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Lübeck Geiselnahme in Moisling: Mann hält Ex-Partnerin fest
Lokales Lübeck Geiselnahme in Moisling: Mann hält Ex-Partnerin fest
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23:08 20.06.2013
Die Polizei sperrte den nächtlichen Einsatzort an der Niendorfer Straße über Stunden weiträumig ab. Quelle: Foto: Holger Kröger

Das Wetter hat sich dem Einsatz angepasst: Pünktlich zum Eintreffen der SEK-Beamten an der Niendorfer Straße startet der Dauerregen, und Blitze lassen Moisling ab etwa 22.45 Uhr taghell werden.

Mehrere Streifenwagen versperren jede Zufahrt zum Zielobjekt, Beamte schicken Passanten weiter bis zum Oberbüssauer Weg. Im betroffenen Doppelhaus hat sich am Mittwochabend gegen 21.30 Uhr ein 26-jähriger Mann verschanzt. Er hält eine gleichaltrige Frau aus Stockelsdorf fest. Da der Moislinger im Besitz einer Schusswaffe sein soll, werden vorsorglich das Spezialeinsatzkommando und die Verhandlungsgruppe Schleswig-Holstein alarmiert. „Es handelte sich um einen Beziehungsstreit“, sagt Polizeisprecherin Carola Aßmann am Tag nach dem mehrstündigen Einsatz. Die beiden 26-Jährigen waren einmal ein Paar.

Die Polizei war von einer Frau alarmiert worden, die am Notruf von einer Geiselnahme sprach. Nun stehen Anwohner an den Absperrungen und versuchen, Informationen zu bekommen. „Hier muss etwas passiert sein“, flüstert einer. Wieder andere kundschaften entlang der Polizeiabsperrung aus, von wo aus sie die beste Sicht auf das Geschehen haben.

Auch die Polizisten schleichen wiederholt in Schwarz gekleidet und mit Taschenlampen um das Haus, sondieren die Lage. Nach und nach treffen die SEK-Beamten ein und machen sich bereit zum Einsatz.

Rund um das Haus des 26-Jährigen herrscht — abgesehen vom Unwetter — gespenstische Stille. „Die Verhandlungsgruppe konnte Kontakt zu dem Mann herstellen“, sagt Polizeisprecher Stefan Muhtz noch in der Einsatznacht. Minuten und Stunden vergehen, während die Kräfte an der Niendorfer Straße auf ihren Einsatz warten. Hin und wieder werden Streifenwagen umgeparkt, ansonsten passiert nichts. Im strömenden Regen bringen sich die Beamten in Stellung.

Inzwischen ist es 0.30 Uhr, die von der Polizei „Bedrohungslage“ genannte Situation steuert auf ihren Höhepunkt zu — ebenso wie das Gewitter über Lübeck. Dann, um 0.35 Uhr: „Wir konnten den Mann überzeugen, dass die Frau wohlbehalten und eigenständig das Haus verlassen durfte“, sagt Muhtz. Unmittelbar anschließend ergibt sich der 26-Jährige. Sofort schnellt das SEK vor, einen kurzen Augenblick danach braust ein Mercedes-Streifenwagen vom Einsatzort in die Nacht. Polizeisprecher Muhtz berichtet, dass der Mann „widerstandslos vorläufig festgenommen werden“ konnte. Der gefährliche Einsatz ist beendet.

Anschließend beginnen beim SEK die Aufräumarbeiten, die Polizei untersucht das Haus. „Wir konnten eine Schreckschusswaffe und zwei Messer sicherstellen“, sagt Stefan Muhtz. Die 26-Jährige bleibt unversehrt, ihr Ex-Partner hatte sich jedoch leicht am Arm verletzt — laut Polizei aber vor dem Einsatz.

Nach Angaben von Behördensprecherin Aßmann ist der Täter inzwischen in einer psychiatrischen Klinik. Die Polizei hat nun die weiteren Ermittlungen aufgenommen. Aßmann: „Wir prüfen jetzt den Fall.“

Untersucht werde, ob sich der 26-Jährige unter anderem wegen Freiheitsberaubung verantworten muss. Die Stockelsdorferin stehe „unter dem Eindruck der Geschehnisse“, sagt Aßmann. Eine Freundin habe sie noch nachts abgeholt. Die Kriminalitätsopferhilfe Weißer Ring hat sich bereits an die Kripo gewandt. „Die Frau bekommt sämtliche Unterstützung von uns, die sie braucht“, sagt Detlef Hardt. Nun sei es wichtig, „möglichst schnell eine Therapie zu vermitteln“.

„Wir konnten den Mann überzeugen, die 26-jährige Frau freizulassen.“
Stefan Muhtz, Polizei

Peer Hellerling

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