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Lübeck Jetzt hat die Marienkirche wieder neun Glocken
Lokales Lübeck Jetzt hat die Marienkirche wieder neun Glocken
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14:59 15.04.2019
Gottesdienst zu Palmarum mit Einläuten der neuen Glocken: Bischöfin Kirsten Fehrs, Bürgermeister Jan Lindenau, Stadtpräsidentin Gabriele Schopenhauer und Marienpastor Robert Pfeifer. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Innenstadt

Die Lübecker Marienkirche hat wieder neun Glocken. Am Sonntag wurden in einem Festgottesdienst das neue Geläut geweiht. Die „Ratsglocke“ und die „Glocke der Gastfreundschaft“ ergänzen das bislang aus sieben Glocken bestehende Geläut. „Für viele hundert Jahre wird das größte Geläut der Nordkirche den Klang unserer Kirche und unserer Stadt prägen“, sagte Marienpastor Robert Pfeifer am Sonntag.

Die Patenschaft für die „Ratsglocke“ übernahm Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau, Bischöfin Kirsten Fehrs wurde Patin für die „Glocke der Gastfreundschaft“. Mit dieser Namensgebung wolle die Gemeinde ihre Weltoffenheit und Toleranz zeigen, sagte Pfeifer.

Klicken Sie hier, um weitere Bilder von dem Festakt zu sehen, mit dem am Sonntag die neue Glocke in St. Marien eingeläutet wurde.

„Der Glockenklang ist wie der Fingerabdruck einer Kirche“

Der Termin für die Glockenweihe am Palmsonntag – dem Sonntag vor Ostern – hat Symbolwert. Bei der Bombardierung Lübecks durch die Alliierten am Palmsonntag 1942 gingen die historischen Glocken von St. Marien verloren. Die beiden neuen Glocken im Wert von rund 80 000 Euro sind ein Geschenk eines hochbetagten Lübeckers an die Mariengemeinde.

Im Gottesdienst wurden die neuen Glocken zunächst einzeln vorgestellt. Nach der Feier waren dann erstmals alle neun Glocken gemeinsam zu hören. „Durch die neuen Glocken hat das Geläut einen runderen, volleren Klang erhalten“, sagte der Vorsitzende des Marienbauvereins, Volker Schulze. Der Glocken- und Orgelliebhaber war von 1979 bis 2008 Pastor von St. Marien. „Der Klang ihrer Glocken ist so etwas wie der hörbare Fingerabdruck einer Kirche“, sagte er.

Die „Pulsglocke“ stiftete Konrad Adenauer

Nur drei Glocken im Marien-Geläut sind historisch. Sie wurden zwischen 1719 und 1740 gegossen und hingen ursprünglich in Danziger Kirchen. Nach dem Zweiten Weltkrieg gelangten sie über den Hamburger Glockenfriedhof in die Lübecker Marienkirche. Deren eigene Glocken waren bei der Bombardierung Lübecks am Palmsonntag 1942 zerstört worden.

Die fast 5,8 Tonnen schwere „Pulsglocke“ stiftete Bundeskanzler Konrad Adenauer 1951 zur 700-Jahr-Feier von St. Marien. Drei weitere Glocken kamen 1985 hinzu. „Doch der Klang blieb mickrig, was auch an der Art der Aufhängung und am Glockenstuhl aus Stahl lag", sagte Schulze. Im Jahr 2005 wurde die Stahlkonstruktion durch eine aus Holz ersetzt.

Neue Läuteordnung legt fest, was wann erklingt

Mit den neuen Glocken hat St. Marien auch eine neue Läuteordnung bekommen. Die legt fest, welche Glockenkombination zu welchem Anlass geläutet wird. „Jede Glocke hat eine eigene Bedeutung, die aber heute kaum noch jemand kennt“, sagt Pfeifer. Deshalb plane er für den Sommer eine Vorstellung und Erläuterung der einzelnen Glocken.

Palmarum 1942 wurde sie schwer beschädigt, später wieder aufgebaut: Die Marienkirche in der Lübecker Innenstadt. Klicken Sie hier, um historische Fotos aus dem LN-Archiv zu sehen.

RND/dpa/kha

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