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Lübeck Haftstrafe für Geldautomaten-Knacker
Lokales Lübeck Haftstrafe für Geldautomaten-Knacker
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17:39 07.02.2018
Der Prozess fand im Amtsgericht in Lübeck statt.  Quelle: dpa (Symbolbild)
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Der Angeklagte liest am zweiten Prozesstag stockend das Geständnis vor, das ihm sein Verteidiger reicht. Nervös presst er seine Finger immer wieder gegen die Stirn. „Da waren diese Gedanken an meine Familie“, sagt er stockend. Nach einigen Sätzen bricht er ab und beginnt von vorne. Das Geständnis des Angeklagten ist Teil einer Vereinbarung, die Richter Jobst-Rüdiger Puchert und seine Schöffen mit dem Verteidiger Christian Schumacher, dem Staatsanwalt Kai-Uwe Bergfeld und Jan B. selbst getroffen haben. Die Strafe soll zwischen einem Jahr und sieben Monaten und zwei Jahren liegen, wenn Jan B. alle angeklagten Taten einräumt.

Der 40-Jährige bestätigt deshalb kurz und knapp, dass er in fünf Nächten versucht habe, an das Geld in den Automaten verschiedener Banken zu kommen, immer vergeblich. Außerdem habe er unter falschem Namen einen Lagerraum an der Lohmühle angemietet, um dort sein Einbruchs-Werkzeug zu verstauen. „Ich habe mir immer erst einen Überblick verschafft, um mich zu vergewissern, welches Werkzeug ich genau brauche“, erzählt Jan B. von den Taten.

Zuvor hatte er ausgerechnet, wie lange die Anfahrt von der nächstgelegenen Polizeistation bei bestimmten Geschwindigkeiten dauern würde. Auf einem Zettel hat er zudem akribisch Informationen über rund 60 Banken zusammengetragen und sich eine eigene Bewertungsskala angelegt. Als dieser Zettel beschlagnahmt wurde, waren zwei Banken mit gelbem Textmarker markiert. Unter anderem die Filiale der Deutschen Bank in Schlutup – Jan B. war auf dem Weg dorthin, als er gestoppt wurde. Weil er mitten in der Nacht auf dem Parkplatz einer Kleingartenanlage anhielt, wurde eine Zivilstreife stutzig. Als die Beamten bemerkten, dass Jan B. Neoprenschuhe trug, die er mittels Klebeband mit seiner Hose verbunden hatte, kontrollierten sie den Kofferraum. Dort lag unter anderem einen Seesack mit einer Brennergarnitur und diverses Werkzeug. Zu diesem Zeitpunkt wurde der Angeklagte bereits tagelang observiert. „Die Kontrolle war also ein reiner Zufall“, sagt Richter Jobst-Rüdiger Puchert.

Denn Jan B. war längst in den Fokus der Ermittler des Landeskriminalamts gerückt. Ein Detail hat die Beamten auf die Spur des gebürtigen Schleswigers geführt. „Wir haben in der Sparkasse in Mölln festgestellt, dass neben den Videokameras auch die Deckenbeleuchtung mit weißer Farbe besprüht war“, berichtet der ermittelnde Kriminalhauptkommissar. „Bundesweit war mir nur ein vergleichbarer Fall bekannt. Bei einer ähnlichen Tat in Schleswig wurde ebenfalls grundlos die Lampe besprüht.“ Und es gibt eine weiter Parallele: In beiden Fällen trug der Täter eine menschliche Maske vor dem Gesicht, darüber eine Brille. Schnell stellte sich heraus, dass Jan B. schon 2015 in Flensburg wegen vergleichbarer Taten zu einer Haftstrafe verurteilt wurde. 2016 wurde er vorzeitig auf Bewährung entlassen. Das Bizarre: Zu diesem Zeitpunkt erhielt Jan B. sein komplettes Einbruchswerkzeug und alle Notizen über Sprengstoffherstellung und Bankfilialen zurück. „Bei den Taten aus dem Jahr 2017 benutzte er dieselbe Maske wie damals in Schleswig“, sagt der Kriminalhauptkommissar.

Der Angeklagte selbst erklärt sich die Taten mit seinem Drogenkonsum. „Ich wollte, dass meine Familie stolz auf mich ist und gleichzeitig ein gewisses Ansehen haben. Die Drogen haben mich euphorisch gemacht.“ Seine Frau hat der 40-Jährige in Indonesien kennengelernt, als er nach dem Studium dort arbeitete. Doch beruflich klappte es nicht, die Familie kam zurück nach Deutschland. Zwei Töchter hat das Paar mittlerweile. In der JVA will Jan B. nun eine Drogentherapie machen. Weil er gegen die Bewährungsauflage verstoßen hat, dürfte sich seine Haftstrafe verlängern. Die beschlagnahmten Gegenstände, die die Staatsanwalt Bergfeld als „komplettes Warenlager eines Baumarkts“ bezeichnet, wurden eingezogen. Maike Wegner

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