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Lübeck Hafenstraßenbrand: Stilles Gedenken
Lokales Lübeck Hafenstraßenbrand: Stilles Gedenken
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16:20 14.01.2016
Gedenken an die Opfer der Brandkatastrophe an der Hafenstraße: Die Senatoren Bernd Möller (l.) und Sven Schindler legen am Mahnmal Blumenkränze nieder. Zehn Menschen fanden 1996 in dem Asylbewerberheim den Tod. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
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„Ich bin sehr froh, dass heute so viele Menschen gekommen sind und Anteil nehmen“, sagte Innensenator Bernd Möller (Grüne). Nachdem am Vortag rund 4500 Menschen in der Innenstadt auf die Straße gegangen waren, um an den Anschlag zu erinnern und ihre Solidarität für Flüchtlinge zu zeigen, war die Kranzniederlegung ein eher stiller Moment.

Drei Erwachsene und sieben Kinder und Jugendliche aus Afrika und dem Nahen Osten verloren in der Nacht vom 17. auf den 18. Januar 1996 ihr Leben, 38 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt und traumatisiert. Die Tat wurde bis heute nicht aufgeklärt. Es steht nicht fest, wie und wo das Feuer ausgebrochen ist und wer den Brand gelegt hat. Das Haus in der Hafenstraße ist inzwischen abgerissen worden. Heute erinnert ein Gedenkstein an die Tat.

„Es ist ein angemessener Rahmen zum Erinnern und Gedenken“, sagte Möller über das neu gestaltete Mahnmal, das nun in der Grünanlage an der Konstinstraße steht, gegenüber dem ehemaligen Standort des Asylbewerberheims. Nach dem Gedenken seien jetzt aber Konzepte gefordert, sagte Möller und sprach die aktuelle Lage und Stimmung in Europa und Deutschland an. Doch er erinnerte auch an die Geschehnisse der Brandnacht. „Viele, die damals hier waren und geholfen haben, sind immer noch traumatisiert.“

Über 600 Asylbewerber seien im vergangenen Jahr in die Hansestadt gekommen, rund 1000 würden noch folgen, rechnete Sozialsenator Sven Schindler (SPD) vor. „Wir dürfen nicht vergessen, dass hinter jeder Zahl ein Mensch steckt“, sagte er. Es seien Menschen dabei, die sich auf der Flucht in Lebensgefahr gebracht hätten und nun Schutz suchten. „Wir haben die Möglichkeit und Pflicht, ihnen zu helfen.“ Den Lübeckern attestierte er dabei große Hilfsbereitschaft. „Lübeck ist weltoffen“, sagte Schindler.

Für den ehemaligen Senator Volker Kaske birgt der 18. Januar 1996 immer noch eine traumatische Erinnerung. Er war in der Brandnacht vor Ort. „Ich bekam nachts einen Anruf, dass es an der Hafenstraße brennt und bin sofort hierher gefahren“, erinnerte er sich. Gemeinsam mit dem damaligen Bürgermeister Michael Bouteiller hatte er vor dem brennenden Gebäude gestanden und konnte nur hilflos zusehen. „Das war eine furchtbare Nacht, ich habe die Bilder davon noch vor Augen.“

„Ich finde es außergewöhnlich bewegend und bin sehr überrascht, dass so viele hier sind“, sagte Michael Bouteiller. Doch er fand auch deutliche Worte: Es werde immer noch zu wenig getan. Gleichzeitig vermisst er eine bessere Politik in Europa. „Es kann uns nicht gut gehen, wenn im Mittelmeer tausende Menschen auf der Flucht nach Europa ertrinken.“

Majka Gerke

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