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Hafenarbeiter sagen Nein: Rettung der LHG gescheitert

Lübeck Hafenarbeiter sagen Nein: Rettung der LHG gescheitert

Paukenschlag im Hafen: Die Hafenarbeiter sagen Nein zum Sanierungstarifvertrag. Damit ist die Rettung der angeschlagenen Lübecker Hafen-Gesellschaft (LHG) in letzter Minute gescheitert. Bis Ende 2020 sollten Stadt und Hafenarbeiter jeweils auf 17 Millionen Euro verzichten.

Quelle: Jan Dresing/LN Archiv

Lübeck . „Die Belegschaft hat jeden Sinn für die Realität verloren“, schimpft LHG-Aufsichtsratschef Uwe Lüders. Er sei „geschockt und maßlos enttäuscht“ von der Abstimmung der Hafenarbeiter. Denn die haben mit 75 Prozent den Tarifvertrag zur Sanierung der LHG abgelehnt – und damit das Rettungspaket scheitern lassen. Die Abstimmung lief bis Donnerstagabend. Am Freitag sollte unterschrieben werden. Lüders: „Das ist die letzte Chance.“

Kommentar: Die Hafenarbeiter riskieren alles

Ein bisschen Michail Gorbatschow würde dem Lübecker Hafen gut tun. „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“ Das war seine Mahnung an die DDR 1989. Sie sollte die Realität nicht ausblenden. Ein Jahr später gab es das Land nicht mehr. Die Beschäftigten der Lübecker Hafen-Gesellschaft (LHG) sind kurz davor, dasselbe Schicksal zu erleben. Sie wollen keine flexiblen Arbeitszeiten – und Minderheitsgesellschafter Rreef ist an allem schuld. Zwei Argumente, die aus der Zeit gefallen sind.Vor zehn Jahren ist Rreef in das städtische Unternehmen eingestiegen. Das mag man gut oder schlecht finden, aber das ist die Realität. Nach einem Jahrzehnt muss man sie anerkennen, Nostalgie hilft da nicht weiter. Und die LHG ist nicht das erste Unternehmen, in das sich jemand eingekauft hat. Das gehört zum 21. Jahrhundert. Genauso wie flexibel zu arbeiten. Das bedeutet auch, dass weniger Menschen gebraucht werden. Das ist Teil der heutigen Arbeitswelt. Die allermeisten Lübecker arbeiten genauso. Daher ist es kein exotischer Wunsch, den die LHG-Beschäftigten da erfüllen sollen.
Dass die Hafenarbeiter dabei versuchen, das Beste für sich rauszuholen, ist doch klar. Das würde jeder machen – und das ist auch richtig. Die Kunst ist dabei, zu erkennen, wann man überdreht hat. Und die Hafenarbeiter sind an dem Punkt, an dem sie jede Unterstützung verlieren könnten. Sie riskieren alles. Wenn die LHG bei diesem Kurs der Beschäftigten Jobs im Hafen einstampft, wird ihnen kaum noch jemand zur Hilfe eilen.

Hintergrund: Im April 2017 stimmte die Gewerkschaft Ver.di einem Eckpunktepapier zu. Die Stadt verzichtet auf 17 Millionen Euro Pacht. Im Juni gab die Bürgerschaft ihr Okay. Im Gegenzug sollten die LHG-Beschäftigten auf 17 Millionen Euro Lohn verzichten. Das Ganze wurde im Tarifvertrag festgezurrt. Den lehnten die Hafenarbeiter jetzt ab – obwohl Ver.di und Betriebsrat ein Ja empfohlen hatten. „Die Tarifkommission empfiehlt einstimmig die Annahme“, heißt es in einem Ver.di-Schreiben vom 5. Oktober an die Mitglieder.

Die Erklärung von Ver.di-Fachbereichsleiter Karl-Heinz Pliete: „Neben den erheblichen Einschnitten beim Lohn führte vor allem die unbefristete Flexibilisierung der Arbeitszeit zur Ablehnung.“ Sie soll nicht nur bis Ende 2020 gelten, sondern dauerhaft. Das bedeute weniger Lohn und weniger Jobs. Zudem habe keine Betriebsvereinbarung über Arbeitszeit-Regeln vorgelegen. Ver.di-Bezirkschefin Berith Jordan sagt: „Der Minderheitsgesellschafter Rreef blockiert notwendige Investitionen.“

Die beiden Gesellschafter – Stadt und Rreef – fühlen sich vor den Kopf gestoßen. „An uns scheitert es nicht“, stellt Georg Kulenkampff klar, Rreef-Vertreter im LHG Aufsichsrat. Er habe sowohl dem Tarifvertrag zugestimmt als auch Investitionen. Bürgermeister Bernd Saxe (SPD): „Die Folgen einer Nicht-Unterzeichnung können das Unternehmen in eine existenzbedrohende Situation bringen.“

Die Stadt sei bereit, auf 17 Millionen Euro Pacht zu verzichten und 800 000 Euro für die Arbeiter des insolventen Hafenbetriebsvereins (HBV) als Abfindung zu zahlen. Aber nur, wenn die Beschäftigten das Tarifwerk absegnen. Saxe warnt: „Es ist nicht auszuschließen, dass Kunden ihre Geschäftsbeziehung zum Hafen überdenken.“ Nach LN-Information gibt es einen Papier-Kunden, der vom Nordlandkai an den Skandinavienkai ziehen möchte. Dazu ist eine 16 Millionen Euro Investition vonnöten. Doch wenn die LHG ihre Probleme nicht in den Griff bekommt, kann der Umzug scheitern.

LHG-Chef Sebastian Jürgens will das Gesamtpaket retten. „Der Ball liegt bei der Gewerkschaft. Sie hat signalisiert, wieder Gespräche aufzunehmen.

Von Josephine von Zastrow

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