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Lübeck Gesund und hellwach: Uhu fliegt in die Freiheit
Lokales Lübeck Gesund und hellwach: Uhu fliegt in die Freiheit
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20:15 08.04.2017
Klaus Langfeldt mit dem 20 Jahre alten Männchen. Uhus sind die größten Eulen der Welt und werden in Freiheit bis zu 30 Jahre alt. Quelle: Foto: Olaf Malzahn

Jetzt ist er also wieder in Lübeck. Der Uhu, der Mitte März im Hauseingang eines Antiquitätengeschäfts am Mühlentorteller gefunden wurde. So zerzaust und verstört, dass Polizeibeamte das Tier einsammelten und zu Klaus Langfeldt in den Vogelpark Niendorf brachten (die LN berichteten).

Dort wurde der Uhu aufgepäppelt und intensiv beobachtet. „Verletzt oder krank war er nicht“, erzählt Langfeldt. Das Verhalten des Tiers kann sich der Experte nur so erklären: „Wahrscheinlich ist er gegen eine Glasscheibe geflogen und stand unter Schock.“ Glück im Unglück also. „Er fraß von Tag zu Tag mehr“, erzählt Langfeldt. Als der Raubvogel dann auch noch die ersten Flugversuche in einer großen Voliere meisterte, war es Zeit, ihn zu entlassen. Und zwar dort, wo er gefunden wurde. Oder zumindest fast: „Ich möchte ihn nicht direkt am Kreisverkehr aussetzen“, sagt Langfeldt bevor er in der Lessingstraße den Transportkäfig öffnet und den großen Vogel hinauszieht. „Da sind so viele Autos – und er wird noch eine Weile ziemlich verwirrt sein.“

Das lässt sich der Uhu zumindest nicht anmerken. Kaum abgeflogen, steuert er den Dachfirst eines nahegelegenen Hauses an. Dort ruht er eine Weile und breitet die Flügel aus. „Er lüftet sein Gefieder und wartet, bis es ganz dunkel ist“, erklärt Langfeldt. Um ihn herum werden Amseln und Spatzen laut – schließlich ist ein Raubvogel in der Nähe. „Vor allem wird er aber Ratten und Nager jagen“, erklärt Werner Peschel vom Naturschutzbund Lübeck. Der Eulen-Experte vermutet, dass der Uhu schon seit Mitte der 1990er Jahre in Lübeck zu Hause ist. Peschel betreut mehrere Brutpaare rund um die Stadt, in Ostholstein und im Lauenburgischen. Er führt auch ein Tagebuch über Sichtungen. Der gefundene Uhu ist ihm bekannt. „Dieses Männchen ist etwa 20 Jahre alt“, sagt der Eulenexperte. Und 1996 verschwand ein einzelnes Männchen von einem Brutplatz an der Aegidienkirche. „Immer wieder gab es Meldungen über Uhu-Rufe in der Gegend“, sagt Peschel. Nur entdeckt hatte man das Tier nie.

„Wahrscheinlich hat er in all der Zeit kein Weibchen gefunden“, meint Peschel. Außerhalb der Stadt wäre seine Suche wohl erfolgreicher, so der 87-Jährige. Aber Uhus seien ortstreue Tiere; und es scheint, als habe er bisher der Hansestadt die Treue gehalten. Luisa Jacobsen

LN

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