele Quellen der Hanse zu verfügen.“ So gibt es ein Schriftstück eines Lübecker Gewandschneiders, vermutlich von 1280. Darin ist der Verkauf von Tuchen aus Flandern notiert. Mehr als 170 Geschäfte von 160 Personen sind überliefert. Witzig: Damals waren Streifen en vogue. Viele der verkauften Tuche waren gestreift. Offenbar eine Modeerscheinung, so Lokers.

Lübeck will aber nicht alle Ehre für sich allein, sondern als ehemaliges Oberhaupt der Hanse auch die Dokumente der anderen Hansestädte einreichen. Dazu will Lokers die Experten zum Gespräch bitten.

Die Idee: „Wir wollen den internationalen Zusammenhang darstellen“, so Lokers. Da sei der alte Hansebund bestens geeignet, da er den Handel untereinander dokumentiert hat — in der damaligen Zeit kein übliches Verfahren. „Da war die Hanse bereits sehr früh dabei“ , sagt Lokers. Jetzt liegt viel Arbeit vor dem Chef des Archivs. Er muss die anderen Hansestädte kontaktieren, nach Kaufmannsbriefen, Rechnungsbüchern, Handels- und Friedensverträgen fragen, sie sichten und alles zusammenstellen — um eine Langversion aus der lübschen Bewerbung zu machen. Die muss voraussichtlich 2017 beim deutschen Unesco-Komitee in Bonn eingereicht werden. Dort wird endgültig entschieden, ob Lübeck als deutscher Vorschlag ins Rennen geht.

Die Regel: Jedes Land darf alle zwei Jahre zwei Vorschläge einreichen — sowie weitere, die in einem internationalen Zusammenhang stehen. Die Deutsche Unesco-Kommission wird dann Vorschläge nominieren und sie bis Ende März 2018 auf internationaler Ebene einreichen. Dort werden alle Dossiers nochmals von einem extra Gremium geprüft. Endgültig entschieden wird voraussichtlich 2019 durch das internationale Beraterkomitee der Unesco. Es bestimmt, an was sich die Menschheit in der Zukunft erinnern sollte — und an was nicht.

Ritterschlag der Unesco: Sie gehören zum Gedächtnis der Menschheit

Das Weltdokumentenerbe ist Teil des Unesco-Programms „Memory of the World“ und umfasst 348 Dokumente aus aller Welt, darunter 22 deutsche Beiträge. Neben den Schriften von Karl Marx „Das Manifest der Kommunistischen Partei“ (1848) und „Das Kapital“ (1867) gehören auch der Zwei-Plus- Vier-Vertrag von 1990 und die Dokumente zum Bau und Fall der Berliner Mauer zum kollektiven Gedächtnis der Welt. Auch die Archive des Warschauer Ghettos sowie das älteste erhaltene Manuskript des Korans „Mushaf von Othman“ aus Usbekistan gehören dazu.

Von Josephine von Zastrow

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