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Haus der Wissenschaft vor dem Aus

Lübeck Haus der Wissenschaft vor dem Aus

Bisher half das städtische Wissenschaftsmanagement den Hochschulen, Bürgerinnen und Bürger für Forschung zu begeistern. Jetzt ist diese städtische Koordinierungsrolle aber nicht mehr gewollt. Damit ist das durch die Bürgerschaft bereits verabschiedete Zukunftskonzept hinfällig.

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Das Haus der Wissenschaft in der Breiten Straße wurde 2014 als Anlaufstelle für Hochschulen, Institutionen und Wissenschaftseinrichtungen eingeweiht. Jetzt ist seine Zukunft ungewiss.

Quelle: Fotos: Maxwitat (2), Roessler, Malzahn

Lübeck. Eigentlich schien alles in trockenen Tüchern zu sein. Schließlich wurde über viele Monate am umfangreichen Konzeptpapier gefeilt; als dieses dann in der Endfassung vorlag, hatten die Bürgerschaft wie auch drei Stiftungen ihre Finanzierungszusage bestätigt (die LN berichteten). Jetzt das: Das Wissenschaftsforum Lübeck, das als Fortsetzung des Wissenschaftsmanagements der Hansestadt gedacht war und als Vermittler zum Campus den Bürgern Forschung und Wissenschaft spannend aufbereitet nahebringen sollte, wird es so nicht mehr geben.

LN-Bild

Bisher half das städtische Wissenschaftsmanagement den Hochschulen, Bürgerinnen und Bürger für Forschung zu begeistern. Jetzt ist diese städtische Koordinierungsrolle aber nicht mehr gewollt. Damit ist das durch die Bürgerschaft bereits verabschiedete Zukunftskonzept hinfällig.

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„Leider sind wir in den aktuellen Bestrebungen doch nicht zu einer für alle Beteiligten sinnvollen und zukunftsfähigen Lösung gekommen“, bedauert der Präsident der Musikhochschule Lübeck (MHL), Prof.

Rico Gubler. Und in einer gemeinsamen Pressemitteilung teilen Uni, Fachhochschule und MHL sowie Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) vereint mit, dass nun bis zum Sommer ein weiteres Gesamtkonzept zu dieser Thematik erarbeitet werde. Die größte Veränderung ist bereits klar: „Statt einer institutionalisierten Zusammenarbeit steht die Umsetzung von konkreten Projekten im Mittelpunkt“, so die Verlautbarung. Was das konkret heißt, fasst der designierte Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) zusammen: „Herr Saxe hat vor Kurzem ein weiteres Gespräch mit den Hochschulen geführt. Da wurde der Wunsch geäußert, zukünftig mehr projektorientiert zusammenarbeiten zu wollen. Eine Personalkoordinierung von Seiten der Hansestadt wird aus Sicht der Hochschulen als nicht mehr erforderlich erachtet.“

Vom ursprünglichen städtischen Sechser-Team, das 2012 das Titeljahr „Stadt der Wissenschaft“ koordinierend ausgestaltet hatte, ist schon jetzt nur noch ein Duo übriggeblieben – mit der Wissenschaftsbeauftragten Susanne Kasimir sowie Mitarbeiter Thomas von Massow. Ihre Hilfe ist scheinbar nicht mehr gewollt. Fraglich ist damit auch, was aus dem Haus der Wissenschaft in der Breiten Straße wird, wo beide ihr Büro haben, und dem Wissenschaftspfad in der Altstadt. „Eigene Räume sind künftig nicht mehr nötig“, stellt dazu Saxe fest.

Hans-Jochen Arndt vom jahrelangen Förderer der Wissensvermittlung, der Wessel-Stiftung, formuliert erste Bedenken: „Ich würde es bedauern, wenn die erfolgreiche institutionalisierte Kooperation der Stadt mit den Hochschulen entfallen würde.“ Die beliebte Mini- Master-Reihe für junge Forscher sei schon für 2018 mit Susanne Kasimir durchorganisiert und finanziert. Und Wolfgang Pötschke von der Gemeinnützigen Sparkassenstiftung sagt: „Man muss wohl den Status, der sich abzeichnet, akzeptieren. Allerdings dürfe man die Ursprungsidee, mit der auch der Titel „Stadt der Wissenschaft“ eng verknüpft sei, nicht aus den Augen verlieren – „wie man also die Bürgerinnen und Bürger der Hansestadt für Wissenschaft interessieren und begeistern kann“, so der Vorstandsvorsitzende.

Susanne Kasimir direkt auf den neuen Sachstand angesprochen, erklärt lediglich, dass sie „in der Angelegenheit leider keine Auskunft geben“ könne. In dem bereits abgesegneten Konzeptpapier waren bewährte und beliebte Veranstaltungsformate aus der Welt von Forschung und Wissenschaft – wie zum Beispiel die Nacht der Labore oder die interakademische Ringvorlesung – bereits fest eingeplant. Sie sollten noch ergänzt werden, durch unter anderem ein Mint-Portal als Instrument der Nachwuchsförderung.

„Die Entscheidung über die Art der Fortsetzung der Zusammenarbeit liegt allein in der Hand der Beteiligten“, erklärt Max Schön, Vorsitzender des Stiftungsvorstandes bei Possehl. Seine Stiftung hat bisher in der Finanzierungsgemeinschaft der Wissensvermittlung das meiste Geld beigesteuert. Insofern sehe man nunmehr Projektanträgen erwartungsvoll entgegen.

Und obwohl die Stadt offenkundig Einfluss verliert, kann der zukünftige Bürgermeister Jan Lindenau eigentlich nur Positives sehen. „Der Vorteil wird sein, dass es durch projektzentrierte Einzelzuständigkeiten einfacher sein wird, Drittmittel einzuwerben. Wir gewinnen so an Flexibilität. Und die Vernetzung, von der wir nun profitieren, ist ein Verdienst des Wissenschaftsmanagements.“

Wissenschaftsmanagement

Aufgebaut wurde das Wissenschaftsmanagement von Dr. Iris Klaßen, die im Juni 2009 in die Hansestadt kam. Erste Aufgabe war die Entwicklung eines Konzepts für die Wissenschaftsstadt. Die Teilnahme am Wettbewerb „Stadt der Wissenschaft“ war darin ein vorrangiges Kernprojekt – mit Erfolg, denn 2012 durfte Lübeck diesen Titel führen. Seitdem fungierte man weiter als Mittler zwischen Stadt und Hochschulen und schuf verschiedene Veranstaltungsformate für Groß und Klein, um die Bürger für Wissenschaft und Forschung zu begeistern.

 Michael Hollinde

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