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Lübeck Geht Hort-Rettung zulasten der Schulen?
Lokales Lübeck Geht Hort-Rettung zulasten der Schulen?
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16:54 16.02.2018
„Die Chance auf den großen Wurf wurde verpasst.“Joachim Karschny, Geschäftsführer Kinderwege
Lübeck

„Der Beschluss des Jugendhilfeausschusses hat für wenige positive, für viele aber negative Konsequenzen“, kritisiert Joachim Karschny, Geschäftsführer von Kinderwege. Das gemeinnützige Unternehmen bezeichnet sich als größter Träger von Schulkindeinrichtungen in Lübeck. Rund 1600 Kinder würden betreut. „Die werden weiterhin schlechtere Bedingungen erhalten als die mittlerweile nur noch 200 Hortkinder“, sagt Karschny. Denn mit dem Beschluss des Jugendhilfeausschusses würden nun Mittel für den weiteren Ausbau der Ganztagsbetreuung an Schulen fehlen. Auch die Kitas würden in ihrer Entwicklung eingeschränkt. Denn die Räume, die bisher von Horten genutzt würden, könnten gut in Räume für die kleinen Kinder umgewandelt werden. Mit dem Beschluss habe der Jugendhilfeausschuss „die Chance auf den großen Wurf“ verpasst. Karschny: „Was das mit politischer Vernunft zu tun hat, erschließt sich uns nicht.“

Dass die Verwaltung die Horte jetzt wirklich rettet, ist aber gar nicht ausgemacht. Die Verwaltung hat die Entscheidung des Jugendhilfeausschusses rechtlich prüfen lassen. „Der Jugendhilfeausschuss kann das nicht entscheiden“, sagt Stadtsprecherin Nicole Dorel. „Er kann der Bürgerschaft nur empfehlen.“ Das werde dem Ausschuss in seiner nächsten Sitzung mitgeteilt. Üblicherweise können Fachausschüsse nur Empfehlungen aussprechen. Aber die Tagesordnung des letzten Jugendhilfeausschusses sprach in Sachen Horte ausdrücklich von einer Entscheidung. Die Verwaltung fühlt sich „rechtlich bis auf Weiteres an die Beschlusslage der Bürgerschaft vom 30. Juni 2016 zum Ausbau des Ganztags an Schulen gebunden“. Darin entschied die Bürgerschaft einstimmig, auf dem eingeschlagenen Pfad fortzufahren – nämlich Horte ab- und Betreuung an Grundschulen auszubauen.

In diesem Jahr sollten die Horte in der Domschule und in der Kita Beruf und Kind eingestellt werden. Zugleich würde die Ganztagsbetreuung an der Dom-Schule und der Schule Schönböcken umgesetzt. Frage an die Verwaltung: „Werden diese beiden Horte jetzt nicht aufgegeben?“ Antwort der Verwaltung: „Das weitere Verfahren bei der Schulkindbetreuung für die Dom-Schule und des Trägers Beruf und Kind für die Schulkindbetreuung im Umfeld der Schule Schönböcken ist Bestandteil der regulären Maßnahmeplanung, die dem Fachausschuss und der Bürgerschaft jährlich regelmäßig im März jedes Jahres zur Beschlussfassung vorgelegt wird.“ An der Maßnahmenplanung werde derzeit noch gearbeitet, sagt Stadtsprecherin Dorel. Ob der überraschende Beschluss des Jugendhilfeausschusses sich darin wiederfindet, muss abgewartet werden.

Unklar sei derzeit noch, welche personellen Folgen der Beschluss des Jugendhilfeausschusses hat, sagt die Verwaltung. Der Beschluss sieht nicht nur die Rettung der Horte, sondern auch die personelle Aufstockung in den Betreuten Grundschulen vor. Zahlen dazu gebe es noch nicht.

 dor

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