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Lübeck Gescheiterter Pakt: Dieser Plan sollte den Hafen retten
Lokales Lübeck Gescheiterter Pakt: Dieser Plan sollte den Hafen retten
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01:03 05.03.2016
Quelle: Olaf Malzahn

Der Rettungsplan: Zehn Seiten umfasst das geheime Papier, das die angeschlagene Lübecker Hafen-Gesellschaft (LHG) sanieren soll. Doch der Zukunftspakt ist vor drei Wochen gescheitert — an der Gewerkschaft Ver.di und dem Betriebsrat. Sie lehnten ihn in letzter Sekunde ab. Das geht aus dem geheimen Zukunftspapier hervor, das den LN vorliegt. Dabei hatten Ver.di, Betriebsrat, die Gesellschafter Stadt und Rreef sowie die beiden Geschäftsführer seit Monaten verhandelt — unter Vorsitz von Professor Heinz-Josef Bontrup. Der Wirtschaftswissenschaftler war von den Arbeitnehmern vorgeschlagen worden. Jetzt wollen die LHG-Chefs die Eckpunkte des Papiers den Hafenarbeitern vorstellen; dem Vernehmen nach in der Hoffnung, sie noch umzustimmen.

Die Eckpunkte: Die Sanierungsphase der LHG startet sofort und beträgt vier Jahre. Sie endet am 31. Dezember 2019. Weniger Mitarbeiter, flexiblere Schichtzeiten und Gehaltskürzungen in der Chefetage sollen zusammen 5,75 Millionen Euro bringen. Dazu müssen LHG und der Hafenbetriebsverein (HBV) Personal loswerden — und zwar schnell. Beschäftigt sind bei LHG und HBV etwa 900 Leute. Bis Ende Oktober dieses Jahres sollen 146 Mitarbeiter das Unternehmen freiwillig verlassen. Angesprochen werden Beschäftigte ab Jahrgang 1955. Wer zügig geht, erhält eine Abfindung — ein Bruttomonatsgehalt pro Jahr Betriebszugehörigkeit. Das ist in etwa doppelt so viel wie bei einem Sozialplan.

14 Millionen Euro stellen die Gesellschafter Rreef und Stadt bereit. Gespeist wird dieser Geldtopf durch neun Millionen Euro aus dem Eigenkapital und 4,9 Millionen Euro durch einen Sicherungsfonds, den die Stadt 2013 aufgelegt hat. Zunächst sollen 56 HBV-Mitarbeiter gehen, die restlichen 90 werden von der LHG übernommen. Wenn aber nicht genug Mitarbeiter das Unternehmen verlassen, wird ohne Lohnausgleich weniger gearbeitet. Die Arbeitszeit kann bei den Hafenarbeitern bis auf 28 Stunden, bei den Angestellten bis auf 32 Stunden pro Woche abgesenkt werden. Zudem werden bis Ende 2019 weitere 27 Stellen überflüssig, weil die Schichtzeiten flexibler werden. Die Chefetage verzichtet ebenfalls auf Geld: Zehn Prozent weniger Gehalt sollen die beiden LHG-Chefs und die leitenden Angestellten erhalten.

Außerdem verzichtet die Hansestadt Lübeck bis Ende 2019 auf insgesamt fünf Millionen Euro Pacht. Das Geld wird in die LHG eingelegt oder in Eigenkapital umgewandelt. Die Gesellschafter schießen fünf Millionen Euro nach, sollte die Eigenkapitalquote der LHG unter 25 Prozent fallen — gemäß ihrer Anteile. Die Stadt hält 62,5 Prozent, Rreef 37,5 Prozent.

Beide Gesellschafter verzichten während der Sanierungsphase auf Gewinne, sollte es sie geben. Sie werden bei Bedarf in die LHG investiert — bis zu 34 Millionen Euro. Elf Millionen Euro können von der Stadt in die Infrastruktur fließen, wenn sie benötigt wird. Sie wird instand gehalten von der städtischen Lübeck Port Authority (LPA).

Trotz der fast vierjährigen Sanierungsphase soll es Tariferhöhungen bei der LHG geben. „Auch wenn sie wirtschaftlich nicht verkraftbar sind“, heißt es in dem Papier. Dadurch sollen Streiks an den Kaikanten ausgeschlossen werden. Die Angestellten sollen von 2016 bis 2019 die Tarifsteigerungen des Öffentlichen Dienstes erhalten, die Hafenarbeiter einen Inflationsausgleich von einem Prozent pro Jahr bekommen. Für die Zeit nach der Sanierung soll ab 2020 ein Haustarif für die LHG gelten, die Arbeiter sollen an der LHG beteiligt werden und alle Töchter in der LHG verschmelzen.

Wirtschaftliche Situation der LHG

6Millionen Euro Defizit für 2016 sind nach LN-Informationen bei der Lübecker Hafen-Gesellschaft (LHG) samt Töchtern prognostiziert.

Zwei Großkunden verlassen die lübschen Kaikanten und gehen nach Kiel. Schon 2015 wanderte ein Großkunde ab zur Konkurrenz nach Rostock. Damals wurden vier Millionen Euro Defizit vorhergesagt. So schlimm kam es dann doch nicht. Das Defizit liegt zwischen ein und zwei Millionen Euro.

Von Josephine von Zastrow

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