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Lübeck Gemeinsam statt einsam mit der Wahlverwandten
Lokales Lübeck Gemeinsam statt einsam mit der Wahlverwandten
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22:10 11.08.2015
In der Wohnung von Eva Gardner (r.) erzählen die beiden älteren Damen von ihrer innigen Freundschaft und dem ungewöhnlichen Weg, über den sie sich kennengelernt haben. Quelle: Ulf Kersten Neelsen
St. Jürgen

Verwandte kann man sich bekanntlich nicht aussuchen, aber Ausnahmen bestätigen ja die Regel. Die beiden alleinstehenden Damen Dorothea Sayim (81) und Eva Gardner (86) haben einander nämlich über den gemeinnützigen Lübecker Verein „Wahlverwandtschaften“ gefunden. Sie unterstützen sich, sie stehen füreinander ein, sie haben gemeinsam Freude am Leben — sie sind füreinander das, was sonst im besten Fall die Familie ist.

„Eigentlich vermitteln wir Kontakte zwischen älteren Menschen und Familien, die Paten-Großeltern suchen“, erklärt Vereinsvorsitzende Claudia Bolte (49).

Etwa 50 Kontakte habe der Verein seit der Gründung 2009 hergestellt. Mit einer selbst gewählten Verwandtschaft könnten sich ältere Menschen aktiv einer wichtigen und bereichernden Aufgabe widmen.

„Die Großelterngeneration hat den Jüngeren so viel zu geben“, so Bolte. Geschichten und Lebenserfahrung zum Beispiel. Kinder, die keine Großeltern haben, könnten aus so einem Kontakt viel für die eigene Entwicklung mitnehmen. Gleichzeitig würden Eltern durch verlässliche Paten-Großeltern Entlastung erfahren.

So wandte sich auch Dorothea Sayim mit der Absicht, Paten-Oma zu werden, an den Verein: „Ich selbst habe keine Enkel und wollte das probieren“, erzählt die pensionierte Grund- und Hauptschullehrerin.

Doch dann kam alles anders:„Bei einem Begegnungstreffen des Vereins im Dezember 2014 saßen Eva und ich zwischen lauter Müttern mit Kindern“, erinnert sich Sayim. Beide hätten sich ein wenig verloren gefühlt und spürten eine Verbundenheit, die mittlerweile zu einer innigen Freundschaft gewachsen ist.

„Dorothea und ich wohnen sogar beide in der Kahlhorststraße“, freut sich Eva Gardner. Eine Fügung, denn so besuchen sich die beiden gegenseitig, treffen sich zum Frühstück im St. Jürgen Cafe oder zum Fischessen im Bierhaus gegenüber. Außerdem sind sie die verlässlichsten Teilnehmer unserer regelmäßigen Filmabende“, ergänzt Claudia Bolte.

„Ich mag dich einfach, Süße“, sagt Eva Gardner zu ihrer Freundin Dorothea. Die Bedeutung ihrer Freundschaft sei umso größer, weil das soziale Umfeld beider immer kleiner werde. „Viele Freunde und ehemalige Kollegen sind gestorben oder leben im Pflegeheim,“ erzählt Dorothea Sayim.

Doch auch abgesehen von ihren gemeinsamen Unternehmungen stehen die beiden Frauen noch mitten im Leben: „Ich habe nach dem Krieg viele Jahre in England gelebt und gebe älteren Damen ehrenamtlich Englischunterricht“, erzählt Eva Gardner.

Dorothea Sayim engagiert sich hingegen als Lesementorin in der Kahlhorstschule, in der sie über 20 Jahre Lehrerin gewesen ist. „Ich glaube, es ist für unsere Generation wichtig, sich aktiv Aufgaben zu suchen“, begründet sie ihr Engagement. So wie es die Paten-Großeltern bei Wahlverwandtschaften tun.

Für Eva Gardner und Dorothea Sayim ist dabei etwas völlig anderes herausgekommen als anfangs geplant— das Leben hält eben auch im Alter noch schöne Überraschungen bereit.

Der Verein
Der Name: Wahlverwandtschaften Lübeck heißt der gemeinnützige Verein, der 2009 gegründet wurde.


Wo ist er zu finden: Das Vereinsbüro befindet sich in der Depenau 43 in der Innenstadt. Interessierte können zu den Bürozeiten montags bis freitags zwischen 10 und 11 Uhr sowie montagabends zwischen 18 und 19 vorbeikommen oder anrufen unter der Telefonnummer 0451/58249639.
• Weitere Informationen zum Verein finden sich auch im Internet unter der Adresse www.wahlverwandtschaften-luebeck.de.

Luisa Jacobsen

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