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Lübeck Als die Radfahrer zahlen mussten
Lokales Lübeck Als die Radfahrer zahlen mussten
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16:59 29.10.2018
Drei Männer radelten 1898 am Gertrudenkirchhof entlang. Ihre Räder trugen kleine Nummernschilder unterhalb des Lenkers. Quelle: foto: Edition Temmen
Lübeck

 Strenge Regeln für Radfahrer herrschten 1899 in der Hansestadt. Alle Räder, die von Einheimischen genutzt wurden, mussten mit zwei Nummernschildern versehen sein. Von der Kennzeichnungspflicht waren nur „durchreisende Fremde, Kurgäste und Militärpersonen“ ausgenommen. Die Räder brauchten eine „sicher wirkende Bremsvorrichtung“, eine „hell tönende Glocke“ und „zur Nachtzeit eine hell brennende Laterne“. In der Innenstadt und nachts durfte nur langsam gefahren werden, an Straßenkreuzungen mussten Radler ein Glockensignal geben und während der Fahrt „dürfen die Füße nicht von den Pedalen entfernt“ werden. Das stand in der „Verordnung betreffend das Fahren mit Fahrrädern“ vom 28. März 1899.

Verkehrsplaner Nils Weiland mit dem historischen Fund, der jetzt im Stadtarchiv ruht. Quelle: 54° / John Garve

Die Stadt kam jetzt ganz unverhofft in den Besitz dieser Verordnung. Eine ältere Dame hatte ihren Dachboden aufgeräumt und Unterlagen ihres Vaters gefunden. Darunter das Heftchen mit der Verordnung und einem „Gesetz, betreffend die Unterhaltung von Radwegen“. Die Lübeckerin gab das Heftchen bei der Verwaltung ab. Nils Weiland von der Verkehrsplanung: „Erst als sie weg war, haben wir entdeckt, welchen Schatz sie gefunden hat.“ Das Gesetz ordnete an, dass jeder einheimische Radfahrer eine Abgabe von sechs Mark jährlich für Radwege zu entrichten hatte. Wer nicht mehr als 1200 Mark im Jahr verdiente, zahlte die Hälfte.

Das historische Buch zum Fahrradverkehr wurde von einer Lübeckerin auf ihrem Dachboden gefunden. Quelle: 54° / John Garve

Nummernschilder und Abgaben – wäre das etwas für heute? Weiland hält das für kontraproduktiv. Das würde nichts zur Verkehrssicherheit beitragen und Radler abschrecken. Die Stadt aber will ja gerade mehr Menschen auf das Fahrrad bringen.

Kai Dordowsky

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