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Lübeck Glück zum Auspacken und Anmalen
Lokales Lübeck Glück zum Auspacken und Anmalen
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09:29 14.12.2015
Namarek (11, v. l.), Munir (10), Mutter Intessar (35), Minar (1) und Nour (16) aus dem Irak malen in der Kita ein Abc-Plakat an.

Adventsfeiern kannten Mutter Intessar Naji (35) und ihre fünf Kinder bisher nicht. Aber dank der Kita St. Augustinus wird die Flüchtlingsfamilie aus dem Irak den Nachmittag mit Geschenken und Keksen wohl nicht so schnell vergessen. Drei Familien aus einer Gemeinschaftsunterkunft der Gemeindediakonie haben mit Lübecker Kindern zusammen gefeiert.

„Das Flüchtlingsthema ist so groß momentan“, erklärt Kita-Leiterin Anke Prokisch, „da wollten wir auch gern helfen.“ Um ihre Idee einer gemeinsamen Feier zu realisieren, haben die Mitarbeiter Kontakt mit Suzana Velickovic aufgenommen. Die Leiterin der Unterkunft Immengarten der Gemeindediakonie freute sich über die Idee. „Wir haben überlegt, welche Kinder vom Alter her passen und wem das Fest besonders gefallen könnte.“ Drei Familien mit insgesamt neun Kindern wurden eingeladen, und die Eltern der Kita unterstützten das Projekt. „Sie haben Süßes, Malblöcke, Stifte sowie Spielzeug gekauft und Unterstützung angeboten“, sagt Prokisch.

Dann wurden Pakete gepackt, Kekse gebacken — und es kam noch eine Überraschung hinzu. Illustratorin Mirja Schellbach (38) hat ein Abc-Plakat zum Lesenlernen gestaltet, und zur Feier des Tages können die ersten Exemplare in der Kita überreicht werden. „Ich habe Anfang des Jahres für die Willkommensbroschüre der Stadt Porträtfotos von Flüchtlingen und Migranten gemacht“, erzählt sie vom Beginn der Idee. Kurz danach kam sie beim Spielen mit ihren eigenen Kindern auf die Idee, ein Buchstaben-Plakat für kleine Schutzsuchende zu gestalten. „Denn ohne Sprache bleiben die Türen zu“, sagt die Fotografin, die wiederholt im Ausland gelebt hat. „Ich kann nachfühlen, was Fremdsein bedeutet.“

Insgesamt stellt die Kreative der Gemeindediakonie 500 Exemplare zur Verfügung, die nun in den Unterkünften zusammen mit den Willkommenspaketen verteilt werden. Für diese Pakete — eigentlich sind es vielseitig verwendbare Taschen — hatte die Sparkassenstiftung im vergangenen und in diesem Jahr insgesamt 50000 Euro gespendet. 1600 Taschen mit Hygieneartikeln, Geschirr, Schreibsachen, Trinkflaschen, Keksen, Deutsch-Lernbüchern und Buntstiften konnten so schon gepackt werden.

„Sie sind mehr als nur eine praktische Starthilfe, sondern vor allem eine herzliche Geste“, sagt Günter de Groot, Bereichsleiter Obdach und Asyl. „Auch für unsere Mitarbeiter ist es ein schönes Gefühl, sie als Zeichen des Willkommens an die Menschen zu überreichen, die ihren gesamten Besitz in ihrer Heimat zurücklassen mussten.“

So erging es auch Familie Naji, die seit acht Monaten in Lübeck ist. „Wir mussten vor dem Krieg fliehen“, erzählt Mutter Intessar dem ehrenamtlichen Dolmetscher Ali Tabiati. Der 27-Jährige hat in Syrien Architektur studiert und spricht Arabisch, Persisch sowie Englisch. Er hat bereits ein eigenes Zuhause, aber wenn die Betreuer vom Immengarten Hilfe brauchen, hilft er gern. So übersetzt er, dass Nour (16) in der Heimat seit zwei Jahren nicht zur Schule gehen konnte. „Alles kaputt.“ Die 16-Jährige spricht nicht nur gut Deutsch, sie kann auch singen. Als „Oh, Tannenbaum“ erklingt, ist sie stimmlich ganz vorne dabei.

Sachspenden benötigt
Für viele Projekte und tägliche Dinge des Alltags stehen der Gemeindediakonie Lübeck keine finanziellen Mittel zur Verfügung. Laut Günter de Groot helfen Spenden, die Busfahrten zu Deutschkursen oder Behördengängen zu ermöglichen. Benötigt werden auch verkehrstüchtige Fahrräder sowie Gelder für ein Verkehrssicherheitstraining für Kinder.
Auch über Spiel- und Sportgeräte würden sich die Schutzsuchenden in den Unterkünften freuen.

Cosima Künzel

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