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Lübeck „Gestern Freiheit, heute Freizeit“
Lokales Lübeck „Gestern Freiheit, heute Freizeit“
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20:22 14.10.2017

„Die Gedanken sind frei“, singen die Jubilare zum Abschluss ihrer Feierstunde im Audienzsaal, die ein Wechsel aus Gesang und Wortbeiträgen war. Selbst Bürgermeister Bernd Saxe hat es sich nicht nehmen lassen, den Männerchor von 1842 mit Grußworten zum 175. Geburtstag persönlich Ehre zu erweisen. „Es ist eine unglaubliche Leistung, über so einen langen Zeitraum den Gedanken zum gemeinsamen Singen und der Pflege des Liedgutes am Leben zu erhalten und immer wieder zu praktizieren“, lobt Saxe im Audienzsaal.

Gleichzeitig erinnert er daran, dass im Gründungsjahr 1842 auch das Lübeckische Nationallied „Wo volle Becher klingen“ entstanden ist. Der Text wurde von Emanuel Geibel verfasst. Und die Melodie hatte Professor Wilhelm Heinrich Carl Mosche, Musiklehrer am Katharineum zu Lübeck, komponiert.

„Gestern Freiheit, heute Freizeit“ hat dann der Vorsitzende Wolfgang Nagel seinen Festvortrag überschrieben, in dem auch 30 Jahre Unesco-Weltkulturerbe und 500 Jahre Reformation nicht unerwähnt bleiben.

Freiheitliche Gedanken, meint Nagel, führten dazu, dass zur Zeit der Dänenherrschaft in Schleswig- Holstein viele Chöre gegründet wurden. Es gibt etliche ältere Gesangsvereine im Land, in Lübeck jedoch, der reichsfreien Stadt, ist die Chorgründung von 1842 die erste. Zu den frühen Mitgliedern gehörte übrigens kein Geringerer als Emanuel Geibel, Verfasser des Liedes „Der Mai ist gekommen“.

Nagel: „Ihn halten wir bis heute in Ehren.“ In der Weimarer Zeit habe der Männerchor 200 Mitglieder gehabt, in den 1980er Jahren unternahmen die Sänger noch zahlreiche Konzertreisen, unter anderem nach Spanien und Ungarn. Das absolute Highlight: 1992 sang der Männerchor vor dem Weißen Haus in Washington – laut Nagel ein „halb legaler Auftritt“ vor dem Zaun.

Doch auch dem traditionsreichen Lübecker Männerchor ergeht es wie so vielen Vereinen: der Nachwuchs fehlt. Heute sind es nur noch 20 Sänger, darunter Wolfgang Piest, langjähriger Leiter der Schule Grönauer Baum und einstiger Präsident des VfB Lübeck. Vorsitzender Wolfgang Nagel ist mit seinen 62 Jahren nicht „der Jüngste, sondern der mit Abstand Jüngste“, der Altersdurchschnitt liege bei 70. Ein Mitglied ist sogar schon über 90, „doch er ist noch fit und macht alles mit.“

Für den „jungen“ Vorsitzenden Nagel jedoch ist das Singen im Chor nicht nur „eine sehr angenehme Art der Freizeitgestaltung“. Er habe es früher nie glauben wollen, aber es sei tatsächlich so: „Singen befreit!“ Gerade als Ausgleich zu seiner Tätigkeit als Landschaftsplaner bei der Hansestadt Lübeck sei das Chorsingen prima. Dabei ist Nagel keineswegs jemand, der von Kindheit an mit der Musik zu tun gehabt hätte – im Gegenteil. „Ich bin sehr musikfern aufgewachsen, außer an Weihnachten wurde bei uns nie gesungen“, erzählt er. Über einen Kollegen sei er an den Männerchor geraten, „und als ich mitging, um es auszuprobieren, musste ich noch nicht einmal mehr vorsingen“. Chorleiter Henning Zarnkow, der kein Mitglied ist, sondern Angestellter, bringt den sangesfreudigen Herren schon die richtigen Töne nahe. Nagel gefiel, was er sah und hörte, also blieb er. Auch der Geselligkeit wegen, denn neben den wöchentlichen Chorproben und dem jährlichen Matjesessen – eine reine Männersache – gibt es auch Sommer- oder Grillfeste mit den Frauen.

Das Repertoire des Männerchores von 1842 hat sich ein wenig erweitert: Mittlerweile singen die Herren neben klassischem Chor- Liedgut auch Shanties und Schlager. Was aber bei den Mitgliedern unumstößlich ist, das ist das Outfit: dunkelblaues Jackett, graue Hose, weißes Hemd und blaue Krawatte – daran lasse sich nicht rütteln, sagt der „Junior“.

sr/mho

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