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15:20 21.04.2016
Köstliches fertigt Katharina Engelhard in ihrer „Engelsbäckerei“. Die ist angesiedelt in einer historischen Straße Lübecks: der Großen Petersgrube. Quelle: Fotos: Lutz Roeßler, Olaf Malzahn, Carola Pieper
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Innenstadt

Was wären Holstentor, Salzspeicher, Marienkirche oder aber die „Passat“ ohne die Menschen, die die jeweiligen Orte erst zum Leben erwecken? Wohl nicht viel mehr als hübsche Fotomotive. Das hat sich wahrscheinlich auch die gebürtige Hamburgerin Antje Windgassen gedacht. Die Autorin und Historikerin, die heute in Ammersbek (Kreis Stormarn) lebt, hat nämlich ein „Stadtporträt“ geschrieben, das Menschen und die Orte, an denen sie leben oder arbeiten, zusammenbringt. Ein Jahr hat sie daran gearbeitet, ist immer wieder nach Lübeck, die Heimat ihrer Großeltern, gefahren — um Gespräche zu führen und zu fotografieren.

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Leitet das Modehaus Heick & Schmaltz in den denkmalgeschützten Salzspeichern: Iris Beneke.

Und während die Autorin so nebenbei die Geschichte des Lübecker Rathauses erzählt, erfährt der Leser, dass der gebürtige Westfale Bernd Saxe nur durch einen Zufall, nämlich durch blindes Fingertippen in den Diercke-Atlas, in Lübeck landete. Und mit Marien-Organist Johannes Unger spricht sie über die Instrumente und darüber, dass eine Organistenstelle an St. Marien eine der angesehensten europaweit ist.

An vielen Orten tummelte sich Antje Windgassen. „Einiges ergab sich von selbst, das fiel mir so entgegen“, sagt sie. Wieder andere, weniger bekannte Orte, suchte sie aufgrund von Tipps des Lübeck und Travemünde Marketings (LTM) auf. Und natürlich hat sie hier mit Geschäftsführer Christian Martin Lukas gesprochen, der aus Reit im Winkl stammt und der Liebe wegen nach Lübeck kam. „Das Finden der Geschichten war leicht, jedes Gespräch war bereichernd und hat Spaß gebracht.“

Dabei spielte es keine Rolle, ob sie sich von Schäfer Martin Heuer die Aufgaben des Landschaftspflegevereins Dummersdorfer Ufer erklären ließ, von Carl Johann Tesdorpf einiges über den Rotspon erfuhr, mit Geschäftsleiterin Iris Beneke von Heick & Schmaltz durch die Räume der alten Salzspeicher schlenderte oder Katharina Engelhard in ihrer „Engelsbäckerei“ in der Großen Petersgrube besuchte. In jener Straße, die Schleswig-Holsteins einzige Musikhochschule beherbergt und die Schauplatz für Heinrich Breloers „Buddenbrooks“- Neuverfilmung war.

Doch binnen eines Jahres passiert eine Menge. Nicht alle Gespräche, zu denen sie nach Lübeck fuhr, konnte Antje Windgassen führen. „Der Tod von Günter Grass am 13. April 2015 war mein persönliches Unglück, denn ich hatte mich sehr auf das Gespräch gefreut“, erzählt die Autorin. Dennoch ließ sie es sich nicht nehmen, das Grass-Haus zu besuchen und auf den Spuren des Nobelpreisträgers zu wandeln. Mit Dr. Lisa Kosok, Direktorin des neu gebauten Hansemuseums, konnte Windgassen zwar sprechen — doch als das Buch im März 2016 erschien, war Kosok schon seit einem halben Jahr nicht mehr Direktorin und hatte die Hansestadt bereits wieder verlassen.

Bei ihren Besuchen und in den Gesprächen hat Antje Windgassen versucht, die Atmosphäre der jeweiligen Orte einzufangen. Ihr Stadtporträt will dazu einladen, die Hansestadt neu zu entdecken. Insofern ist es keineswegs nur Lektüre für Touristen. Bei aller Freude an den Gesprächen: Aufwendig sei die Arbeit gewesen, sagt Windgassen. „Ich musste immer wieder nach Lübeck fahren, vor allem wegen der Fotos, die schwierig waren.“ Ein weiteres Stadtporträt wird es darum von ihr nicht geben. „Denn während Lübeck für mich ein Katzensprung war, wäre jede andere Stadt zu weit entfernt.“

Da widmet sich die Autorin nach ihrem ersten historischen Roman „Die Hexe von Hamburg“ lieber wieder einem Roman — dieses Mal geht es um den Grafen von Zeppelin, dessen 100. Todestag 2017 begangen wird.

Das Buch "Stadtportäts" ist auch im Onlineshop der Lübecker Nachrichten erhältlich.

Zur Person

1986 beginnt die freie Autorin und Fachjournalistin Antje Windgassen mit dem Schreiben für Magazin- und Zeitschriftenverlage.

Zudem verfasst sie Frauen-Biografien. 1996 erscheint ihr Buch über die Forscherin, Sängerin, Journalistin, Buddhistin, Feministin und Schriftstellerin Alexandra David-Néel (1868-1968), 2015 der historische Roman „Die Hexe von Hamburg“.

In der Reihe „Stadtporträt“ des Gmeiner-Verlags, zuvor „Stadtgespräche“ genannt, sind unter anderem bereits erschienen: Berlin-Mitte, Bern, Dresden, Gelsenkirchen, Leipzig, Karlsruhe und Nürnberg, um nur einige zu nennen.

Das Lübeck-Porträt ist ab sofort im Buchhandel und im Onlineshop der Lübecker Nachrichten erhältlich. Es hat 192 Seiten, etwa 150 farbige Abbildungen inklusive zweier Karten, kostet 14,99 Euro und kann unter der ISBN 978-3-8392-1882-2 bestellt werden.

Von Sabine Risch

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