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Lübeck Getrieben von Stimmen: Sohn erstach Mutter mit Schere
Lokales Lübeck Getrieben von Stimmen: Sohn erstach Mutter mit Schere
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09:42 26.06.2013
Die Johanniter-Klinik Geesthacht. In Lübeck steht seit Dienstag ein 31 Jahre alter Mann vor Gericht, der im Januar in Geesthacht (Kreis Herzogtum Lauenburg) seine Mutter erstochen haben soll. Er hatte die Tat einer Ärztin der Klinik angekündigt. Quelle: dpa
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Lübeck

Er hatte die Tat angekündigt, war dann aber wieder entlassen worden: In Lübeck steht seit Dienstag ein 31 Jahre alter Mann vor Gericht, der im Januar dieses Jahres in Geesthacht in Kreis Herzogtum Lauenburg seine Mutter erstochen haben soll.

Am Tag davor hatte die Polizei den psychisch kranken Mann ins Johanniter-Krankenhaus in Geesthacht gebracht, weil er in einem Linienbus angekündigt hatte, er wolle seine Mutter töten. Eine Ärztin ließ ihn jedoch wieder gehen. Ein folgenschwerer Irrtum, wie sich zeigte: Der 31-Jährige macht sich auf den Weg zur Wohnung seiner Mutter und stach 60 mal auf sie ein. Gegen die Ärztin wird nach Angaben der Lübecker Staatsanwaltschaft wegen Verdachts der fahrlässigen Tötung ermittelt.

Formal handelt es sich bei der Tat des 31-Jährigen um einen Totschlag. Da er aber nach Auffassung der Staatsanwaltschaft zur Tatzeit nicht schuldfähig war, geht es in einem sogenannten Sicherungsverfahren nicht um eine Gefängnisstrafe, sondern um die Unterbringung in der forensischen Psychiatrie. Dort sitzt der Mann seit der Tat.

„Ich hörte Stimmen, die mir sagten, ich müsse töten, um eine Schuld zu begleichen“, sagte der Beschuldigte am Dienstag vor Gericht. Er leidet seit seiner Pubertät an paranoider Schizophrenie. Ein Kriminalbeamter, der den Mann kurz nach der Tat vernommen hatte, sagte aus, er habe das Gefühl gehabt, mit zwei verschiedenen Personen zu sprechen. „Sogar die Stimmlage veränderte sich während der Vernehmung“, schilderte der Zeuge. Am Dienstag vor Gericht wirkte der Beschuldigte ruhig und konzentriert.

In den Monaten vor der Tat habe er verzweifelt nach Menschen gesucht, mit denen er über seine Wahnvorstellungen hätte reden können, doch niemand habe ihn ernst genommen, sagte der 31-Jährige aus. Anders am 1. Januar dieses Jahres: Auf dem Weg von Hamburg, wo er in einer Obdachlosenunterkunft lebte, nach Geesthacht berichtete er zwei jungen Männern von den Stimmen und seinem Vorhaben, seine Mutter zu töten. „Sie glaubten mir, sind mit mir aus dem Bus gestiegen. Der eine blieb bei mir und der andere rief die Polizei.“

Die Fachärztin im Johanniter-Krankenhaus dagegen habe ihm nur Medikamente gegeben und gesagt, er solle sich ausruhen. Als er am nächsten Morgen darum bat, sich von seiner Mutter Geld und Kleidung holen zu dürfen, ließ die Ärztin ihn gehen.

Die Verhandlung wird am Donnerstag fortgesetzt.

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