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Hanse-Schule ist Vorreiter: Eine Klasse nur für Flüchtlinge

Lübeck Hanse-Schule ist Vorreiter: Eine Klasse nur für Flüchtlinge

Sie sind vor Gewalt, Verfolgung oder sozialem Elend geflohen: Zehn junge Männer bilden in Lübeck die erste Schulklasse des Landes nur für Zuwanderer.

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Lebhafter Unterricht: Klassenlehrerin Susanne Oevermann (rechts) muss sich keine Sorge um mangelnde Mitarbeit ihrer Schüler machen. Die Freude am Lernen ist unstillbar. Im Hintergrund: Wiebke Hartmann (l.) und Martina Weger.

Quelle: Wolfgang Maxwitat

Innenstadt. Klassenlehrerin Susanne Oevermann hat eine Frage gestellt — und viele Finger schnippen. Alle Schüler haben die Antwort parat, wollen zeigen, was sie können. Ihr Lerneifer ist kaum zu bremsen. Fantastische Stimmung herrscht an diesem Morgen in den Räumlichkeiten einer ganz besonderen Klasse, die es in dieser Form bislang nur einmal in Schleswig-Holstein gibt. Die Hanse-Schule für Wirtschaft und Verwaltung in der Dankwartsgrube bietet Flüchtlingen Sicherheit durch Bildung. Die Schüler erhalten eine Einstiegsqualifizierung (EQ) mit Deutsch als Zweitsprache (DaZ).

Zwei Projekte werden in einer Schulklasse verknüpft. Die Hanse- Schule nutzt eine Lücke in der Gesetzgebung. Junge Leute, die älter als 18 sind, dürfen nicht mehr beschult werden. Nehmen sie aber an einer von der Arbeitsagentur finanzierten Einstiegsqualifizierung teil, liegt die Frist bei 25 Jahren. Viele Flüchtlinge sind über 18 Jahre alt. Sie brauchen eine Berufsausbildung, um sich in Deutschland integrieren zu können. Eine Lehre schützt aber auch vor Abschiebung. Und gut ausgebildete Fachleute will letztlich keine Firma mehr verlieren.

Die Einstiegsqualifizierung steht allen jungen Menschen in Deutschland offen, die Probleme haben mit dem Sprung in die Berufsausbildung. Für Flüchtlinge ist sie schlichtweg ein Rettungsanker.

Die zehn Schüler dieser ganz besonderen Klasse werden von vier Lehrern fit gemacht fürs Berufsleben und zusätzlich unterstützt von zwei Schulsozialarbeitern. Und jeder der jungen Männer wird außerhalb der Schule von ehrenamtlichen Betreuern unterstützt — zum Beispiel bei Behördengängen. Wiebke Hartmann, Abteilungsleiterin in der Hanse-Schule: „Die Ehrenamtler mache eine unbezahlbare Arbeit.“ Es hat sich ein tolles Netzwerk gebildet, das im Stillen wirkt, unterstützt von der Gemeindediakonie, finanziell gefördert vom Lions-Club Lübeck und der Preuschhof-Stiftung.

Die meisten der Schüler sprechen fast schon fließend Deutsch. Im Unterricht diskutieren sie in einer Sprache, die ihnen vor nicht allzu langer Zeit noch völlig fremd war: zum Beispiel über die Frage, was der Unterschied zwischen der Schere einer Schneiderin oder der eines Friseurs ist.

Die Schüler wollen Koch, Kellner, Verkäufer, Parkettleger, Schneider oder Friseur werden, manche haben schon Vorkenntnisse, andere müssen noch alles lernen. Sie büffeln Deutsch, Mathematik und erweitern ihre Politik- und Wirtschaftskenntnisse. Denn wenn sie einen Lehrvertrag erhalten, müssen sie auch der Berufsschule gewachsen sein. Und da gibt es noch Hindernisse. Susanne Oevermann:

„Textaufgaben sind eine unglaubliche Hürde.“

Die Zusammenarbeit unterschiedlichster Institutionen trägt Früchte. „Alle Schüler, mit denen wir gestartet sind, hatten zum zum 1. Oktober vergangenen Jahres einen Platz in einem Betrieb“, sagt Oevermann. „Die Industrie- und Handelskammer und die Handwerkskammer, die Arbeitsagentur, die Hanse-Schule und die ehrenamtlichen Betreuer haben sich erfolgreich darum bemüht.“

Martina Weger, stellvertretende Leiterin der Hanse-Schule, ist begeistert von dem Erfolg. Am 1. August startet eine neue Klasse. Schon jetzt gibt es 20 Anmeldungen. Und die Schüler der ersten Klasse dieser Art, von denen viele auf dem Sprung in die Lehre sind, sind voller Tatendrang. „Sie haben ein Ziel“, sagt Weger. „Und daraus entwickelt sich eine enorme Eigendynamik.“ Susanne Oevermann bestätigt das: „Es ist ein lebendiger, fröhlicher Unterricht. Alle wollen sich im Deutschen erproben, möchten gehört werden.“

Wie der Syrer Ahmad Mohammad (24), der Friseur werden will. „Schulferien mag ich nicht“, sagt er. „Ich will weiterlernen.“ Moussa Heidari (24) stammt aus Afghanistan. Als der Paschtune vor der Taliban floh, war er 15. Er wusste damals nichts von Deutschland; nur dass es dort sicher war. Glücklich sagt Moussa: „Danke für die Chance, lernen zu dürfen.“ Jetzt hat Moussa eine Kochlehre in greifbarer Nähe. Für ihn wäre der Lehrvertrag eine Lebensversicherung.

Eine „Lehre“ vor der Lehre

Die Einstiegsqualifizierung (EQ) ist wie eine kleine Lehre vor der Lehre. Betriebe können junge Menschen im Rahmen der EQ an eine Ausbildung in ihrem Betrieb heranführen.

Zielgruppen für EQ-Maßnahmen sind junge Menschen, die bis zum 30. September keinen Ausbildungsplatz finden konnten oder aktuell noch nicht in vollem Umfang für eine Lehre geeignet sind.

Hauptziel der Einstiegsqualifizierung ist es, diesen jungen Menschen Gelegenheit zu geben, berufliche Handlungsfähigkeit zu erlangen. Gleichzeitig bietet die EQ dem Ausbildungsbetrieb die Möglichkeit, den EQ-Teilnehmer über einen Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten im täglichen Arbeitsprozess beobachten zu können. Die Firmen, die eine betriebliche Einstiegsqualifizierung durchführen, können durch Zuschüsse gefördert werden. Nähere Informationen gibt der Arbeitgeber-Service der Lübecker Agentur für Arbeit.

Von Torsten Teichmann

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