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Lübeck Geschwister-Prenski-Schule erhält Inklusionspreis
Lokales Lübeck Geschwister-Prenski-Schule erhält Inklusionspreis
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13:28 14.06.2017
Schulleiter Rolf Bennung (62) in der Klasse 7d der Prenski-Schule, die einen renommierten Schulpreis gewinnt. Quelle: Foto: Lutz Roessler
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St. Gertrud

„Inklusion ist mit viel Arbeit verbunden“, macht Rolf Bennung, seit elf Jahren Leiter der Geschwister-Prenski-Schule, keinen Hehl aus den besonderen Herausforderungen. „Wenn ein Schüler sehbehindert ist, muss die Schule das Unterrichtsmaterial digitalisieren“, erklärt Bennung, „und wenn ein Schüler gerade einmal eine Hand heben kann, braucht er Assistenten.“ Die schriftliche Abiturprüfung in Deutsch dauere dann schon mal sechs Stunden. Aber Inklusion sei auch eine ungeheure Bereicherung, erklärt der 62-jährige Schulleiter: „Die Schulgemeinschaft erlebt, dass niemand ausgegrenzt wird.“

Für diese Haltung und die praktische Umsetzung im Alltag erhält die Prenski-Schule am 21. Juni den renommierten Jakob-Muth-Preis, der von der Bertelsmann-Stiftung, der Deutschen Unesco-Kommission und einer Beauftragten der Bundesregierung vergeben wird und an einen Wissenschaftler erinnert, der sich für Integration starkgemacht hat. Die Verleihung fällt in eine Zeit, in der viel über die Grenzen der Inklusion diskutiert wird. Selbst an der Prenski-Schule gibt es Grenzen, wenn ein Kind als unbeschulbar gilt. „Aber das kommt nicht oft vor“, versichert Bennung, „unsere Lehrer und Schüler haben eine hohe Toleranzschwelle.“

Von den 800 Prenski-Schülern haben 64 einen Förderbedarf. Unter den 67 Lehrkräften sind vier Sonderpädagogen. Außerdem hat die Schule 14 Schulbegleiter. „Jedes Jahr wollen 20 bis 25 Kinder mit Förderbedarf an unsere Schule“, berichtet Bennung, „zehn bis elf nehmen wir auf.“ Alle 33 Klassen werden inklusiv beschult. Die Klassen fünf bis zehn sind mit zwei Lehrern besetzt, es gibt Tischgruppenarbeit und Projektunterricht. Dadurch können Schüler mit ganz unterschiedlichen Begabungen an einem Thema arbeiten – auf unterschiedlichen Niveaus. Inklusion stellt auch Anforderungen an die Schulräume. Die Einrichtung in der Travemünder Allee ist weitgehend barrierefrei. Wo kein Platz für eine Rampe oder einen Aufzug ist, helfen Treppenlifte und Rollstuhl- Lifte. Bennung: „Es gibt nur ganz wenige Ecken, in die nicht jeder kommt.“ Die Schule sorgt auch dafür, dass alle Schüler mit auf Klassenfahrt gehen können – auch die Rollstuhlfahrer, die eine Rund-um- die-Uhr-Betreuung durch Schulbegleiter brauchen. Es sei manchmal etwas aufwendig, das zu organisieren und zu finanzieren, sagt der Schulleiter: „Aber wir haben ja viel Übung.“

Die 1989 gegründete Schule – bis 2007 Gesamtschule, seitdem Gemeinschaftsschule – leiste eine preiswürdige Arbeit, lobt die Kieler Bildungsministerin Britta Ernst (SPD). „Mit der Preisvergabe zeigen wir, dass inklusives Lernen in allen Schulformen gelingen kann“, sagt die Bundesbeauftragte Verena Bentele. Mit 16 Delegierten fährt die Schule zur Preisvergabe – Schulleitung, Schüler, Lehrer, Eltern, Zirkus-AG.

 dor

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