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18:01 08.01.2019
Prof. Claudia Schmidtke (CDU) sitzt seit Herbst 2017 als direkt gewählte Abgeordnete für Lübeck im Bundestag. Quelle: Felix König
Lübeck

Daten von Hunderten deutscher Politiker und Journalisten, Musiker, Blogger und Kulturschaffender wurde von Unbekannten geleakt und veröffentlicht. Top-Prominente wie Angela Merkel, Daniel Günther, Robert Habeck und Jan Böhmermann hat es getroffen. Aber auch etliche Bundestagsabgeordnete, die weniger bekannt sind. Unter ihnen auch die Lübecker CDU-Bundestagsabgeordnete Prof. Claudia Schmidtke. Von der CDU-Politikerin wurde die Handynummer bekannt. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Gabriele Hiller-Ohm aus Lübeck blieb von dem Hackerangriff verschont.

„Informiert wurde ich leider lediglich durch die Pressemeldung, von offiziellen Stellen hat sich niemand an mich gewandt“, bestätigt Schmidtke den Hackerangriff. „Als die Presseberichte begannen, habe ich den Twitter-Account, von dem die Veröffentlichungen ausgingen, gesucht und gefunden. Er war immer noch offen und nicht gesperrt, das hat mich dann schon sehr geärgert.“ Im Laufe des Tages sei sie von ihrer Fraktion per SMS informiert worden. Vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnologie (BSI) sei sie später per E-Mail über den Vorgang in Kenntnis gesetzt worden.

Kommunalpolitiker fordern besseren Schutz

„Ich gehe davon aus, dass meine Handynummer nicht über einen Hack in meinen Konten, sondern in dem Telefonbuch eines anderen Abgeordneten gefunden wurde“, berichtet Schmidtke, „meine Passwörter sind sicher, ich nutze zudem selbstverständlich die Zwei-Faktor-Authentifizierung, also die Absicherung des Logins, zum Beispiel per SMS-Code auf ein zweites Gerät.“ Die CDU-Politikerin hofft, „dass durch die Vorkommnisse nicht nur Abgeordnete, sondern auch die breite Öffentlichkeit für das Thema Cybersicherheit sensibilisiert wird und künftig mehr Menschen Schutzmaßnahmen ergreifen“.

Der großangelegte Hackerangriff auf Politiker und Journalisten sei nicht nur ein Skandal, der einer sorgfältigen Aufklärung und strafrechtlicher Aufarbeitung bedarf, sagen Carsten Grohmann (CDU) und Axel Flasbarth (SPD) in einer gemeinsamen Erklärung: „Er ist auch ein Alarmsignal, das einen deutlich zu laxen Umgang mit Datensicherheit auf allen Ebenen aufzeigt.“ Der Gesetzgeber, die Sicherheitsbehörden, die Anbieter von sozialen Netzwerken, aber auch die Nutzer selbst seien gefordert, mehr zu tun.

SPD-Kommunalpolitiker kritisiert Bundesinnenministerium

Vollständige Datensicherheit könne es nicht geben, sagt der SPD-Wirtschafts- und Finanzpolitiker Flasbarth, der aber eine „Art Produkthaftung für Internetanbieter“ fordert. Flasbarth kritisiert auch die Arbeit der Sicherheitsbehörden: „Dass das Bundesministerium erst jetzt reagiert, obwohl die geleakten Daten bereits seit Mitte Dezember über Twitter verbreitet wurden, ist nicht hinnehmbar.“

„Die jüngsten Hackerangriffe machen schmerzlich sichtbar, dass wir beim Thema Digitalisierung und Datenschutz einen weiten Weg vor uns haben“, sagt der wissenschaftspolitische Sprecher der Lübecker FDP, Daniel Kerlin. Die Liberalen setzen große Hoffnungen auf das Institut für IT-Sicherheit und den Studiengang IT-Sicherheit an der Universität zu Lübeck. „Damit nimmt sich die Universität aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen an“, sagt Kerlin.

FDP fordert Datenschutz als Unterrichtsfach

Aber die Liberalen gehen noch weiter. „Was mit den eigenen Daten geschieht und wie man sie schützen kann, sehen wir als Allgemeinbildung an“, erklärt Kerlin, „diese sollte in den Schulen im Rahmen des Unterrichts vermittelt werden.“ Dafür würden die Schulen eine bessere Infrastruktur, die Lehrkräfte notwendige Weiterbildung und die Schüler die mobilen Endgeräte benötigen. Kerlin und seine Fraktionskollegin Kim Carolin Nehrhoff: „Wir dürfen in Lübeck bei diesem Thema keine Zeit mehr verlieren und müssen die Investitionen in die Schulen mit Priorität voranbringen.“

Die CDU-Bundestagsabgeordnete Schmidtke rät zu sicheren Passwörtern und zur Zwei-Faktor-Authentifizierung. Die Politikerin: „Letzteres muss jedoch auch von den Plattformen angeboten werden. Wer das nicht tut, bei dem würde ich nicht Kundin werden.“

Kai Dordowsky

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