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Lübeck Grüne wollen stärkste Partei werden
Lokales Lübeck Grüne wollen stärkste Partei werden
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14:12 12.10.2018
Riesenjubel bei den Grünen am Tag der Kommunalwahl am 6. Mai: Bruno Hönel holt ein Direktmandat für die Bürgerschaft, Fraktionskollege André Kleyer stemmt ihn in die Höhe. Quelle: 54°/Felix Koenig
Lübeck

Das ist mal eine Ansage. „Wir können uns vorstellen, in den nächsten zehn Jahren stärkste politische Kraft in Lübeck zu werden“, sagt der neue Kreisvorsitzende der Grünen, Andreas Schulze. So mutig waren die Grünen noch nie. Der Mut speist sich aus einer Analyse der Kommunalwahl im Mai, dem allgemeinen Trend der Partei, dem Niedergang der Volksparteien SPD und CDU sowie aus den Themen der Partei. Schulze (40), der sein Geld als Lehrer an der Baltic-Schule verdient: „Umwelt und Nachhaltigkeit bewegen die jungen Leute, Plastikmüll im Meer ist unter Jugendlichen ein großes Thema.“

Auf die Jungen setzt der Kreisverband. Eine Analyse der Thomas-Mann-Schule, die bei der Kommunalwahl 2139 Wählerinnen und Wähler in allen Wahlkreisen und Altersgruppen befragte, sieht die Grünen bei den Erstwählern mit 32,5 Prozent weit vor der Konkurrenz. CDU kommt auf 16,3 Prozent, die SPD auf 12,5 und die Liberalen auf zehn Prozent. „In den Altersgruppen 16 bis 20 und 21 bis 35 Jahre sind wir jeweils die stärkste politische Kraft in Lübeck“, schreibt der langjährige Grünen-Politiker Thorsten Fürter, „das ist ein gutes Zeichen für unsere Zukunftsfähigkeit.“ Es gebe mehrere Indikatoren, die für weiteres Aufwachsen der Partei sprechen würden – die Schwäche von SPD und CDU bei den jüngeren Wählern, die wachsende Bedeutung der Klimapolitik, immer mehr Erfolge der Grünen vor allem in süddeutschen Städten. „Die Zeit der Volksparteien ist vorbei, wir werden keine werden“, ist Fürter überzeugt, „20 bis 25 Prozent werden in den nächsten Jahren reichen, um stärkste Kraft in Lübeck zu werden.“

Andreas Schulze ist seit dem 15. September der Co-Kreisvorsitzende der Grünen. Quelle: Lutz Roeßler!

Ehrgeizige Ziele sind den Grünen nicht völlig fremd. 2011 rechnete sich Fürter als Bürgermeisterkandidat aus, in die Stichwahl gegen den damaligen Rathaus-Chef Bernd Saxe (SPD) zu kommen. Am Ende wurden es respektable 19,4 Prozent der Stimmen. 2017 wollte erneut Fürter bei der Bundestagswahl das Direktmandat in Lübeck holen, landete schließlich bei 13 Prozent. Als drittstärkste Kraft haben sich die Grünen bei den letzten Wahlen etabliert, doch die Abstände zu CDU und SPD sind weiterhin groß. Auch die traditionellen Hochburgen wie Innenstadt und St. Jürgen reichen auf Dauer nicht aus, um an die Spitze zu kommen. In Buntekuh, Moisling, Schlutup und Kücknitz muss die Partei noch kräftig zulegen. Die Wahlanalyse der Thomas-Mann-Schule ergab zudem, dass die Wählerschaft der Grünen nicht sehr stabil ist. „Nur 49,8 Prozent der Wählerinnen von 2013 gaben uns 2018 erneut die Stimme“, sagt Fürter. CDU und SPD haben mit 69,6 beziehungsweise 67,3 Prozent eine größere Stammwählerschaft. Das ist Chance und Risiko zugleich. Schließlich wissen auch die Grünen, dass Jungwähler älter werden und womöglich dann anders wählen. Kreisvorsitzender Schulze: „Das ist uns klar.“

Arbeitsgruppe soll den Weg vorbereiten

Auf der jüngsten Mitgliederversammlung, auf der Schulze zum Co-Vorsitzenden neben Simone Stojan gewählt wurde, wurde eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die den Weg an die Spitze vorbereiten soll. Die Grünen wollen verstärkt in die Stadtteile und Wahlkreise gehen und die Menschen vor allem bei ihren Themen abholen. Fürter: „Die Menschen brauchen Ansprechpartner, wenn in ihren Stadtteilen ein Thema auf den Nägeln brennt.“ Strukturen wie Ortsvereine oder Ortsverbände seien out. „Wir wollen in allen Stadtteilen in der Wählergunst wachsen“, erklärt der Kreisvorsitzende Schulze. Vor allem aber brauche die Partei auch deutlich mehr Mitglieder, um an die Spitze zu kommen und dort zu bleiben. Knapp über 130 Mitglieder würden nicht ausreichen, um die politische Alltagsarbeit in Gremien zu bewältigen.

Der neue Kreisvorsitzende

Andreas Schulze ist seit Schülerzeiten Mitglied der Grünen, aber erst seit einem Jahr Mitglied des Lübecker Kreisverbandes. Bei der Wahl zum Kreisvorsitzenden erhielt der 40-jährige Lehrer für Mathematik und Wipo 94 Prozent der Stimmen, er hatte keinen Gegenkandidaten. Schulze kam in der Nähe von Magdeburg zur Welt und lebt seit zwölf Jahren in Lübeck. Als bürgerliches Mitglied sitzt er für die Grünen im Ausschuss für Umwelt, Sicherheit und Ordnung. Schulze löst Thorsten Fürter als Kreisvorsitzender ab. Fürter hatte nicht mehr kandidiert. Die Grünen leitet der Neue zusammen mit Simone Stojan.

Petereit baut auf die Jungwähler

„Ich glaube nicht, dass uns die Grünen als stärkste politische Kraft ablösen werden“, erklärt der SPD-Fraktionsvorsitzende Peter Petereit, „wir werden federführend bleiben.“ Petereit vertraut auf „gute Sacharbeit“ und dass die SPD in der Gunst der Jungwähler wieder zunehmen wird. Außerdem hält er die Wahlanalysen der Thomas-Mann-Schule nicht mehr „für so verlässlich wie früher“. Die CDU-Kreisvorsitzende Anette Röttger bezweifelt den grünen Aufstieg mit einem Blick in die jüngste Vergangenheit. „Manch Wähler der Grünen musste sich mitten in der Wahlperiode die Augen reiben, als sich plötzlich die GAL neu gründete“, erinnert Röttger an den Bruch der Fraktion 2016, „das hat die interne Spaltung in den eigenen Reihen offengelegt.“

Was hätten denn die Lübecker von Grünen als stärkste Kraft? Vorsitzender Schulze: „Fahrradschnellwege, weitere Verkehrsberuhigung, Anschluss an den HVV, mehr Fachkräfte in den Ganztagsschulen und keine weitere Bebauung des Priwalls.“

Kai Dordowsky

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