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20:12 08.04.2016
Mit viel Geschick und Fachwissen entfernt Angelika Hoch in ihrer Werkstatt, die voller Materialien für die Schuh- und Taschenreparatur ist, abgelaufene Absätze. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat

„Ach Gott, der lebt ja auch noch.“ Angelika Hoch guckt sich die Stiefelette an, die Anja Jäger ihr an diesem Tag zur Reparatur bringt, und fragt, was sie denn da wieder gemacht habe. „Geklebt mit Uhu“, räumt Anja Jäger (50) ein, die seit vielen Jahren sämtliche Schuhe zu der Schuhmachermeisterin im Töpferweg bringt, auch wenn sie inzwischen nicht mehr im Stadtteil lebt, sondern in St. Jürgen. „Perfekt, preiswert — und man trifft hier immer wieder Bekannte, mit denen man klönen kann“, begründet die Kundin, warum sie der 60-jährigen Schuhmachermeisterin die Treue hält. Die Türglocke geht oft an diesem Tag, zeitweise wird‘s richtig eng in dem kleinen Laden, der alles Denkbare an Zubehör bietet. Etwa 30 Quadratmeter inklusive Werkstatt stehen Angelika Hoch zur Verfügung. „Zu klein, um Praktikanten oder Auszubildende unterzubringen.“

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Mit viel Geschick und Fachwissen entfernt Angelika Hoch in ihrer Werkstatt, die voller Materialien für die Schuh- und Taschenreparatur ist, abgelaufene Absätze.

„Ich könnte mir nicht vorstellen, etwas anderes

zu machen.“Angelika Hoch

Ihren Beruf liebt die zierliche Schuhmacherin über alles. „Ich war schon als Schulkind mehr bei Papa in der Werkstatt als bei Mama in der Küche.“ Trotzdem ging sie nach der Schule zur Bahn, „denn Schuhmacher, hieß es damals, sei kein Beruf für Mädchen“. Sieben Jahre blieb sie bei der Bundesbahn, dann wechselte sie doch ins Handwerk, machte die Ausbildung und arbeitete mit Vater Kurt zusammen in der Meierstraße. „Es hat Spaß gemacht“, erzählt sie. Nur leider wurde ihr Vater krank, sie beantragte die vorgezogene Meisterprüfung, machte ihren Meister 1987 und übernahm die Werkstatt. 1991 zog Angelika Hoch in den Töpferweg.

Anfangs, erzählt sie, hätte sie als Frau einige Probleme mit der Akzeptanz gehabt. „Da wurde ich dann angesprochen, wo denn der Chef sei oder ob man den Meister sprechen könne. „Der Meister steht vor Ihnen“, habe sie dann gesagt. Relativ schnell hätten sich diese Anfangsschwierigkeiten gelegt. Inzwischen tauscht sich Lübecks einzige Schuhmachermeisterin regelmäßig mit ihren Kollegen aus, mit Ulrich Finck aus Ahrensbök teilt sie sich größere Materialbestellungen.

Und wieder geht die Türklingel. „Ich wollt‘ des Kaisers neue Schuhe abholen“, ruft fröhlich ein älterer Kunde. Angelika Hoch weiß sofort, welche Schuhe er meint, holt sie aus dem Regal und rechnet mit dem Kaiser ab. Die nächste Kundin hat sich die Schuhe eine halbe Nummer zu groß gekauft — die Meisterin weiß Abhilfe. Sie bekommt so ziemlich alles hin. „Und was ich nicht kann, das gebe ich an den Täschner, der hat die schönere Nähmaschine.“

Tagein, tagaus sitzt Angelika Hoch in ihrer Werkstatt oder steht hinter der Ladentheke. „Zum Leben reicht es aus, wenn man keine hohen Ansprüche stellt.“ Vergangenes Jahr hat die 60-Jährige erstmals Urlaub gemacht: eine Woche Rügen. Dass Leim und Lösungsmittel in ihrer Werkstatt den Atemwegen nicht gerade zuträglich sind, dass die körperliche Arbeit sie bisweilen doch stark erschöpft, mindert nicht die Freude am Beruf: Er sei abwechslungsreich. „Man kriegt immer die neueste Mode mit und hat viele nette Gespräche.“

Sie bereut nicht, sich für den Beruf ihres Vaters entschieden zu haben. „Ich könnte mir nicht vorstellen, etwas anderes zu machen.“ Aber: „Ich habe mir schon öfter gesagt, dass es schön wäre, selbst Maßschuhe anzufertigen.“ Seit ihrem Meisterstück — einem Slipper aus schwarzem Boxcalf-Leder — hat sie keinen kompletten Schuh mehr gefertigt, denn dafür fehlt einfach die Zeit. Wie aufs Stichwort geht erneut die Türklingel.

Von Sabine Risch

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