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12:11 31.08.2018
Der neue Chef der Lübecker Hafenbehörde: Guido Kaschel (47) ist seit 1. August im Amt. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Lübeck

In drei Kategorien kann Kaschel seine Besucher einteilen. Die Humorvollen, die Pikierten und die ohne Englisch-Kenntnisse. Denn wer sein Büro betritt, sieht viel Weiß, viel Fläche – und eine einzige persönliche Sache. Ein dunkles Schild, auf dem mit geschwungener Schrift notiert ist: „I would agree with you, but then we'd both be wrong“ – zu deutsch: „Ich würde dir zustimmen, aber dann liegen wir beide falsch“.

„Interessant ist, wie die Menschen darauf reagieren“, sagt der 47-Jährige. Die einen stutzen und lachen dann laut los; die anderen lesen es, schweigen und halten das gesamte Gespräch über Distanz zu ihm, weil sie ihn für arrogant halten. Und dann gibt es diejenigen, die es nicht verstehen, weil sie kein Englisch können. Ein Eingangstest? „Nein“, sagt Kaschel. Aber er hat das Schild im Urlaub gesehen und fand es gut. „Es geht um Ehrlichkeit und den Umgang mit Fehlern“, sagt Kaschel. Und wenn er fachlich von etwas überzeugt ist, „diskutierte ich auch hart in der Sache“.

Der neue Hafenplan soll 2019 fertig sein

Eine Eigenschaft, die er in seinem Job braucht. Denn die Lübeck Port Authority (LPA) gibt mit das meiste Geld der Hansestadt aus – und jede Ausgabe muss er begründen. Allein am Skandinavienkai werden bis 2021 satte 67 Millionen Euro investiert. Und: Kaschels erstes großes Projekt wird der Hafenentwicklungsplan (HEP) sein. Er soll die Zukunft des Lübecker Hafens bis 2030 skizzieren. Im kommenden Jahr soll er fertig sein. Und wenn doch wieder alles anders kommt, als im Plan steht? „Man braucht so einen Plan, damit man sich daran orientieren kann“, erklärt Kaschel. „Man kann nicht einfach ,auf Sicht’ fahren.“ Man müsse sich positionieren, eine Perspektive entwickeln. Wenn es anders kommt, als prognostiziert, dann müsse man die Abweichungen begründen und nachsteuern.

Das spannendste Thema im neuen Hafenplan: Wohin breitet sich der Hafen aus, wenn er weiter wächst? Ein umstrittenes Thema in der Hansestadt – seit Jahrzehnten. Denn der Skandinavienkai als größtes Terminal kann sich nur in Richtung Travemünde oder in Richtung Dummersdorfer Ufer erweitern. Das weiß auch Kaschel. „Keine Aussage zum Dummersdorfer Ufer im neuen Hafenplan wäre fatal“, sagt der LPA-Chef. „Das wird man von uns erwarten.“ Und noch etwas wird von ihm erwartet – beziehungsweise von der Verwaltung. „Die Bürger wollen, dass die Pläne der Verwaltung nachvollziehbar und erlebbar sind“, sagt Kaschel. Deshalb macht er sich Gedanken, wie er einen neuen Hafenplan den Lübeckern nahe bringen kann.  

In seinem Job muss Kaschel eng mit den Hafenbetreibern zusammenarbeiten. Denn die LPA sorgt für die Infrastruktur im Hafen, die Flächen indes sind verpachtet. Der größte Pächter ist die Lübecker Hafen-Gesellschaft (LHG). Bis 2058 hat sie einen Pachtvertrag mit der Stadt für das Areal. Daher sind LPA und LHG stark miteinander verzahnt. Und auch mit den anderen privaten Hafenbetreibern wie der Firma Lehmann muss Kaschel klar kommen. „Als Hafenbehörde geht es nicht ohne die Terminalbetreiber und auch nicht gegen sie“, sagt Kaschel. Aber: „Es kann aber auch nicht bedeuten, dass man seine Arbeit nur auf die Terminalbetreiber abstimmt.“ Denn als Behördenchef muss er langfristiger und mehr im Sinne der Stadt denken, als ein Wirtschaftsunternehmen es tut.

Wechsel von Hamburg nach Lübeck

Beim Blick auf Kaschels Lebenslauf könnte man ihn als „alten Hasen“ bezeichnen. Er kommt aus dem Harz, hat an der TU Braunschweig Bauingenieur studiert – Fachrichtung Wasserbau. Während des Studiums hatte er Kontakt zur Hamburger Hafenbehörde. Dort blieb er – 21 Jahre lang. „Eine klassische Beamtenlaufbahn“, meint Kaschel. Zuletzt war er Leiter der Baudirektion, zuständig für die Wassertiefen und hatte 350 Mitarbeiter. Jetzt ist der LPA-Chef mit etwa 90 Mitarbeitern.

Ein Aufstieg? Die Funktion ist dieselbe, aber die Aufgabe ist größer. Denn Kaschel ist als LPA-Chef Herr seines eigenen kleinen Reichs. Zwar gehört die Hafenbehörde zu Bausenatorin Joanna Hagen (parteilos, vormals Glogau) – und obendrüber steht der Bürgermeister Jan Lindenau (SPD). Aber: Fachlich wird ihm da keiner der beiden reinreden können. Da ist Kaschel die letzte Instanz. Den Wechsel von der großen Hansestadt in die kleine Hansestadt hat er sich zusammen mit seiner Familie überlegt. Mit seiner Frau und den drei Kindern lebt er weiterhin in Lüneburg. Denn der Nachwuchs geht noch zur Schule. Am Ende hat sich Kaschel entschieden, sich zu bewerben – und den Job bekommen: „Mich hat die Aufgabe gereizt, die Komplexität der Aufgabe.“

Josephine von Zastrow

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