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Lübeck Hanse-Dokumente für Unesco-Welterbe nominiert
Lokales Lübeck Hanse-Dokumente für Unesco-Welterbe nominiert
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20:35 26.09.2017
Seit Ende 2015 hat eine kleine Lübecker Arbeitsgruppe von Hansehistorikern, bestehend aus Archivleiter Dr. Jan Lokers (Foto), Prof. Rolf Hammel-Kiesow und Dr. Dominik Kuhn, an dem Antrag gearbeitet. Quelle: Olaf Malzahn
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Lübeck/Bonn

Zu den umfangreichen Dokumenten gehören unter anderem Handelsverträge, Privilegien, Friedensschlüsse, Zoll-Listen sowie Rechnungsbücher und Kaufmannsbriefe. Sie dokumentieren Wesen und Wirken der Hanse in Europa vom Hochmittelalter bis in die Frühe Neuzeit. Mit dabei ist zum Beispiel die Bestätigung des englischen Königs Edwards VI. der Hansestädte in England – eine Urkunde aus dem Jahr 1547.

Kultursenatorin Kathrin Weiher (parteilos) zeigte sich erfreut über die Nominierung, denn die Aufnahme würde der Hansestadt einen weiteren Weltkulturerbe-Titel einbringen. „Für das Archiv der Hansestadt wäre dies eine internationale Auszeichnung und Anerkennung seiner hochrangigen Bestände“, sagte sie.

Schleswig-Holsteins Kulturministerin Karin Prien (CDU) gratulierte den Historikern für ihre „exzellente Arbeit. Das ist eine großartige Nachricht für Lübeck und ganz Schleswig-Holstein“, sagte sie.

„Ich kann mir kaum eine bessere Wahl vorstellen und hoffe, dass der Antrag in Paris eine sehr gute Chance hat. Die Aufnahme der Hanse-Dokumente rückt nicht zuletzt die weitgespannten Handelsbeziehungen der Hanse in Europa in den Blick und hat somit eine hochaktuelle Symbolik.“

Rund eineinhalb Jahre hatte eine dreiköpfige Arbeitsgruppe – bestehend aus Archivleiter Dr. Jan Lokers, Prof. Rolf Hammel-Kiesow und Dr. Dominik Kuhn – an dem Antrag gearbeitet. Es habe in der Zeit Beratungen mit Fachwissenschaftlern und Archivaren aus dem In- und Ausland gegeben. Dem Team sei es gelungen, Partner aus ganz Nordeuropa für ihr Anliegen zu gewinnen, teilte die Stadt mit. So hätten die Unesco-Komitees in Belgien, Polen, Estland und Lettland bereits verbindlich erklärt, den deutschen Antrag zu unterzeichnen. Es sei also „ein Unternehmen ganz im Geist der Hanse – gemeinsam über Grenzen hinweg zu handeln“, sagte Weiher. Im Mai reichten die Historiker ihren Antrag dann in Bonn ein.

Zusätzlich zu den Hansequellen aus Lübeck sollen auch ähnlich einzigartige Hansedokumente aus Archiven in Estland, Lettland, Polen und Belgien der Unesco vorgeschlagen werden. Die Königliche Bibliothek in Kopenhagen steuere beispielsweise ein russisch-mittelniederdeutsches Sprachlehrbuch eines Hansekaufmanns aus dem 17. Jahrhundert bei. „In ihrer Gesamtheit dokumentieren die nominierten Archivdokumente aus sechs europäischen Ländern das einzigartige historische Phänomen Hanse“, teilte die Stadt mit.

Die Lübecker Historiker setzten sich mit ihrem Antrag gegen mehrere Mitbewerber durch. Die Bundesrepublik Deutschland wird die Quellen nun über das Auswärtige Amt für das Unesco-Register „Dokumente der Menschheit“ vorschlagen. Ob sie tatsächlich aufgenommen werden, liegt dann in der Hand eines internationalen Komitees. Mit deren Entscheidung ist nach Angaben der Stadt Lübeck erst im kommenden Jahr oder Anfang 2019 zu rechnen. 

348 Dokumente

Die Unesco bezeichnet das Weltregister „Memory of the World“ als ein „weltumspannendes digitales Netzwerk mit ausgewählten herausragenden Dokumenten“. Dazu zählten wertvolle Buchbestände, Handschriften, Unikate, Bild-, Ton- und Filmdokumente.

Das Register umfasst 348 Dokumente aus vielen Teilen der Welt, darunter die 21 Thesen der Solidarnosc, die Kolonialarchive Benins, Senegals und Tansanias, die Sammlung indigener Sprachen in Mexiko, die Archive des Warschauer Ghettos, das älteste noch erhaltene Manuskript des Korans „Mushaf von Othman“ aus Usbekistan sowie als erstes Zeugnis des Buchdrucks die Göttinger Gutenberg-Bibel und den koreanischen Frühdruck Jikji (Anthologie der Zen-Lehre).

Ziel sei es, dokumentarische Zeugnisse von außergewöhnlichem Wert in Archiven, Bibliotheken und Museen zu sichern und auf neuen informationstechnischen Wegen zugänglich zu machen.

(Quelle: unesco.de)

 jd

 

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