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Lübeck Simulierter Terroranschlag: Großübung im Hauptbahnhof
Lokales Lübeck Simulierter Terroranschlag: Großübung im Hauptbahnhof
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06:49 24.04.2018
Der Bahnverkehr wird eingeschränkt weiterlaufen, auf den Straßen rund um den Bahnhof kann es zu Verkehrsbehinderungen kommen. Quelle: LN-Archiv
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Lübeck

In der Nacht vom 24. auf den 25. April – 23 bis 5 Uhr – stellen Landes- und Bundespolizei sowie Berufsfeuerwehr im Hauptbahnhof ein realistisches Szenario her, in dem das Vorgehen gegen Terroristen sowie die Rettung Verletzter trainiert werden. Rund 700 Mitarbeiter sind involviert.

Bahnhöfe in Berlin, Leipzig und Frankfurt am Main haben bereits derartige „Vollübungen“ erlebt, die von der Bundespolizeiakademie in Lübeck von langer Hand entwickelt und vorbereitet wurden. Jetzt ist Lübeck selbst an der Reihe. In der Bundesrepublik, so Norbert Trabs, Leiter der Polizeidirektion Lübeck, gebe es nach wie vor „eine abstrakt hohe Bedrohungssituation“. Um das Zusammenspiel der einzelnen Organisationen in einer solch lebensbedrohlichen Gefahrensituation zu trainieren, wurde ein möglichst realistisches Szenario entwickelt. Ein Szenario, „von dem niemand hofft, dass es kommt“, so Trabs, der betont, dass es keinerlei Hinweise auf einen geplanten Anschlag in Lübeck gebe und dass keine Gefahr für die Bevölkerung bestehe.

Gedacht ist die Übung vor allem für die Einsatzkräfte, die üblicherweise als Erste am Einsatzort sind und in der ersten Phase des Geschehens tätig werden. „Für uns als Rettungsdienst ist diese Übung sehr wichtig“, sagt Brandoberrat Thomas Köstler, stellvertretender Leiter der Berufsfeuerwehr Lübeck. Denn die normalen Rettungseinsätze seien meist gut überschaubar, ein Einsatz im Fall eines Terroranschlags hingegen habe eine ungewöhnlich hohe Dynamik und zeichne sich durch eine gewisse Eigengefährdung aus. Unterstützt wird die Berufswehr durch die Freiwillige Feuerwehr, die Johanniter Unfallhilfe, das DRK und den Arbeiter Samariter Dienst.

Klicken Sie hier, um zahlreiche Eindrücke der Lübecker Bahnhöfe früher und heute zu sehen!

Auch die Sana-Klinik und das UKSH spielen mit: Die beim Terroranschlag Verletzten werden in die Notaufnahmen gebracht. Mehr als 200 „Kolleginnen und Kollegen“, verrät Sven Jahn, „simulieren Reisende im Bahnhof – und einige die Terroristen.“ Der Polizeidirektor von der Bundespolizeiakademie Lübeck verrät: „Einige Darsteller werden sehr böse geschminkt. Das macht die Sanitätstruppe der Bundeswehr.“

Die Deutsche Bahn hat im vergangenen Jahr schon einige Übungen mit der Bundespolizei in anderen Bahnhöfen erlebt. „Uns geht es bei diesen Übungen um den Schutz unserer Infrastruktur und unserer Fahrgäste.“

Die Einschränkungen rund um den Hauptbahnhof auf einer interaktiven Karte - klicken Sie auf die Symbole, um mehr zu erfahren:

700 Mitarbeiter aus verschiedenen Bereichen – eine solche Übung, so Bodo Kaping, Präsident der Bundespolizeidirektion Bad Bramstedt, sei schon „etwas Außergewöhnliches, das macht man nicht jeden Tag.“ In den vergangenen Jahren habe man im Zuge der Terrorabwehr Konzepte erstellt, die Ausrüstung verbessert und zusätzliche Trainingseinheiten eingeführt, jetzt wolle man in der Praxis testen, wie sinnvoll die Konzepte seien. Kaping macht klar: „Solch eine Vollübung ist die höchste Stufe.“ Sven Jahn ergänzt: „Trainings und Lehrgänge sind Pflicht, eine Vollübung ist die Kür.“

Dabei soll auch das Zusammenspiel der Führungskräfte trainiert werden. Die Leitung des Einsatzes haben Sven Jahn und Polizeirat Jürgen Oelbeck von der Polizeidirektion Lübeck. Oelbeck weiß: „Es werden Fehler passieren. Es sind bei der Übung Schiedsrichter im Einsatz, die Nachbesprechungen mit den Teilnehmern machen.“

Wer übrigens glaubt, sich die Nacht mit einem spannenden Szenario um die Ohren schlagen zu können, wird enttäuscht: Es werden Sichtschutzzäune errichtet, denn der Verlauf der Übung ist streng geheim. Auch die Polizei- und Rettungskräfte bekommen erst dann, wenn es losgeht, das „Drehbuch“.

Das sagt die Polizei

Es ist geplant, dass die Bundespolizei und die Polizeidirektion Lübeck mit insgesamt rund 700 Beamten sowie dem Rettungsdienst der Hansestadt als auch der Deutschen Bahn, eine solche Übung am Hauptbahnhof Lübeck durchführen werden. Es gilt zu prüfen, ob die bestehenden Einsatzkonzepte nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch funktionieren.

Die Gesamtübung findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, da neben der Bewältigung einer polizeilichen Sofortlage auch taktische Vorgehensweisen Übungsbestandteil sind. Diese unterliegen der Geheimhaltung.

Es wird jedoch einen gesonderten Übungsdurchgang für Medienvertreter geben.

Durch die Bundespolizeiakademie in Lübeck werden bundesweit Übungen dieser Art vorbereitet. Vergleichbare Vorhaben sind bereits an Bahnhöfen in Berlin, Leipzig und Frankfurt/M. umgesetzt worden. Durch die nächtliche Übungszeit sollen die Aus- wirkungen auf Reisende und Anwohnerinnen und Anwohner möglichst gering gehalten werden können. Der Ablauf der Übung kann zu Lärmbelästigungen im Gebiet rund um den Lübecker Hauptbahnhof führen. Hierfür bittet die Polizei bereits im Vorfeld um Verständnis.

Zusätzlich kommt es während der Übung und bereits im Vorfeld zu folgenden Verkehrs- und Betriebseinschränkungen im und um den Hauptbahnhof Lübeck. Diese sind im Einzelnen:

Halteverbote: Dienstag, 24.04.2018, 16.00 Uhr bis Mittwoch, 25.04.2018, 06.00 Uhr:

  • Steinrader Weg ab Höhe Havemeisterweg bis zur Einmündung Fackenburger Allee
  • Konrad-Adenauer-Straße
  • Werner-Kock-Straße
  • Am Bahnhof
  • Lindenplatz incl. der Seite des IHK-Gebäudes

Straßensperrung:

Dienstag ab 21.30 Uhr

  • Steinrader Weg ab Höhe Havemeisterweg bis zur Einmündung Fackenburger Allee
  • Konrad-Adenauer Straße
  • Werner-Kock-Straße
  • Am Bahnhof

Die Straßenbereiche Kreuzweg, Beim Retteich und Lindenplatz sind durchgängig befahrbar. Das Parkhaus „Lindenarcaden“ kann durchgängig über die Ein- und Ausfahrt Lindenplatz genutzt werden.

Taxen:

Der Taxenstand wird von Dienstag, 24.04.2018, 01.30 Uhr bis Mittwoch, 25.04.2018, 04.30 Uhr zum „Beim Retteich“ verlegt.

ÖPNV:

Der Öffentliche Personennahverkehr wird von Dienstag, 24.04.2018, ab 21.30 Uhr bis Mittwoch, 25.04.2018, bis 07.00 Uhr über den Lindenteller fahren, die Haltestelle des Stadtverkehrs Lübeck „Lindenarcarden“ wird in der Zeit in beide Richtungen nicht angefahren.

Fahrräder:

Es wird gebeten, auf der nördlichen Abstellfläche im Steinrader Weg die Fahrräder nicht abzustellen, da diese Fläche am Dienstag, 24.04.2018, ab 21.30 Uhr nicht mehr angelaufen werden kann. Alternativ bleibt die südliche Großstellfläche vor dem Hauptbahnhof, „Am Bahnhof“.

Fußgänger:

Der Haupteingang kann zur Betriebszeit genutzt werden. Es bleibt der Durchgang von Haupteingang zum ZOB. Diese Zuwegung sollte auch von Fahrradpendlern genutzt werden - natürlich mit dem zu schiebenden Fahrrad -

Hotel:

Die Zuwegung zu den Hotels ist über die Straße „Beim Retteich“ gewährleistet.

Bahnhof:

Der Zugang zu den Bahnsteigen während der fahrplanmäßigen An- und Abfahrten bleibt über den Haupteingang gewährleistet. Der Durchgang durch den Bahnhof ist während dieser Zeit nicht möglich.

Bahnverkehr:

Ab 22.00 Uhr werden die Züge über die Bahnsteige 1 – 4 geleitet. Bitte beachten sie hierzu die Ansagen am Bahnhof und die Informationen am Aushang.

Neben den Verkehrs- und Reisebeeinträchtigungen werden im Hauptbahnhof, aber auch im Außenbereich, in der betreffenden Nacht eine Vielzahl von Einsatzkräften und Einsatzfahrzeugen unterwegs sein. Auch Explosions- und Schussgeräusche sowie viele Statisten, die als Verletzte geschminkt sind, werden Teil der Übung sein und dienen der realistischen Übungsdarstellung.

Für die leider unvermeidbaren Beeinträchtigungen bitten die Bundespolizei, die Polizeidirektion Lübeck und ihre Sicherheitspartner die Reisenden und Besucher des Hauptbahnhofes sowie die umliegenden Anwohner und Gewerbetreibende um Verständnis. Die Übungsteilnehmer sind bemüht, die Beeinträchtigungen der Bürgerinnen und Bürger so gering wie möglich zu halten. Realitätsnahe Übungen sind jedoch unverzichtbar und dienen letztlich der Sicherheit aller Bahnreisenden, Bürgerinnen und Bürger.

Das gemeinsame Bürgertelefon der Bundespolizei und der Polizeidirektion Lübeck ist unter (0451) 1 31-22 22 am 24.04.2018 ab 20.00 Uhr für Sie erreichbar.

Die Einsatzleitstelle der Bundespolizei ist unter der Rufnummer (04192) 502 1130 erreichbar.

Von Sabine Risch

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