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Lübeck Heinz Besser gestorben: Vermögen fließt in große Stiftung
Lokales Lübeck Heinz Besser gestorben: Vermögen fließt in große Stiftung
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20:25 14.01.2018
Heinz Besser eröffnete 2013 das ECC-Kongresszentrum in der Wisbystraße, das direkt an den Hanseatischen Hof angebaut wurde und für Großveranstaltungen mit bis zu 1200 Teilnehmern geeignet ist. Quelle: Foto: Wolfgang Maxwitat
Lübeck

Besser besaß zahlreiche Wohnungen, zwei Hotels, das Kongresszentrum ECC. Die genaue Höhe seines Nachlasses wollen weder Rechtsanwalt und Notar Dr. Oswald Kleiner noch seine langjährige Mitarbeiterin Cornelia Jörs beziffern. „Es ist ein sehr großes Vermögen“, erklärt Kleiner. Das fließt in die gemeinnützige Heinz-Besser-Stiftung, die noch gegründet werden muss. Stiftungszweck ist die finanzielle Unterstützung von Sehbehinderten, Blinden, der Augenheilkunde und der Gesundheitsfürsorge im Allgemeinen vor allem in Lübeck, aber auch darüber hinaus.

Heinz Besser kam am 25. März 1921 in Stockelsdorf zur Welt. Der Sohn eines Gärtnermeisters entschied sich nach der Schulzeit gegen die Übernahme des elterlichen Betriebs. Stattdessen ging er zur Wehrmacht. Bei der Luftwaffe erwarb er die Pilotenlizenz. „Bis ins hohe Alter ist er selber geflogen“, erzählt seine langjährige Mitarbeiterin Cornelia Jörs, die seit Jahrzehnten in Bessers Unternehmen tätig ist. Besser besaß zwei Flugzeuge, die auf dem Flughafen in Blankensee stationiert sind.

Nach Kriegsende lernte er Zimmermann, studierte Architektur und Ingenieurswesen in Lübeck. In den 1950er Jahren machte er sich selbstständig. Sein erstes Mehrfamilienhaus baute er 1958 in der Ratzeburger Allee. Damals beschloss er, auch als Vermieter aufzutreten. „Jedes Jahr wurde ein Neubau hochgezogen“, erinnert sich Cornelia Jörs. Es folgten Wohnungen auf Sylt, in Lübeck und in Berlin.

Nach der Wende baute er in Rostock und Dresden. „Er hatte einen guten Riecher und war schnell entschlossen“, blickt Jörs zurück.

1996 stieg der Mann, der nie Urlaub machte, in die Hotellerie ein, eröffnete die Holsten-Residenz, die er später in den Hanseatischen Hof umwandelte. Später folgte das Traveller-Hotel im St.Jürgen-Ring. Noch im Oktober feierte der Unternehmer Richtfest für ein Apartmentgebäude im Steinrader Weg. Die Heinz-Besser-Verwaltungs GmbH wird fortgeführt, neuer Gesellschafter wird die Stiftung. „Für die Mieter wird sich nichts ändern“, versichert Cornelia Jörs. Völlig unklar ist, was aus Bessers Plänen für ein Wohn- und Geschäftshaus am Lindenteller wird. Der Unternehmer hatte das frühere Areal des Autohauses Lorenzen gekauft und millionenschwere Pläne verfolgt. Darüber war er mit der Stadt und der Bürgerschaft in Streit geraten. Weil Besser höher bauen wollte als Verwaltung und Politik, liegt das Projekt im Moment auf Eis. Ein künftiger Stiftungsvorstand, der laut Rechtsanwalt Kleiner in Kürze gebildet werden soll, wird über das Projekt entscheiden. Dabei wird es auch um die Frage gehen, ob das Bauvorhaben in das Stiftungsprofil passt. „Das alte Gebäude wird länger stehenbleiben, denn das, was geplant war, wird mit Sicherheit nicht verwirklicht“, prognostiziert Cornelia Jörs.

Die Frage, wie es mit dem Hanseatischen Hof weitergeht, ist geklärt. Zum 1. Januar hat der neue Direktor Hans-Hermann Duderstadt angefangen. Im Restaurant des Hanseatischen Hofes hatte der Verstorbene seinen eigentlichen Arbeitsplatz. Architektonische Entwürfe hat er, wenn kein Papier zur Hand war, auch schon mal auf Servietten gezeichnet. „Der Platz im Restaurant wird nicht mehr vergeben“, stellt der neue Direktor klar.

Mit seiner zuweilen auch schroffen Art hat Besser sich nicht nur Freunde gemacht. In seiner Rolle als Vermieter hat er dem Mieterverein Lübeck hingegen so manches Mitglied gebracht. Prominente Wegbegleiter wie der frühere Präses der Industrie- und Handelskammer (IHK), Bernd Jorkisch, sagen: „Ich habe ihn in seiner nicht immer einfachen, aber besonderen Art schätzen gelernt.“ Heinz Besser sei eine der schillerndsten Unternehmerpersönlichkeiten Lübecks gewesen, erklärt Bürgermeister Bernd Saxe (SPD): „Er war rustikal im Umgang mit Mitarbeitern, Auftragnehmern, selbst Mietern. Und er war unermüdlich für seine Unternehmen aktiv.“

 Von Kai Dordowsky

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