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Lübeck Hafenwirtschaft wünscht sich eine tiefere Trave
Lokales Lübeck Hafenwirtschaft wünscht sich eine tiefere Trave
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21:45 30.08.2016
Der Containerfrachter „Solong“ auf dem Weg Richtung Ostsee: Bis 2030 erwarten Experten größere Schiffe auch auf der Trave. Quelle: Wolfgang Maxwitat

Die Trave müsse um einen Meter vertieft werden, damit die nächste Generation von Containerschiffen mittel- und langfristig den Fluss hochfahren und zu den Stadthäfen gelangen kann. Diese Forderung erhebt der private Hafenbetreiber Holger Lehmann – und er steht damit nicht allein. Fachkundige vom Wasser- und Schifffahrtsamt, der städtischen Hafenbehörde oder des größten Hafenbetreibers LHG bestätigen, dass diese Forderung sinnvoll ist.

Die nächste Generation von Schiffen hat mehr Tiefgang – Zwischen Skandinavienkai und Vorwerker Hafen fehlt ein Meter – Häfen in Rostock und Wismar werden ausgebaut.

„Die neuen Containerschiffe, die jetzt bestellt und auf Kiel gelegt werden, sind deutlich größer“, erklärt Holger Lehmann. Statt 800 Container fassen sie 1400. „Voll beladen können diese Schiffe nicht die Trave hochfahren“, erklärt der Hafenbetreiber und Reeder. „Diese neuen Schiffe haben über neun Meter Tiefgang.“ Rechne man den Sicherheitsabstand von 80 Zentimetern unter dem Kiel hinzu, sei die Trave mit 9,50 Metern zwischen Skandinavienkai und Vorwerker Hafen zu flach.

Eine Reederei, die diesen neuen Schiffsytyp bestellt hat, ist die finnische Containerships, die seit drei Jahren am Cargo-Terminal Lehmann umschlägt. „Wenn wir eine Entscheidung treffen, auch diese Schiffe nach Lübeck laufen zu lassen, könnte es eng beziehungsweise nicht möglich sein, die Trave zu passieren und das CTL-Terminal anzulaufen“, erklärt Geschäftsführer Mikko Juelich. „Um Lübeck auch weiter wettbewerbsfähig zu halten, wäre diese Erweiterung der Tiefe auf der Trave ein wichtiges Mittel.“ Die Lübecker Hafen-Gesellschaft (LHG) sieht aktuell zwar keine Notwendigkeit für eine tiefere Trave, blickt aber in die Zukunft. „Im Rahmen der Hafenentwicklung, des prognostizierten Mengenwachstums und vor dem Hintergrund der voraussichtlichen Schiffsgrößenentwicklung wird mittel- und langfristig die Notwendigkeit für eine Vertiefung der Trave bis in die Stadthäfen erwartet“, sagt Felix Klingbiel von der LHG.

„Lübeck steht vor einer Weichenstellung“, erklärt Lehmann. Konkurrierende Häfen wie Rostock und Wismar würden ausbauen. Laut Bundesverkehrswegeplan 2030 will der Bund zusammen 150 Millionen Euro in die Vertiefung der Fahrrinnen in Wismar und Rostock investieren. So weit ist Lübeck noch lange nicht. Erste Unternehmen wie Lehmann haben bei der städtischen Hafenbehörde LPA vorgefühlt. „Wir kennen diese Überlegungen“, bestätigt Bereichsleiter Hans-Wolfgang Wiese. „Aus unserer Sicht ist die Vertiefung sinnvoll – wir müssen etwas machen.“ Eigentümer der Wasserstraße sei allerdings der Bund, vertreten durch die Wasser- und Schifffahrtsämter.

„Der Wunsch der Hafenwirtschaft ist verständlich und nachvollziehbar“, erklärt Henning Dierken, Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Lübeck, „das Anliegen kommt aber ein bisschen spät.“ Denn der Bund bearbeite gerade den Bundesverkehrswegeplan 2030. Nur über den ließe sich die Baumaßnahme, deren Kosten keiner der Fachleute sich zu schätzen traut, finanzieren. Eine Vertiefung bis zum Vorwerker Hafen hält Dierken für schwierig, weil sie sehr teuer würde und genug große Schiffe unterwegs sein müssten. Dierken: „Das Land muss den Ausbau beim Bundesverkehrsministerium beantragen.“

Das Kieler Verkehrsministerium aber kennt das Thema noch gar nicht. „Die Vertiefung der Trave ist noch nicht an uns herangetragen worden“, sagt eine Sprecherin.

Auch Umweltverbände wie der Landschaftspflegeverein Dummersdorfer Ufer haben von solchen Forderungen noch nie gehört. „Durch eine tiefere und breitere Fahrrinne dringt mehr Salzwasser in die Trave“, nennt Geschäftsführer Matthias Braun mögliche Konsequenzen, „Muschelriffe zwischen Stülper Huk und der Südspitze des Priwalls könnten abrutschen.“

Schiffe werden größer

10,50 Meter ist die Trave von der Mündung bis zum Skandinavienkai tief. Von da an ist der Fluss nach Angaben der Hafenbehörde LPA 9,50 Meter tief. Alle paar Jahre wird die Trave ausgebaggert, um die angegebenen Tiefen zu halten.

Eine überproportionale Zunahme bei den Schiffsgrößen erwartet der Gutachter Baltic Marine Consult aus Rostock für alle Schiffstypen bis 2030.

 Kai Dordowsky

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