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20:10 19.12.2014
Die Zinnschüssel, die Anne Bannow zeigt, ist ein besonderes Stück aus dem unerwarteten Fund auf einem Lübecker Dachboden. Neben Zinnsachen entdeckten die Antiquitätenhändler auch Messing-Gegenstände aus der Biedermeierzeit. Quelle: Fotos: Lutz Roeßler (2), Sabine Risch (2), Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Zinngeschirr aus dem Barock: Für Günther und Anne Bannow war es wie ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk: Die Antiquitätenhändler, die ihr Geschäft Antik Bannow in der Fleischhauerstraße seit etwa 50 Jahren betreiben, machten bei einer Haushaltsauflösung der Nachfahren von Schmidt-Römhild eine Entdeckung: In zwei unscheinbaren Zinkwannen fanden sie Haushaltsgeräte der Biedermeierzeit aus Messing und noch älteres Zinngeschirr aus dem Barock. „Das war alles angelaufen, verbeult und verstaubt“, erzählt Günther Bannow. „Deshalb haben die anderen die Sachen wohl gar nicht erkannt. Ich dachte, ich seh‘ nicht richtig!“ Für den 81-Jährigen und seine Frau grenzte der Fund an ein Wunder, „denn die vergangenen 20 Jahre sind wir in Lübeck kaum noch fündig geworden, sondern überwiegend in Dänemark.“

Zwei Nächte lang habe ihr Mann vor lauter Aufregung nicht geschlafen, erzählt Anne Bannow (76) schmunzelnd. Dann begann er, die Gegenstände fein säuberlich von Hand zu polieren. Nach fast dreiwöchiger Arbeit fanden die Sachen vom Dachboden einen Ehrenplatz im Antiquitätengeschäft. Die Messingsachen, fein gearbeitet und auf etwa 1830 datiert, dürften aus einem sehr wohlhabenden Haushalt stammen — es sind Wärmpfannen, die man mit glühenden Kohlen befüllte, um es des Winters im Bett schön warm zu haben; aber auch tragbare Feuerkieken, die man mit in die Kirche nahm, um die Füße zu wärmen. Zu den Messing-Gegenständen gehören außerdem ein Samowar und diverse Tee-Utensilien.

Deutlich älter sind die Zinnsachen, die die Bannows fanden — aus der Zeit um 1750. Öllampen, kleine Töpfe — eine Art „Henkelmann“ — und eine etwas merkwürdige Schale mit Rand und der Inschrift „Elisabeth Brunchs 1760“. Anne Bannow vermutet, dass es ein Teller-Ersatz war: „Damals hat man ja oft gemeinsam aus einer Schüssel gegessen. Der Rand war wohl dafür gedacht, die Löffel abzulegen.“

Hergestellt wurden die Sachen in Lübeck, denn sie tragen den lübschen Doppeladler im Prägesiegel. Besonders beeindruckt ist sie davon, „dass jedes Teil an diesen Sachen eine Funktion hat“.

Ob sie die Sachen auch gut verkaufen? „Wenn nicht“, sagt Günther Bannow, „habe ich trotzdem meinen Spaß gehabt.“ sr

Teetisch der Gutsherren: Geschirr, Schmuck und Möbel — alles mit Historie, hat Andrea Tornow bei Antiquitäten Neumann, Breite Straße 17, versammelt. Seit nunmehr 46 Jahren widmet sie sich der Suche nach und dem Verkauf von schönen alten Dingen.
Derzeit hat sie ein besonders auffälliges, etwa aus dem Jahr 1750 stammendes Möbelstück neben dem Kamin stehen: ein klappbares Bildertischchen, wie sie vor allem in England üblich waren. Der dreibeinige Eichentisch, der sich sehr praktisch mit einschnappendem Gelenk auseinanderklappen lässt, ist mit einer barocken Szene bemalt. Er zeigt einen Wehrturm inmitten üppig grüner Landschaft. Im Vordergrund sitzen zwei Reiter auf ihren Pferden, einer der beiden setzt eine Fanfare an die Lippen. Eine Magd hält einen Krug in der Hand und schaut zu dem zweiten Reiter auf — vermutlich will sie ihm eine Erfrischung reichen.
Den Tisch hat die Antiquitätenhändlerin nicht etwa, wie zu vermuten wäre, in England entdeckt, sondern auf einem ostholsteinischen Gutshof. So aufwendig, wie der Teetisch bemalt ist, darf man vermuten, dass auf ihm selten Tee serviert wurde. „Er war wohl mehr Dekoration“, vermutet Tornow. „Es ist etwas Ausgefallenes“, sagt sie — und damit ein schönes Geschenk für einen lieben Menschen.
sr
Kräuterbuch von 1560: Es ist dick, schwer und mit viel Aufwand gebunden. Das „Kreuterbuch, new zugerichtet von allerhand Bäumen, Stauden, Hecken, Kreutern, Früchten und Gewürtzen“, das der Botaniker und Frankfurter Stadtphysikus Adam Lonitzer (1528-68) verfasst hat. Vorsichtig packt Antiquar Olaf Adler aus der Hüxstraße das Buch aus — beim genauen Hinsehen entdeckt der Betrachter kleine Löcher im blind geprägten Pergament des Buchdeckels. „Das war wohl der Holzwurm“, sagt Adler, „denn unter dem Pergament ist Holz.“
Dieses volkstümliche Heilpflanzenbuch, eines der ältesten im Hause Adler, ist ein besonderer Schatz. Allein die über 800 altkolorierten Textholzschnitte sind wunderschön anzusehen. Lehrreich ist das Buch natürlich auch, denn der Leser lernt nicht nur die Technik der Destillation kennen, sondern auch allerlei Tiere. „Es sind auch Fabeltiere wie das Einhorn, der Lindwurm oder der Phoenix dabei“, erzählt Adler schmunzelnd.
Der geneigte Leser lernt dennoch allerlei über Erze, Edelsteine und Metalle, über Tierzucht, Bergbau, Gartenbau und das Anlegen von Kräutergärten. Der Hauptteil des Buches widmet sich allerdings der Wirkungsweise von Pflanzen, ihrer Bedeutung für die Heilkunst und der Zubereitung von Lösungen, Tinkturen und heilsamen Tränken. Kurz und gut: einer der bedeutendsten Klassiker volkstümlicher Heilkunde aus dem 16. Jahrhundert. Bestens geeignet also für Kräuterhexen, Bader und Zauberer. Die gibt es zwar heute nicht mehr, aber dennoch, ist Olaf Adler überzeugt, ließen sich Kunden für dieses wertvolle Geschenk mit Geschichte finden. „Ich könnte mir vorstellen, dass Sammler von Frühdrucken, aber auch Mediziner und Volkskundler dieses Buch schätzen.“ Ein besonderes Geschenk für einen besonderen Menschen. sr
Retro-Chic: Fast ein bisschen verliebt betrachtet Andreas Czapura die cremefarbene Tischlampe. Der Laie findet zwar, dass sie schön zeitlos aussieht. Doch er erkennt nicht, dass es sich bei dem Teil um einen echten Design-Klassiker handelt. Die Lampe, klärt Fachmann Czapura auf, ist eine original „Präsident“ aus dem Hause Kaiser-Idell und stammt aus dem Jahr 1931. Entworfen wurde sie von Christian Dell. Damals habe diese Lampe nur auf den Schreibtischen der Direktoren gestanden, während die Mitarbeiter mit anderen Lampen vorlieb nehmen mussten, weiß
Czapura. Der 56-Jährige schwärmt: „Sie ist super einfach gebaut, es sind nicht mehr als fünf Schrauben daran, und sie ist einfach schön.“
Mehr als 600 Lampen, aber auch Möbel, pfiffig designte Aschenbecher, Zigarettenhalter, Flaschenöffner, Telefone, Wanduhren und anderes aus den 1920er bis 1970er Jahren bietet der einstige Inhaber einer Werbeagentur seit zehn Jahren im Internet an, seit fünf Jahren in der Beckergrube und seit Anfang September dieses Jahres in der Hüxstraße an. „Das hier“, sagt Czapura, „ist wohl der kleinste Laden in der Hüxstraße.“ Gerade einmal 17 Quadratmeter misst er.
Viele europäische Sachen aus seinem Retrohouse verkauft Czapura an Amerikaner, umgekehrt bringt er Dinge aus den USA oder Mexiko, die man in Europa nicht gehabt habe, nach Lübeck. Wie die Tischlampe mit Drehschalter oder den Flaschenöffner in Fischgestalt. Für Retro-Fans ein Paradies.
Urgroßmutters Leinen: Wäsche-Antiquitäten und allerlei französische Lebensart hat Bettina Elter in ihrem Mini-Laden „Leinen und Lavendel“ in der Hüxstraße auf wenigen Quadratmetern vereint. Was in Schuppen oder auf Dachböden gefunden wird, landet oft bei der 47-Jährigen, „denn ich bin weit und breit die Einzige, die solche Sachen verkauft“. Sachen wie die mehr als 100 Jahre alte Leinen- Tischdecke für die ganz große Tafel, 4,10 mal 1,78 Meter groß. „Die Decke war quietschgelb, als ich sie bekam“, erzählt Elter. Jetzt ist sie wieder strahlend weiß.
Alles, was einst zur Aussteuer gehörte, ist bei Bettina Elter zu finden. Neben Tischdecken auch Servietten, Geschirrtücher, Betttücher und ganze Ballen alten Leinens. Besonders beliebt sind Herrenhemden aus Leinen und Nachthemden, teils mit gestickten Initialen. „Sie werden von vielen Leuten gekauft, die am Meer wohnen und mit den Nachthemden aus Leinen zum Strand gehen“, erzählt die Geschäftsinhaberin, die seit 16 Jahren in dem kleinen Lädchen steht.
Wer es schafft, inmitten des auf engstem Raum versammelten breiten Angebots den Überblick zu behalten, der entdeckt auch blaue Matrosenkragen. Die würden vor allem von französischen Touristen gekauft, so Elter. Während 100 Jahre altes Leinen recht gut geht, werden die historischen Taufkleider, die oft verlangt würden, meist nicht genommen: „Früher wurden die Kinder schon sehr schnell getauft und waren viel kleiner als die heutigen Täuflinge — die passen dann nicht in die Kleider hinein.“ sr

sr

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