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Lübeck „Hai-Alarm“ in der Lübecker Bucht
Lokales Lübeck „Hai-Alarm“ in der Lübecker Bucht
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20:59 02.01.2015
Neugierig beäugt der kleine Katzenhai die Besucher der Ostseestation auf dem Priwall. Das Weibchen ist etwa 60 Zentimeter lang und vermutlich zehn Jahre alt. Quelle: Fotos: Lutz Roeßler
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Travemünde

Die Ostseestation hat eine weitere Attraktion. Nach dem Kanada-Hummer (die LN berichteten) ist auf dem Priwall nun ein neuer exotischer Meeresbewohner zu Gast.

Meeresbiologe Thorsten Walter beherbergt seit dem 21. Dezember einen Katzenhai. Der Raubfisch ist dem Travemünder Fischer Siegfried Sehmel vor dem Brodtener Ufer ins Netz gegangen. „Ich habe einen Hai gefangen“, hatte sich der Fischer aufgeregt bei Thorsten Walter, der auf dem Priwall die Ostseestation leitet, gemeldet.

Eine kleine Sensation. Denn ein Katzenhai wurde zuvor nach Wissen des Experten in der Lübecker Bucht noch nie gesichtet. Die Besucher der Meeresstation haben jetzt die Gelegenheit, das Tier hautnah zu erleben. „Der Hai fühlt sich sandig und etwas glitschig an“, sagt die achtjährige Svea Fisler aus Panten bei Nusse, die am Neujahrstag mit ihren Eltern die Ostseestation besucht. Thorsten Walter hat den Hai aus seinem Becken geholt und Svea traut sich sogar, ihn mit beiden Händen zu halten. Neugierig schauen sich das Mädchen und der Hai an, der dabei ganz entspannt wirkt. Dann darf er wieder zurück in sein Becken.

Der grau gepunktete Fisch ist ein Weibchen, knapp 60 Zentimeter lang und vermutlich zehn Jahre alt, hat Walter festgestellt. Er schätzt, dass er aus dänischen Gewässern stammt. Ende vergangenen Jahres wurde das Wasser der Ostsee durch starke Süd- und Südwestwinde Richtung Schweden und Finnland gedrückt. Dadurch ist eine große Menge Salzwasser aus der Nordsee über das Skagerrak und das Kattegat nachgeflossen. „Das hat eine Menge Nordseebewohner in die Ostsee gespült, die bei uns normalerweise nicht vorkommen, darunter vermutlich auch den Katzenhai“, sagt Walter, der nun gespannt ist, was den Fischern in nächster Zeit noch so alles in ihre Netze geht. Vor Rügen und Poel wurden bereits ein Mondfisch und ein Dornhai gefangen, die dort ebenfalls nicht beheimatet sind.

Wer den Katzenhai noch sehen will, muss sich allerdings beeilen. „Wir haben hier nicht die optimalen Bedingungen für so ein Tier“, sagt Thorsten Walter. Deshalb werden wir versuchen, den Hai an ein größeres Aquarium, wie zum Beispiel in Kiel, zu vermitteln. Bis dahin wird er aber neben dem kleinen Hummer vom Priwall der Star in der Ostseestation sein. Aber auch sonst erfahren Besucher bei den Führungen viele interessante Dinge über die Bewohner der Ostsee — von den Quallen bis zum Seehasen.

Blick in die Ostsee
Die Ostseestation (Am Priwallhafen 10) ist in den Wintermonaten donnerstags bis sonntags von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet sechs, ermäßigt vier Euro.
Zahlreiche Katzenhaie
Bei dem Lübecker Exemplar handelt es sich um einen Kleingefleckten Katzenhai (Scyliorhinus canicula). Er lebt normalerweise im Mittelmeer, in der Nordsee und an der Westküste Nordafrikas am Meeresgrund in bis zu 150 Metern Tiefe. Er kann bis zu einem Meter lang und zehn Jahre alt werden.


Der Name stammt von den Flecken auf der sandpapierartigen Haut und den katzenartigen Augen. Katzenhaie sind zahlreich. Deshalb werden sie auch nicht in der Roten Liste der gefährdeten Arten geführt. Zur Beute gehören Garnelen, Krebse, Würmer, kleine Fische und Schnecken.
„Der Hai fühlt sich sandig und glitschig an.“
Svea (8) aus Panten

Heiko Pump

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