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Lübeck Großes Kino mit der Orchesterakademie
Lokales Lübeck Großes Kino mit der Orchesterakademie
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21:12 25.10.2013
Natalie Wood (Maria) und R. Beymer (Tony).
Lübeck

Die Orchesterakademie des Schleswig-Holstein Musik Festivals wird im kommenden Jahr ein ganz besonderes Großprojekt in Angriff nehmen. Unter Leitung des amerikanischen Dirigenten und Filmmusik-Komponisten David Newman wird das Orchester mit seinen jungen Musikerinnen und Musikern aus aller Welt die legendäre Verfilmung von Leonard Bernsteins „West Side Story“ live begleiten — Gesangsstimmen, Dialoge und Geräusche kommen von der Original-Tonspur des Films. „Das ist ein sehr aufwendiges und auch teures Projekt“, sagte Christian Kuhnt, Intendant des Festivals.

„Es ist aber auch für die jungen Musiker eine einmalige Chance, mit neuester Technik zu arbeiten und sich Erfahrung auf dem Gebiet der Filmmusik zu verschaffen. Dieser Markt boomt nicht nur in den USA.“ Die neue Verantwortliche für die Orchesterakademie, Gesine Beck, erläuterte die technischen Anforderungen, mit denen das Orchester zurechtkommen muss: „Jeder Musiker hat einen Knopf im Ohr, der als Metronom auf die Tonspur des Films abgestimmt ist. Er muss sich nach dem Metronom richten und nach dem Dirigenten — das ist ausgesprochen schwierig.“ Aufgeführt werden soll diese spezielle „West Side Story“ in den Holstenhallen von Neumünster, die derzeit aufwendig saniert und auf neuesten technischen Stand gebracht werden.

Der Komponistenschwerpunkt des kommenden Festivals ist Felix Mendelssohn Bartholdy gewidmet, auch die Orchesterakademie wird ein Stück des Romantikers aufführen. Christoph Eschenbach, Principal Conductor der Orchesterakademie, studiert die komplette Schauspielmusik Mendelssohns zum „Sommernachtstraum“ mit dem Orchester ein, bei den Aufführungen wird Dominique Horwitz den Part des Sprechers übernehmen. Außerdem erarbeitet Eschenbach Rachmaninows Klavierkonzert Nr. 2 c-Moll mit dem Solisten Christopher Park.

Michael Sanderling, Chefdirigent der Dresdner Philharmoniker, leitet eine weitere Arbeitsphase der Akademie. Er probt Brahms‘ Doppelkonzert für Violine und Violoncello a-Moll mit den Solisten Isabelle van Keulen (Violine) und Daniel Müller-Schott (Violoncello). Im Jahr 1996 war Michael Sanderling Cello-Solist in diesem Konzert bei der Aufführung durch das Festival-Orchester unter Leitung seines Vaters Kurt Sanderling. Schostakowitschs Sinfonie 5 d-Moll steht außerdem auf dem Probenplan von Michael Sanderling.

Die vierte Arbeitsphase der Orchesterakademie leitet dann der spanische Dirigent Pedro Halffter, Sohn des Komponisten Christóbal Halffter. Pedro Halffter, Jahrgang 1971, hat sich einen Namen gemacht als Dirigent der Sinfonieorchester von Sevilla und Gran Canaria. Er erarbeitet mit dem Orchester Rodrigos berühmtes Concierto de Aranjuez für Gitarre und Orchester. Solist ist dabei Pepe Romero, seit Jahrzehnten einer der besten Gitarristen der Welt. Weiter probt Halffter ein eigenes Werk namens „Abadón“, das eigentlich als Interludium für eine geplante Oper über die Offenbarung des Johannes gedacht war. Dort taucht Abadón als „Engel des Abgrunds“ auf. Pedro Halffter macht sich außerdem mit der Orchesterakademie daran, das berühmteste Werk Gustav Mahlers aufzuführen. Die 5. Sinfonie verdankt ihren hohen Bekanntheitsgrad vor allem dem Adagietto, das Luchino Visconti in seiner Verfilmung von Thomas Manns Novelle „Der Tod in Venedig“ als Filmmusik verwendete.

Das Meisterwerk unter den Musicals
Im Jahr 1949 schlug Jerome Robbins, Choreograf und Musical-Produzent, Leonard Bernstein vor, eine moderne Version von „Romeo und Julia“ auf die Bühne zu bringen. Die Gesangstexte stammen von Stephen Sondheim, das Buch schrieb Arthur Laurents. Zunächst sollte das Stück „East Side Story“ heißen und Konflikte zwischen christlichen und jüdischen Jugendlichen schildern, schließlich verlegte man die Handlung an die West Side von Manhattan, wo sich Puertoricaner und Einhemische Kämpfe lieferten. Leonard Bernsteins Musik umfasst alle möglichen Stilrichtungen von Progressive Jazz bis zu Unterhaltungsmusik der frühen 1950er Jahre in einem genialen Mix. Das Stück wurde ein gigantischer Erfolg am Broadway. 1961 wurde das Musical, das in seiner Qualität viele Opern in den Schatten stellt, von Robert Wise und Jerome Robbins verfilmt, der Streifen erhielt zehn Oscars.

Jürgen Feldhoff

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