Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Heftiger Streit um "Burka-Bild"
Lokales Lübeck Heftiger Streit um "Burka-Bild"
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:42 05.07.2017
Die verschleierten Frauen hatten im Januar vergangenen Jahres eine 51-Jährige angegriffen, die mit ihrem Smartphone Fotos gemacht hatte. Quelle: Holger Kröger
Anzeige
Lübeck

Es ist ein kleines Foto, dass am 24. Januar vergangenen Jahres für einen großen Polizeieinsatz sorgte. Ein Bild, dass Bärbel M. (alle Namen geändert) mit ihrem Smartphone aus dem Auto heraus gemacht hat. Und auf dem unter anderem Kirsten L. und Stefanie B. zu sehen sind. Beide Frauen tragen Vollverschleierung , gehören dem Islam an. „Bei uns darf man ungefragt keine Fotos von Menschen machen“, betont Kirsten L., die mit sechs Jahren aus Russland nach Deutschland kam. „Bei uns ist das allerdings anders“, erklärt Richter Jobst-Rüdiger Puchert. In Deutschland dürften auf öffentlichen Plätzen Bilder gemacht werden. Puchert führt die Strafverhandlung vor dem Amtsgericht. Denn was nach der verhängnisvollen Aufnahme folgte, beschäftigte die vergangenen eineinhalb Jahre die Behörden. Kirsten L. und Stefanie B. sollen die Fahrertür des Wagens aufgerissen und das Handy verlangt haben. Als Bärbel M. dies verweigerte, kam es zu Handgreiflichkeiten und Beleidigungen. Unter anderem soll Kirsten L. der Fahrerin einen Tritt gegen die Brust verpasst haben. Außerdem soll sie einem Zeugen Pfefferspray in die Augen gesprüht haben. Vor Gericht geht es nun unter anderem um gefährliche Körperverletzung.

Während sich die hochschwangere Stefanie B. (25) nicht zu den Vorwürfen einlässt, erzählt ihre 23-Jährige Freundin ohne Umschweife vom Tattag. Über ihre persönlichen Verhältnisse will sie dagegen nur wenig verraten. Auf die Frage nach ihren Vermögensverhältnissen berichtet sie lediglich, dass sie knapp 1000 Euro im Monat verdiene und „ein iPhone 7 eben teuer ist“. Sie wirkt selbstbewusst, erzählt mit klarer Stimme und lacht hin und wieder laut auf, während die Zeugen vernommen werden.

Am Tattag wollten Kirsten L. und Stefanie B. gemeinsam zur Bank gehen, als sie in der Fackenburger Allee bemerkten, dass sie fotografiert wurden. „Ich habe die Frau gebeten, das Bild zu löschen. Das Ganze ist eskaliert“, berichtet L.. Im Folgenden fielen Schimpfwörter, es kam zu Handgreiflichkeiten. „Ich habe Agressionsprobleme. Ich war einfach in Rage“, sagt L.. Auch eine Polizistin bestätigt: „Die Angeklagten waren sehr provozierend und distanzlos.“ Immer wieder seien Ausrufe wie „Ihr könnt uns gar nichts, die Muslime werden siegen“ oder „Allahu Akbar“ gefallen. „Die Stimmung war extrem aufgeheizt“, so die Zeugin. Das bekam auch Jürgen L. zu spüren. Er wollte ein Foto vom Geschehen machen.

Was dann passierte beschreibt Kirsten L. so: „Ich bin hin, dann hat er mir eiskalt eine reingehauen. Dann habe ich mein Pfefferspray benutzt.“ Den Schlag des Zeugen allerdings konnte bisher niemand bestätigen. Bärbel M. berichtet vor Gericht von Todesangst. „Ich dachte, die haben da vielleicht noch eine Granate. Ich habe wirklich gedacht, gleich stirbt meine Tochter, die neben mir saß.“ Dass sie die Angeklagten fotografieren wollte, bestreitet sie. Es sei ihr als Maklerin lediglich um eines der interessanten Gebäude gegangen.

Doch genau das ist auf dem Foto kaum zu sehen. „Ich bin eben eine furchtbar schlechte Fotografin. Mein Mann sagt auch immer, ich sollte mal einen Kurs machen“, erzählt sie und bleibt trotz mehrmaliger Nachfragen bei ihrer Aussage.

Die Verhandlung wird am Mittwoch, 12. Juli, um 13.30 Uhr fortgesetzt. Dann soll ein weiterer Zeuge vernommen werden. 

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige