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Lübeck Häuser werden immer teurer: Platzt die Immobilienblase?
Lokales Lübeck Häuser werden immer teurer: Platzt die Immobilienblase?
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17:57 10.08.2016
Auch in Lübeck sind die Preise für 1-a-Lagen durch die Decke gegangen. Begehrt seien vor allem Altstadthäuser, teilt Engel&Völkers mit.  Quelle: Lutz Roessler

Die Preise für Häuser und Wohnungen würden sich zunehmend von Angebot und Nachfrage abkoppeln, warnt die Commerzbank in ihrem jüngsten Marktbericht. Immobilien verteuerten sich weiter, während Zinsen nicht weiter fallen könnten. Erste Analysten befürchten, dass der Bau- und Kaufrausch im Desaster endet. Platzt die Blase, könnten Immobilien nur noch mit Verlust verkauft werden. Zu den Mahnern gehört auch die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), die einst als eine der wenigen den Kollaps am US-Immobilienmarkt vorhergesehen hatte.

„Eine Eigentumswohnung in begehrter Gegend als Wertanlage zu kaufen, kann inzwischen gefährlich sein“, warnt Michael Herte von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Es gebe Regionen im Norden, in denen Immobilienpreise unrealistisch werden, der Kauf eines Hauses selbst für Besserverdiener unerschwinglich sei. Die Verbraucherzentrale rät Kaufinteressenten dringend zu einer Beratung, denn: „Betongold gibt es nicht.“ Für den LN-Kolumnisten und Börsenexperten Frank Meyer ist schwer einzuschätzen, „ob wir ein Bläschen haben oder schon eine Blase“. So lange Geld billig ist, werde die Blase aber weiter wachsen, eine Gefahr.

Der Preis, der von einem Käufer für eine neue Eigentumswohnung hingeblättert werden muss, hat in Großstädten inzwischen das 25- bis 30-fache dessen erreicht, was der Vermieter an einer Jahresmiete erwarten kann. In Hamburg müssen Käufer für eine 100-Quadratmeter- Wohnung mittlerweile zehn Netto-Jahreseinkommen eines Durchschnittsverdieners hinlegen. Auch in Lübeck sind die Preise für 1-a-Lagen durch die Decke gegangen. Begehrt seien vor allem Altstadthäuser, teilt Engel & Völkers mit. Immobilien mit gerade mal 120 Quadratmetern Wohnfläche werden nach Angaben der Landesbausparkasse (LBS) für knapp eine halbe Million Euro verkauft. An der Küste zahlten Investoren für ein Grundstück mit Seeblick bis zu 2000 Euro pro Quadratmeter, sagt Immobilienmaklerin Annegret Möllerherm. In Stormarn, das viele Hamburger Pendler beherbergt, wird Baugrund knapp. In Reinfeld sind Grundstücke in einem Jahr um ein Fünftel teurer geworden. Selbst für Gebrauchtimmobilien würden „exorbitante Preise“ bezahlt, berichtet ein Makler aus Bad Oldesloe.

Regionale Kreditinstitute wie die Sparkasse Lübeck sehen die Situation entspannter. In ausgewählten Lagen könne der deutliche Preisanstieg in den nächsten Jahren zwar dazu führen, dass „keine nennenswerte Wertsteigerung mehr“ erzielt wird. „Eine Immobilienblase ist für Lübeck aber nicht zu erkennen“, beruhigt Vorstand Oliver Saggau.

10 000 Euro je Quadratmeter

Dank der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) ist der bundesdeutsche Immobilienmarkt weiter auf Rekordkurs. Im vergangenen Jahr durchbrach der Umsatz der Branche erstmals die Marke von 200 Milliarden Euro. In Berlin, Hamburg und München sind die Preise in den vergangenen fünf Jahren um über 30 Prozent gestiegen. Spitzenreiter ist München. Dort kostet jeder Quadratmeter einer Eigentumswohnung im Schnitt 6490 Euro. In Hamburg sind es 3880 Euro (Quelle: JLL). An der Ostseeküste werden in Spitzenlage knapp 10 000 Euro bezahlt. 

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