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Lübeck Harte Worte beim Krugtag der Fischer
Lokales Lübeck Harte Worte beim Krugtag der Fischer
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21:15 02.09.2017

Kücknitz. Zwar stehen Witze und muntere Kurzvorträge gewöhnlich im Mittelpunkt des traditionellen Krugtages. Aber der Ältermann der Gilde der Wakenitz- und Gothmunder Fischer, Bernd Kühn, nutzte die Feier im Gemeinschaftshaus Rangenberg auch für markige politische Aussagen.

Kühn zeichnete ein düsteres Zukunftsbild der Fischer im Jahre 2050: „Der letzte Gothmunder Fischer geht durch den Fischerweg und erläutert den Besuchern, wie es einmal im Fischereihafen Gothmund aussah und zuging.“ Kutter und Fischer werde es nicht mehr geben, so die traurige Vorhersage. Wo einst Kutter an den Brücken lagen, werde es nur noch Motorboote und Segeljachten geben. „Mit Aal, Hering und Dorsch ist es jetzt schon lange vorbei“, so der trübe Blick des Ältermanns in die Zukunft.

„So wird es kommen, wenn in Zukunft nichts Positives in der Fischereipolitik passiert“, wetterte Kühn. Widerspruch hatte er nicht zu befürchten er aus dem Kreis der 80 Fischer, Anhänger der maritimen Wirtschaft, Kapitäne und Lotsen, die sich zu der Feier eingefunden hatten. Sie stießen an bei Braunbier und Köm und sangen zur Musik von Peter Lohse und Tom Behrens das Lübeck-Lied. Das alte Fischerfest geht auf eine lange Tradition zurück. Frauen haben keinen Zutritt zu dem Kreis der Männer in dunklen Anzügen. Erst später, als der Krugtag zu Ende war, kamen die Frauen zur Kaffeetafel dazu.

Ungebremst schimpfte Bernd Kühn: „Es gibt einfach zu viele Leute, die von der Fischerei keine Ahnung haben, aber trotzdem mitreden. Die ganze Fischereipolitik ist eine einzige Katastrophe“, schimpft der Fischer. „Trotz der dramatisch niedrigen Quoten kämpfen wir weiter, solange es noch geht.“

Auch der Fischotter fand keine Gnade vor dem Ältermann – genauer gesagt, der Schutz dieses Tiers, das in Schleswig-Holstein schon einmal fast ausgestorben war. Kühn wendete sich vor allem gegen die Gebote, die er beim Fischen einhalten soll:

„Außer auf Verkehrsschildern habe ich noch keinen einzigen Otter zu Gesicht bekommen“, sagte er über das notorisch scheue Tier. „Wie soll ich denn fischen, wenn ich wegen des Schutzes der Otter eine Reuse mit geschlossenem Eingang benutzen soll?“, fragte der Fischer ratlos in die Herrenrunde. „Eine geschlossene Reuse brauche ich nicht einzusetzen, dann passt da zwar kein Otter rein, aber auch kein Fisch.“

Trotz der harten Worte vergnügten sich die Herren ausgiebig, labten sich aus alten Zinnkrügen – und hielten mit ihrer Feier eine lange Tradition am Leben.

jac

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