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Lübeck „Hans im Glück“ und „Peter Pane“ beenden Burgerkampf
Lokales Lübeck „Hans im Glück“ und „Peter Pane“ beenden Burgerkampf
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16:00 08.11.2018
Mitarbeiterin Annika Schlecht mit einem Burger-Menü bei „Peter Pane“ in der Breiten Straße in Lübeck. Quelle: Foto: 54° / John Garve
Lübeck/München

Ist die Inneneinrichtung zu ähnlich? War die Kündigung des Franchise-Vertrags rechtmäßig? Drei Jahre lang hatten sich die Edelburger-Ketten „Hans im Glück“ Franchise GmbH aus München und die Paniceus Gastro Systemzentrale GmbH („Peter Pane“) aus Lübeck vor Gericht gestritten. Mehrere Prozesse beschäftigten sich mit Schadenersatzforderungen und Markenschutz. Die außergerichtliche Einigung, die beide am Mittwoch verkündeten, kommt völlig überraschend. Eigentlich wollte das Oberlandesgericht München am Donnerstag sein Urteil über die Berufungsklage des Lübecker „Peter Pane“-Betreibers Patrick Junge gegen „Hans im Glück“ verkünden, doch die Unternehmen kamen diesem Termin zuvor. Mit Zustimmung ihrer Gesellschafter hätten sie „alle Rechtsstreitigkeiten einvernehmlich beigelegt“, hieß es in zwei fast wortgleichen Erklärungen der Betreiber. Offene Forderungen gebe es nach dieser Einigung nicht mehr.

Dieser außergerichtliche Vergleich sei eine „faire, einvernehmliche Lösung für beide Unternehmen“, schrieb „Hans im Glück“. Über den Inhalt hätten beide Parteien Stillschweigen vereinbart, auch auf Nachfrage gab es keinen weiteren Kommentar. Die Verhandlungen seien aber „beiderseits sehr kooperativ und auf Augenhöhe“ geführt worden, hieß es.

„Peter Pane“ gehört dem Lübecker Patrick Junge

Hinter „Peter Pane“ steht Patrick Junge, der aus der Lübecker Bäckereifamilie Junge stammt, die etwa 190 Bäckereifilialen betreibt. Patrick Junge war ursprünglich Franchisenehmer von „Hans im Glück“, bis das Münchner Unternehmen den Vertrag im Herbst 2015 kündigte. Anschließend benannte Junge seine damals zwölf Restaurants im Norden in „Peter Pane“ um. Gestritten wurde vor Gericht um die Kündigung ebenso wie um die Einrichtung der Burger-Restaurants. „Hans im Glück“ hatte seine Läden mit Birkenstämmen zwischen den Tischen dekoriert und monierte anschließend, die „Peter Pane“-Restaurants würden zu ähnlich aussehen. In der ersten Instanz hatte die Paniceus Gastro Systemzentrale GmbH von Patrick Junge verloren.

Beide Burger-Ketten auf Expansionskurs

Ungeachtet des langen Rechtsstreits haben sich beide Burger-Ketten weiter ausgebreitet. „Peter Pane“ gibt es mittlerweile an 27 Standorten in Deutschland und in Österreichs Hauptstadt Wien. Hatte sich „Peter Pane“ zunächst vor allem auf den Norden und Osten Deutschlands konzentriert, eröffnete Junge auch ein Restaurant an der Leopoldstraße im Herzen Münchens, der Heimat der „Hans im Glück“-Gruppe, sowie in Augsburg und Leipzig. Ende November kommt ein Restaurant in Kassel dazu, im kommenden Jahr sollen sieben weitere folgen sowie die Eröffnung der „Peter-Pane“-Akademie zur Fortbildung der Mitarbeiter.

„Hans im Glück“ hat seit der Trennung ebenfalls expandiert und betreibt jetzt 61 Restaurants, vor allem im Süden und Westen Deutschlands, aber auch in der Schweiz und in Österreich. In München gibt es allein 15 „Hans im Glück“-Burgergrills. Bis zum Jahresende eröffnen fünf weitere Filialen, in Bielefeld, Chemnitz, Würzburg, Dortmund und Singapur. Für 2019 sind etwa 25 Eröffnungen geplant, heißt es.

Im traditionell billigeren Selbstbedienungsbusiness liefern sich Marktführer McDonald's und Burger King einen harten Konkurrenzkampf. Sowohl „Hans im Glück“ als auch „Peter Pane“ grenzen sich von Schnellimbissketten ab und zielen mit ihrem gehobenen Angebot auf ein junges Publikum, das bereit ist, für einen Burger etwas mehr Geld auszugeben. Dass das Konzept für zwei ähnliche Angebote aufgeht, beweist ihre starke Expansion. Nach der außergerichtlichen Einigung können sich beide Ketten ganz auf ihr weiteres Wachstum konzentrieren.

Christian Risch