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Lübeck Grundstück gesucht für „Tiny House“
Lokales Lübeck Grundstück gesucht für „Tiny House“
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17:22 17.04.2018
Alles, was man braucht, auf rund 15 Quadratmetern: Von einem Minihaus, das auch auf einem Anhänger transportiert werden kann, träumen die beiden jungen Lübecker. Sie kommen mit wenig Platz aus, wollen sich nicht langfristig an einen Kredit binden und ihr Haus selbst bauen. Quelle: Foto: Tischlerei Bock
Lübeck

Schon im Jahr 2016 hatten die junge Touristikerin und der Maschinenbau-Ingenieur von „Tiny Houses“ gehört und die Idee sehr charmant gefunden. Bereits zuvor hatten sie – beruflich von Lübeck nach Süddeutschland gezogen – festgestellt, „dass wir von unserer 90 Quadratmeter großen Wohnung nur etwa die Hälfte genutzt haben“. Doch dann gingen Hosses erst einmal auf eine Fahrradreise durch Europa, Australien und Neuseeland – und gewannen nach Gesprächen mit vielen Menschen noch mehr den Eindruck, dass es alternative Wohnkonzepte gibt und dass man gar nicht so viel Raum braucht wie man glaubt. Gerade auch angesichts der Verdichtung in den Städten sei es sinnvoll, „dass man den Raum, den man hat, auch wirklich nutzt“, sagt Markus Hosse.

Markus und Melanie Hosse haben festgestellt, dass sie nicht viel Platz zum Wohnen brauchen. Deshalb wollen die beiden Lübecker ein sogenanntes „Tiny House“, ein Minihaus, in Lübeck errichten. Möglichst schnell. Doch der Weg dorthin ist mit allerlei Hindernissen gespickt.

Der Trend

www.tiny-houses.de bietet vor allem Workshops zum Bau von Minihäusern und zu Versicherungsfragen an.

www.businessinsider.de/tiny-house-die-schoensten-deutschen-minihaeuser-2018-4 bietet einen Überblick über das Machbare und stellt verschiedene Modelle vor.

https://www.marjoleininhetklein.com/en/ ist ein Blog der Niederländerin Marjolein, die 2016 mit der Stadt Alkmaar ihr „Tiny-House“-Projekt verwirklicht hat.

Seit Ende Januar sind die beiden nun zurück, wohnen aktuell zur Untermiete und kümmern sich intensiv um ihr Projekt. Auf zwei Mails ans Bauamt der Hansestadt bekamen sie keine Antwort, als sie persönlich am Mühlendamm vorstellig wurden, erhielten sie die Auskunft, man könne sich der Sache erst annehmen, wenn sie ein Grundstück hätten. Darum wollen sich die Hosses nun kümmern. Aber auch das ist nicht ganz so einfach. „Wir wollen es als Erstwohnsitz nutzen, daher wird es baurechtlich wie eine normale Immobilie betrachtet“, die den Bestimmungen des Baurechts unterliegt. Auch das Aufstellen dieser Minihäuser auf Campingplätzen sei nicht ganz einfach, denn dafür, so Melanie Hosse, „muss der Campingplatz als Sondergebiet Erholung ausgewiesen sein“. Am ehesten denkbar wäre es wohl, wenn jemand auf einem großen Privatgrundstück einen Teil der Fläche verpachten würde.

Wie die Chancen in der Hansestadt für solch ein Modellprojekt aussehen, wissen Melanie und Markus Hosse nicht. Aktuell sieht es eher schlecht aus, denn die FDP-Bürgerschaftsfraktion hatte zwar den Trend zum Minihaus (LN vom 13. April) aufgegriffen. Ihr Antrag, zu prüfen, ob ein „Tiny House“-/Minihaus-Konzept auch in Lübeck umsetzbar sei, war vom Bauausschuss am 19. Februar aber mit großer Mehrheit abgelehnt worden.

Ihr künftiges Minihaus wollen die beiden Lübecker auf keinen Fall „schwarz“ irgendwo aufstellen, sondern im gesetzlichen Rahmen bleiben, versichern sie. Doch wie die Gesetzeslage genau ist und was in Lübeck möglich ist, wissen sie trotz aller bisherigen Recherchen nicht. Aber: Melanie und Markus Hosse geben nicht auf, sondern legen und hängen an zentralen Stellen Flyer aus, auf denen sie ihr Anliegen schildern und auch schon eine kleine Buntstift-Zeichnung ihres „Tiny House“ beifügen. Es darf nicht breiter als 2,55 Meter, nicht länger als acht Meter und nicht höher als vier Meter sein, damit es noch auf Rädern von A nach B transportiert werden kann.

Was die Planung ihres Häuschens betrifft, bekommen sie Unterstützung seitens der Fachhochschule. „Studenten erstellen ab nächste Woche Entwürfe – mal sehen, was dabei heraus kommt.“ Die beiden Lübecker wollen der Kreativität der Architekturstudenten freien Lauf lassen, geben deshalb neben den Abmessungen nur wenige Bedingungen vor: „Wir brauchen ein richtiges Badezimmer, eine Küche und oben zwei Schlafbereiche.“

Während sie auf die Ergebnisse der Studenten warten, bleiben die Hosses nicht untätig. Am Wochenende besuchen sie ein junges Pärchen bei Niebüll, das sein „Tiny House“ bei einem Bauern aufgestellt hat. Austausch ist alles, denn was in anderen Ländern wie den Niederlanden schon weiter verbreitet ist, steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen. „Klar möchten wir gern so wohnen, aber wir sehen es vor allem als Modellprojekt, das wir gern auch anderen Interessierten zeigen würden.“

Wer dem jungen Ehepaar helfen möchte, kann sich unter minihaus-luebeck@gmx.de melden.

 Sabine Risch

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