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Lübeck Güterbahnhof-Investor: Stadt soll 1,3 Millionen Euro zahlen
Lokales Lübeck Güterbahnhof-Investor: Stadt soll 1,3 Millionen Euro zahlen
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10:27 02.08.2016
Viel Brachland, viel ungenutzte Hallenfläche: Das Areal zwischen Meierbrücke und Hansering soll zu einem neuen Wohnviertel im Stadtteil St. Lorenz Süd werden. Der Eigentümer Aurelis will dort investieren – allerdings soll die Stadt die Gestaltung des Parks bezahlen. Quelle: Wolfgang Maxwitat

 So lautet die Forderung der Immobilienfirma Aurelis, die Eigentümer des Grundstücks und Investor ist. Das geht aus den Unterlagen für das Bebauungsplanverfahren hervor.

„Das ist nicht akzeptabel“, sagt Christopher Lötsch (CDU), Vorsitzender des Bauausschusses. Anders sieht das die SPD. „Die Forderung von Aurelis ist nachvollziehbar“, gibt UIrich Pluschkell contra.

Der Hintergrund: Die Aurelis GmbH will aus dem brachliegenden Areal des ehemaligen Güterbahnhofs ein Neubaugebiet machen (die LN berichteten). Die geschätzten Kosten liegen im zweistelligen Millionen-Bereich. Das 78000 Quadratmeter große Gelände erstreckt sich in etwa von der Meierbrücke bis etwa auf Höhe des Hanserings. Geplant sind 250 Wohnungen und Häuser. Darunter etwa 80 Sozialwohnungen. Das Viertel verläuft parallel zur Schützenstraße. Zudem sollen der alte Lagerschuppen, die ehemalige Kantine und der denkmalgeschützte Wasserturm erhalten bleiben. Zwischen Wohnungen und Lagerhalle ist ein Park geplant. Aurelis will dieses 18000 Quadratmeter große Gelände von Altlasten befreien und der Stadt schenken. Die soll daraus dann einen Park machen. Geschätzte Kosten:

1,3 Millionen Euro. Aurelis macht Druck: Macht die Stadt das nicht, dann rechne sich das gesamte Projekt nicht, so steht es in Verwaltungspapieren.

Das stößt der CDU auf. „Es ist unverständlich, dass der Entwickler die Kosten bei der Stadt abladen will“, erklärt Lötsch. Darüber müsse erst noch diskutiert werden. Die SPD hat indes Verständnis.

„Es ist wichtig, dass in dem Stadtteil öffentliches Grün entsteht“, macht Pluschkell klar. Sein Argument: „Immerhin geht der Grünzug ins Eigentum der Hansestadt über“, so der SPD-Mann. Genossin Kerstin Metzner stimmt zu: „Eine Stadtsanierung gibt es nicht zum Nulltarif.“ Sie warne davor, diese Stadtteilentwicklung in St. Lorenz kaputtzureden, „bevor das Projekt überhaupt gestartet ist“. Das will auch Lötsch nicht. Aber: „Da gibt es noch Klärungsbedarf.“ Für ihn wäre es schade, wenn das Projekt an dieser Frage scheitert.

Der Bauausschuss hat bereits im Juli den Startschuss für das dreistufige Bebauungsplanverfahren gegeben. Das dauert anderthalb bis zwei Jahre. Aurelis geht von einem Baubeginn Mitte 2018 aus. „Dort wird ein Quartier geschaffen, das positive Auswirkungen auf die angrenzenden Straßen und das Stadtbild haben wird“, ist Torsten Wollenberg überzeugt, Leiter der Aurelis Region Nord. Allerdings gibt es noch eine Menge Arbeit, bis der erste Bagger rollt. Denn nicht nur die Finanzierung des Parks ist strittig. Es gibt auch Diskussionen über das Thema Schuppen. Aurelis will den Lagerschuppen erhalten – damit spart man die Kosten für Abriss, Entsorgung und Bodensanierung. Der Schuppen ist 400 Meter lang und hat 6800 Quadratmeter. Aurelis will diese Flächen an jemand anderes übertragen.

Dort könnten Restaurants, Künsterateliers, Kleingewerbe einziehen. „Das wäre super, wenn es klappt“, sagt Chef-Stadtplaner Karsten Schröder. Allerdings: Es müsse eine „tragfähige und nachhaltige Nutzung geben“, fordert Schröder.

Weiterer Knackpunkt: der verseuchte Boden. „Es liegt ein sanierungsrelevanter Grundwasser-Schaden vor“, schreibt die Bauverwaltung. Der sei bislang noch gar nicht abschließend eingegrenzt – und reicht auch noch über das verplante Gebiet hinaus. Klar ist außerdem: Es gibt Bodenverunreinigungen, die nicht mit einem Wohnviertel zusammenpassen. Denn das Gelände ist seit 1907 Güterbahnhof. In den 1990er Jahren wurde er allerdings aufgegeben. Seither sind die Gebäude vermietet oder stehen leer. Daher muss für das Areal ein Sanierungsplan aufgelegt werden. Der wird teuer.

Historie

1907 wird das Areal Güterbahnhof eröffnet. In den 1990er Jahren wird er von der Deutschen Bahn aufgeben. 2003 gehen die Flächen in das Eigentum der Aurelis Real Estate GmbH & Co. KG über – zu der Zeit ein Tochterunternehmen der Bahn. Seit 2007 ist Aurelis zu 100 Prozent ein privates Unternehmen. 2011 streicht das Eisenbahnbundesamt den Güterbahnhof offiziell aus dem Bahnbetrieb.

 Josephine von Zastrow

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