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Lübeck Grüne: Doch noch eine Mehrheit gegen die Grünstrand-Bebauung?
Lokales Lübeck Grüne: Doch noch eine Mehrheit gegen die Grünstrand-Bebauung?
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17:52 25.11.2013
Travemünde

Jetzt gehen die Grünen zum Angriff über: Befreit vom rot-rot-grünen Dreierbündnis, wollen sie die Grünstrand-Bebauung in Travemünde stoppen — noch vor der Einwohnerversammlung am 4. Februar. Ende Januar wollen sie einen Antrag in der Bürgerschaft stellen. „Wir sind jetzt frei“, beschreibt Bauexperte Carl Howe (Grüne) die Situation seiner Partei auf der öffentlichen Fraktionssitzung im lübschen Seebad. Denn vor drei Wochen hatte die SPD das Bündnis mit Grünen und Linken platzen lassen.

„Wenn ihr Grünen zusammen abstimmt, dann habt ihr gute Chancen das Projekt zu Fall zu bringen“, ist sich der Travemünder Jürgen Schlichting (65) sicher. Er ist einer von 50 Leuten, die sich im Kaminzimmer des Restaurants „Alte Vogtei“ versammelt haben. Dort stimmt eine Mehrheit dafür, dass die Grünen sich eine politische Mehrheit suchen sollen, um das Bauvorhaben auf dem Grünstrand zu kippen. Einer zählt schon mal die Stimmen zusammen: „Die CDU ist dagegen — und die Linken auch. Macht mit den Grünen 28 von 60 Stimmen der Bürgerschaft.“

Doch nicht alle Grünen sind überzeugt davon, dass das der richtige Weg ist. „Er ist zweischneidig“, gibt Hans-Jürgen Schubert zu bedenken. Wenn die Einwohnerversammlung ausfällt, weil zuvor die Bürgerschaft die Bebauung ablehnt, könnte nach der Kommunalwahl im Mai eine neue politische Mehrheit wieder versuchen, das Areal am Meer zu bebauen. Denn dort will der Hamburger Projektentwickler Imetas ein Hotel errichten, Ferienwohnungen und eine Marina. „Von einem Beschluss einer Einwohnerversammlung kommt man aber politisch nicht mehr runter“, wirbt Torsten Fürther für die Einwohnerversammlung. Dennoch: Die Bürger sehen es anders. „Die Grünen könnten bei dem Thema Grünstrand-Bebauung Vorreiter sein, damit würden sie viele Stimmen bei der Wahl gewinnen“, ist sich Travemünder Norbert Wills (67) sicher. Für ihn ist die Einwohnerversammlung eine „Alibiveranstaltung“. Ein anderer Travemünder hält sie für eine „undemokratische Veranstaltung“. Denn: „Nur eine Minderheit wird über so ein wichtiges Vorhaben entscheiden.“

Wie diese Einwohnerversammlung ausgeht — darüber gehen die Meinungen auseinander. „Es gibt ein Desinteresse bei den Menschen“, hat Viktor Guttmann (74) festgestellt. Ein anderer ruft: „Es ist überhaupt kein Problem, das Projekt da zu stoppen.“ Die Grünen selbst sind sich unsicher — und wollen noch zwei Arbeitsgruppen mit den Bürgern bilden, um Argumente gegen das Bauvorhaben zu sammeln.

„Aber auf der Veranstaltung müssten auch Bürger etwas sagen — nicht nur die Grünen“, gibt Howe die Marschrichtung vor.

Jetzt wird er im Januar erst einmal Hintergrundgespräche mit der CDU führen — um ihre Stimmen gegen das Bauvorhaben zubekommen. So ganz leicht dürfte er es nicht haben. „Wir sind nicht grundsätzlich gegen die Bebauung“, sagt CDU-Fraktionschef Andreas Zander. Man wolle schon eine touristische Entwicklung, aber nicht so eine, wie Imetas sie präsentiert hat. Die Linken haben den Plan der Grünen schon geahnt, wissen aber noch nicht, ob sie ihm zustimmen, so Chefin Antje Jansen. Das werde am 7. Januar in der Fraktion diskutiert. Selbst wenn CDU, Linke und Grüne die Hände heben, fehlen immer noch zwei Stimmen. Auf die Bürger für Lübeck (BfL) können sie nicht setzen. „Wir unterstützen eine Bebauung“, sagt Fraktionsvize Astrid Stadthaus-Panissié. Die FUL könnte mit von der Partie sein und Miteinander. Dann hätte die Anti-Grünstrand-Front 31 Stimmen.

SPD-Fraktionschef Peter Reinhardt schüttelt den Kopf: „Das ist doch alles Quatsch.“ Erst hätten die Grünen die Einwohnerversammlung gefordert, jetzt wollten sie sie stoppen, weil das Bürgervotum anders ausgehen könnte, als die Grünen es sich wünschen. „Das ist ein doppelter Salto rückwärts. Bei der Unsportlichkeit der Grünen kann der nicht klappen.“

Josephine von Zastrow

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