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Lübeck Großer Windanlagen-Bauer kehrt Lübeck den Rücken
Lokales Lübeck Großer Windanlagen-Bauer kehrt Lübeck den Rücken
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22:23 08.05.2014
Ende einer Ära: Die Produktionsstätte in der Lübecker Seelandstraße gehört der Vergangenheit an. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Lübeck

Herber Verlust für Lübecks Industrie: Der Windanlagenhersteller Dewind, der seit 1995 im Technikzentrum in Herrenwyk zu Hause war, hat seinen Standort aufgegeben. Das südkoreanische Unternehmen zieht es nach Hamburg. Dewind hatte zu Spitzenzeiten etwa 220 Beschäftigte und einen Jahresumsatz von mehr als 100 Millionen Euro. Nicht alle der Arbeitnehmer gehen gemeinsam mit dem Unternehmen in die Elbmetropole. Obwohl der Betriebsrat den Wegzug akzeptiert hat und sich mit einem Interessenausgleich zufriedengegeben hat, klagen fünf ehemalige Mitarbeiter vor dem Arbeitsgericht Lübeck.

Das Unternehmen kann auf eine bewegte Zeit in der Hansestadt zurückblicken. Bei der Gründung vor rund 20 Jahren zählte es lediglich fünf Beschäftigte. Die Spezialisten für Windkraftanlagen wuchsen rasant, mehr als 200 Beschäftigte kamen hinzu, die Firma Dewind erzielte einen Millionenumsatz. Dann wurde es schwieriger, es folgten mehrere Eigentümerwechsel. Bis dann vor etwa fünf Jahren die südkoreanische Daewoo Shipbuilding&Marine Engineering das Lübecker Unternehmen aufkaufte und jetzt wohl maßgeblich für den Umzug nach Hamburg verantwortlich ist. Warum nun gerade jetzt der Standortwechsel erfolgt, wie viele Arbeitnehmer aus Lübeck mitgehen, wie viele nicht — dazu wollte das Unternehmen keine Auskünfte geben.

Der Chef des Technikzentrums Lübeck, Raimund Mildner, wusste schon Ende des vergangenen Jahres von den Umzugsplänen: „Es ist natürlich sehr schade für uns. Wir verlieren einen großen Mieter, mit dem es nie Probleme gegeben hat.“ Schließlich muss sich Mildner nun um die Vermietung der rund 1000 Quadratmeter in der Seelandstraße kümmern, auf denen jahrelang die Dewind-Beschäftigten gearbeitet haben. „Wir haben schon im Haus gemerkt, dass einige der Beschäftigten ziemlich traurig über die Umzugspläne des Unternehmens waren. Aber der südkoreanische Eigentümer hat es scheinbar so entschieden — da kann man natürlich nichts machen“, sagt Mildner.

Zumindest der Großteil der Beschäftigten hat sich mit dem Umzug abgefunden — einige begleiten das Unternehmen nach Hamburg, andere geben sich mit Ausgleichszahlungen zufrieden. Fünf ehemalige Mitarbeiter klagen allerdings vor dem Arbeitsgericht Lübeck. „In allen Fällen geht es um Kündigungen“, sagt Uta Raddatz, Geschäftsleiterin des Arbeitsgerichtes. Eine der Klagen wurde vom Kläger wieder zurückgezogen, ein anderes Verfahren mit einem Vergleich beendet. Für Thomas Rickers, Erster Bevollmächtigter für die Hansestadt Lübeck der IG Metall, ist es ein arbeitsrechtlich sauberer Vorgang: „Der Betriebsrat des Unternehmens hat kaum mit uns zusammengearbeitet. Als klar wurde, dass Dewind umziehen will, hat sich der Betriebsrat entschieden, den Umzug zu akzeptieren und einen Interessensausgleich zu fordern.“ Auch einige Gewerkschaftsmitglieder befinden sich unter den Klägern gegen Dewind. „Mir ist aber kein Fall bekannt, bei dem Arbeitnehmerrechte krass verletzt wurden“, sagt Rickers.

Somit bleiben im Technikzentrum erstmal nur leere Büros und Hallen übrig. „Wir sind uns sicher, dass wir die Räume bald wieder vermietet haben. Nicht an einen großen Mieter wie Dewind, aber an viele kleine bestimmt“, sagt Mildner.

„Wir verlieren einen großen Mieter, mit dem es
nie Probleme gegeben hat.“
Raimund Mildner, Technikzentrum-Chef

Hannes Lintschnig

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