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Grenzmuseum bekommt endlich Geld

Lübeck Grenzmuseum bekommt endlich Geld

Jahrelang ist die CDU mit ihrem Vorschlag, dem Grenzmuseum in Schlutup städtisches Geld zu geben, in der Bürgerschaft gescheitert. Jetzt gibt es doch noch eine Mehrheit. Die Dokumentationsstätte bekommt von 2018 bis 2020 jeweils 10000 Euro im Jahr.

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Ingrid Schatz und Jürgen Gieseler vom Vereinsvorstand präsentieren das Schild der früheren Grenzkontrollstelle, das ihnen ein Mann aus München mitbrachte.

Quelle: Fotos: Lutz Roessler

Schlutup. Bisher gab es Überlegungen, Berichte und warme Worte. Um Geld bat der rührige Verein, der die Grenzdokumentationsstätte seit 2004 in dem ehemaligen Zoll- und Grenzgebäude an der Mecklenburger Straße betreibt, bislang vergebens. Mehrmals war die CDU mit Anträgen in der Stadtvertretung gescheitert. Bei den Haushaltsberatungen Mitte Dezember kam der Durchbruch. „Wir geben eine Anschubfinanzierung, bis das Geld vom Land kommt“, erklärt CDU-Fraktionschef Christopher Lötsch. Die alte Landesregierung hatte 10000 Euro zugesagt, wenn die Stadt sich beteiligt. Die neue Landesregierung hat angekündigt, das Haus in die Kulturförderung des Landes aufzunehmen.

LN-Bild

Jahrelang ist die CDU mit ihrem Vorschlag, dem Grenzmuseum in Schlutup städtisches Geld zu geben, in der Bürgerschaft gescheitert. Jetzt gibt es doch noch eine Mehrheit. Die Dokumentationsstätte bekommt von 2018 bis 2020 jeweils 10000 Euro im Jahr.

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„Wir sind sehr glücklich, dass wir immer noch hier sind und dass die Stadt uns jetzt anerkennt“, erklären Ingrid Schatz und Jürgen Gieseler vom Vereinsvorstand. Jetzt müsse der städtische Haushalt erst einmal von der Kieler Kommunalaufsicht genehmigt werden, sagt Schatz, die als CDU-Bürgerschaftsmitglied das politische Geschäft nur zu genau kennt. Auch vom Land gab es bisher nur eine Ankündigung. Und an die 40000 Euro, die die Metropolregion Hamburg bereitstellen könnte, glaubt der Verein ohnehin erst, wenn das Geld auf dem Konto eingeht. Zumal die Vertreter von Land und Metropolregion, die sich in der Vergangenheit in der Dokumentationsstätte sehen ließen, immer mit Forderungen auftraten. Mal habe es geheißen, die Sammlung habe keinen roten Faden, dann wieder, alles müsse digitalisiert werden, berichtet die Vorsitzende. Auf diese klugen Ratgeber reagieren die ehrenamtlichen Museumsgründer stets allergisch. Schatz: „Wir wollen bleiben, wie wir sind.“ Aber sie räumen auch ein, dass eine Auflistung aller Exponate sinnvoll wäre. Schatz: „Wir wissen nicht, wie viele Ausstellungsstücke wir haben.“

Die Zuwendung der Stadt kommt da gerade recht. „Wir müssen dringend die Beleuchtung erneuern“, erklärt Vorstand Gieseler, „die alten Röhren fressen zu viel Strom.“ 5000 bis 6000 Euro wären dafür fällig. Der Verein braucht auch Geld, um zwei Historikerinnen und eine Hilfskraft zu entlohnen. Und auch Fahrgeld für die Ehrenamtlichen könnte daraus finanziert werden. Dokumente und Ausstellungsstücke sind mit englischen Erläuterungen versehen. Der Verein würde gerne wegen der vielen französischen Gäste weitere Erläuterungen anbringen, braucht aber eine Übersetzerin oder einen Übersetzer. Schließlich müssen für die vielen Exponate neue Ausstellungsschränke angeschafft werden. Und der Verein plant, mehr Veranstaltungen mit Wissenschaftlern anzubieten. Schatz: „Die kommen auch nicht unentgeltlich hierher.“

Rund 5000 Besucher kommen jedes Jahr in das abgelegene Haus. Seit die Stadt nach jahrelangem Betteln Hinweisschilder aufgestellt hat, hat sich die Zahl der Gäste weiter erhöht. Die Besucher kommen aus der ganzen Welt – Japaner, Norweger, Franzosen, Engländer und Amerikaner haben sich im Gästebuch verewigt. Lehrer befördern ihre Schulklassen in das ehemalige Grenzgebäude. Schatz, Gieseler und andere Ehrenamtliche bieten Führungen an. „Wir hatten schon hochrangige Stasi-Leute in der Ausstellung“, erzählen Gieseler und Schatz. So wie das Museum davon lebt, dass die Besucher vieles anfassen dürfen, lebt die Dokumentationsstätte von dem nicht abreißenden Strom an Spenden. Gieseler: „Ein Mann hat uns eine 35 Kilogramm schwere Abhöranlage vom Brocken mit seinem Rollator gebracht.“ Ingrid Schatz hat einen Nostalgieraum eingerichtet, als eine Frau, die 40 Jahre in einem Konsum gearbeitet hatte, ihre Sammlung an Alltagswaren vorbeibrachte. Kücknitzer Schüler haben ein Modell der Grenzanlage nachgebaut. Das Modell hat einen Ehrenplatz in der Ausstellung bekommen. Und gerade erst hat ein Mann, der jahrelang in München lebte, ein Schild von der früheren Grenzkontrollstelle Schlutup abgeliefert. Schatz: „Das hat er bei der Grenzöffnung abgeschraubt.“

„Hier wird eine fantastische Arbeit geleistet“, sagt CDU-Fraktionschef Lötsch, „gute Projekte setzen sich durch.“ Drei Jahre lang je 10000 Euro sind schon ein Schritt nach vorne. Anderswo wird allerdings nicht gekleckert, sondern geklotzt. Das Grenzhus Schlagsdorf wird für eine Million Euro erneuert. Das Geld kommt von der Europäischen Union, dem Land Mecklenburg-Vorpommern, der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und dem Landkreis Nordwestmecklenburg.

Historie

Die Grenzdokumentationsstätte Schlutup wurde 2004 in dem ehemaligen Zoll- und Grenzgebäude nahe der Landesgrenze eröffnet. Betrieben wird das Museum von dem 1999 gegründeten Förderverein.

Die Mitglieder des Fördervereins organisieren den Betrieb der Einrichtung, bieten Führungen, Vorträge, Lesungen, Sonderausstellungen und Feste an den Gedenktagen der deutsch-deutschen Einheit an.

Aktuell ist das Haus geschlossen. Ab dem 4. Februar 2018 ab 11 Uhr ist wieder geöffnet.

 Kai Dordowsky

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